Herzogpark: Thomas-Mann-Villa angeblich für 30 Millionen verkauft

Der Investmentbanker Alexander Dibelius soll seine Villa nach einem kostspieligen Scheidungskrieg in der Poschingerstraße 1 verkauft haben. Das Anwesen befindet sich dort, wo der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann von 1913 bis zu seiner Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1933 mit seiner Familie gewohnt hat.

 

Laut  der Illustrierten „Bunte“ soll Dibelius das Anwesen im Herzogpark im Münchner Stadtbezirk Bogenhausen „„für unglaubliche 30 Millionen Euro“ an einen reichen Russen, einen „Oligarchen“ verkauft haben. Die „FAZ“ vom 16.02.15 korrigiert diese Darstellung durch Aussagen ungenannter Personen aus dem Umfeld von Dibelius: „Verkauf stimmt, Nationalität des neuen Eigners ist falsch.“ Laut der Recherche von Florian Zerfaß von der Wirtschaftswoche handelt es sich bei dem Käufer um den 37-jährigen niedersächsischen Investor mit dem Namen Thomas Manns. Manns aus Osterode hatte das von seinem Vater geerbte Logistikunternehmen Pema GmbH 2008 für knapp 270 Millionen Euro verkauft und ist seither als Investor tätig. 

Alexander Dibelius war lange Jahre Chef des Investmentbank Goldmann Sachs Deutschland in Frankfurt und galt lange als einer der mächtigsten und am besten vernetzten Banker in Deutschland. Nachdem er mit einer neuer Partnerin mit 55 erstmals Vater geworden war, trennte er sich in einem von der Boulevardpresse aufmerksam beobachteten Scheidungskrieg im Sommer 2014 von seiner Ehefrau und verließ im Herbst 2015 den Posten als Goldmann-Sachs-Chef in Deutschland.

Bei der Villa in der Poschingerstraße 1 handelt es sich allerdings nicht um das von Thomas Mann bewohnte Originalgebäude, sondern um einen Nachbau. 2001 hatte Dibelius das Grundstück erworben und zwischen 2002 bis 2005 den Neubau errichten lassen. Dessen Cousin, der Architekt Thomas Dibelius, entwarf das Gebäude in Anlehnung an die Villa von Thomas Mann nach dem alten Grundriss. Eine  Rekonstruktion, die allerdings umstritten ist.

Thomas Mann hatte als junger Starautor mit finanzieller Unterstützung seines vermögenden Schwiegervaters 1913 beschlossen im neuen Nobelviertel Herzogpark seine Familienresidenz zu errichten. Der Autor der „Buddenbrocks“ hatte von dem Aufsichtsratsvorsitzenden der „Terrain Aktiengesellschaft Herzogpark, dem Freiherr Rudolf von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg das Grundstück an der Poschingerstraße 1 erworben. Der Baugrund lag direkt an der Isarpromenade. 1914, zog die Familie Mann von der Mauerkircherstraße 13 in das von den Brüdern Alois und Gustav Ludwig erbaute Stadtpalais ein. Es entwickelte sich ein nobles gesellschaftliches Leben, das mit der NS-Zeit mit der Emigration, Vertreibung und Vernichtung jüdischer Familien zu Ende ging. Auch für die Manns bedeutet Hitlers Machtergreifung der Verlust ihres kleinen Anwesens in der Poschingerstraße. 1933 verließ Familie Mann die Villa in Bogenhausen und zog ins Exil nach Arosa in der Schweiz. Das Haus wurde von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmt. Nur wenige Möbelstücke und einige Bücher gelangen noch zur Familie, alles andere wurde versteigert. Nach der Enteignung der Villa zugunsten des Deutschen Reichs im Jahr 1937, zog ein Jahr später eine Zweigstelle des "Lebensborn e.V." in die Räume ein. Im Krieg wurde das Haus schwer beschädigt, nach der Rückerstattung an Thomas und Katja Mann 1948, ließ der Schriftsteller die Villa 1952 abreißen und das Grundstück verkaufen. 

Foto oben - Ulrich Lohrer, Thomas Mann um 1930 am Schreibtisch in seiner Münchner Villa: Thomas-Mann-Archiv