Der Herzogpark

Der ehemals für den mächtigen Minister Montgelas vom Landschaftsarchitekten Sckell angelegte Park, gelangte um das Jahr 1900 in die Hände einer Stadtentwicklungsgesellschaft. Seither ist der Herzogpark eine der nobelsten Villenviertel Münchens, in dem sogar der Schriftsteller Thomas Mann sein Vermögen investierte.

 

„Das ist kein Wald und kein Park, das ist ein Zaubergarten, nicht mehr und nicht weniger“, schwärmte Thomas Mann über den Herzogpark. In seiner 1918 entstandenen Erzählung „Herr und Hund“ schildert der Schriftsteller seine Spaziergänge und Erlebnisse mit dem Hundemischling Bauschan durch das erst wenige Jahre zuvor entstandene Villenviertel.

Der Germanist und Kenner der literarischen Topografie Münchens, Dirk Heißerer, bezeichnete den Herzogpark in Anlehnung an Goethes Literatenwelt auch als das „kleine Weimar“. Zu den Herzogpark-Bewohnern gehörten der Freundeskreis von Thomas Mann und seiner Kinder Erika und Klaus wie der Dirigent Bruno Walter, der Dichter und Verleger Alfred Walter Heymel, der Schriftsteller Bruno Frank sowie die Familien Wedekind und Hallgarten.

In den Jahren der Bundesrepublik hat der Zaubergarten einiges von seiner Magie verloren. Der stark befahrene vierspurige Isarring überquert mit der John-F.-Kennedy-Brücke seit den 1960er-Jahren den Herzogpark.

Er teilt ihn in einen südlichen und nördlichen Teil. Dennoch blieb das Villenviertel begehrt. Nach den Literaten ließen Industriellenfamilien und andere Vermögende ihre stattlichen Villen an den Isarauen errichten. Die Flicks, die Langenscheidts und Prominente wie Gunther Sachs und Boris Becker residierten hier in prächtigen Villen oder luxuriösen Eigentumswohnungen. Zum „alten Geld“ gesellten sich Manager von Großunternehmen, erfolgreiche Internet-Unternehmer oder Banker. Charakteristisch für den Wandel ist die Rekonstruktion der Thomas-Mann-Villa in der Poschingerstraße 1 (siehe großes Aufmacherbild ganz oben) durch den Architekten Thomas Dibelius für seinen Cousin Alexander C. Dibelius, dem Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs.

Während die rekonstruierte Thomas-Mann-Villa das Ausmaß des Originals bewahrt, unterliegen andere großzügige Villenanwesen der Zellteilung der Erbengeneration und Projektentwickler. Kritiker bemängeln, dass der Herzogpark in den vergangenen Jahren stark zugebaut worden sei und damit der exzellente Villencharakter verschwinde. „Noble Bauten brauchen Raum, keine Versiegelung der Grundstücke“, so Rolf Rossius, Autor von „Top Wohnen in München“. Die Folge dichter Bebauung seien stagnierende Preise. „Nur ein drastisches Umdenken kann diese einst so mondäne Villenlage retten.“

Wohnungen statt Flick-Villa Für Aufsehen in der Presse sorgte 2013 der Abriss der Flick-Villa (siehe Bild links) in der Pienzenauerstraße 111 südlich des Stauwehrs Oberföhring. Der Milliardär Friedrich Karl Flick hatte das 1979 fertiggestellte Gebäude mit 153 Zimmern und einer Wohnfläche von 2100 Quadratmetern für rund 28 Millionen D-Mark errichten lassen. Es war die Zeit des RAF-Terrors und des kalten Krieges: Besonderen Wert legte Flick, der mit seinen Parteispenden und der Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne seines Daimler-Benz-Aktienpakets die Bonner Flick-Affäre auslöste, auf Sicherheit: Die fünffach verglasten, zum Teil acht Zentimeter dicken Fenster waren von Machinenpistolen getestet,  im Keller befindet sich ein 28 Quadratmeter großer Atomschutzbunker.

Stefan Mayr, Chef von M-Concept, hat das Anwesen erworben. Der Kaufpreis wird auf einen Betrag zwischen 30 bis 40 Millionen Euro geschätzt.

Dannach ließ er den Palast des 2006 verstorbenen Milliardärs abreißen. Nach dem Entwurf der Landau und Kindelbacher Architekten wurde in zwei Jahren ein dreigeschossiges Gebäude mit elf Wohnungen errichtet.

Laut „SZ“ sollte der Quadratmeterpreis der 100 bis 400 Quadratmeter großen Luxuswohnungen in der Spitze 19.000 Euro, laut M-Concept 17.000 Euro betragen. Vermarktet wurden die Wohnungen vom Makler Detlev Freiherr von Wangenheim.

Es ist nicht das einzige Luxusprojekt, bei dem Mayr, Landau und Kindelbacher sowie von Wangenheim zusammenarbeiten: Wenige Hundert Meter nördlich entsteht mit ISAR 125 in der Pienzenauerstraße 125 eine ähnliche Luxusanlage, eine andere im Grüntal am Brunnbach.

Das Prinzip Verdichtung mit mehrgeschossigen Wohngebäuden anstelle freistehender Villen wird auch an anderen Stellen des Herzogparks von anderen Bauherren praktiziert, so etwa in der Flemingstraße oder der Steubstraße.

Oberhalb des Isarufers des alten Herzogparks herrscht bereits eine dichtere Bebauungsstruktur vor. Zwar gibt es auch hier Einfamilienhäuser wie in der Villenkolonie Am Priel-Hof und der Gartenstadt Bogenhausen-Priel, doch stehen dort auch Betonwohnhochhäuser. Die Patrizia bietet 61 Ein- bis Fünfeinhalb-Zimmer große Eigentumswohnungen der 1969 erbauten Isar-Wohnterrassen in der Oberföhringer Straße zum Kauf an. Größere Wohnquartiere wurden zuletzt im Norden an der Grenze zum Stadtteil Oberföhring in der Lohengrinstraße durch Bayernareal und im Süden an der Ecke Effnerstraße-Odinstraße („Odinshain“) durch Terrafinanz realisiert.

Vereinzelt entstehen sogar noble Neubauvillen, vor allem westlich des Klinikums Bogenhausen, südlich des Cosimaparks. Doch letzterer ist kein Zaubergarten.

 

Das Viertel in Zahlen

Von der Bogenhausener Max-Joseph-Brücke im Süden bis zum Grüntal und dem Oberföhringer Stauwerk im Norden erstreckt sich zwischen Isar und dem Isarhang – im „unteren“ Bogenhausen der Herzogpark. Er gilt heute als „erste Lage“ unter den Wohn- und Villenvierteln in München.

Zu dem Viertel gehört aber auch das Gebiet zwischen der Oberföhringer Straße und der Cosimastraße. Der Herzogpark gehört zum Stadtbezirk Bogenhausen und grenzt im Süden an die Bezirksteile Altbogenhausen und Parkstadt Bogenhausen an, im Norden grenzt es an den Bezirksteil Oberföhring.

 

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nach der Isarregulierung, war in der Auenlandschaft der Isar trockenes Land entstanden, auf dem der Architekt des Englischen Gartens, Friedrich Ludwig von Sckell, eine Gartenanlage für den Minister Montgelas anlegen konnte. Nach dem späteren Besitzer des Parks, Herzog Max in Bayern, erhielt das 1,3 Millionen Quadratmeter große Gebiet seinen Namen: Herzogpark.

Im Jahr 1900 kaufte die im gleichen Jahr gegründete „Terrain-Aktiengesellschaft Herzogpark München-Gern“ den zu diesem Zeitpunkt völlig verwilderten Park für vier Millionen Mark vom Herzog Karl Theodor, dem Sohn von Herzog Max, um hier ein Villenviertel zu errichten. Dem Wittelsbacher ermöglichte der Verkauf des Familienbesitzes die Finanzierung einer Aussteuer für seine Tochter. 

Der Zweck der Gesellschaft die "Erwerbung, Bebauung, Verwaltung und Veräusserung von Liegenschaften aller Art." Die Direktion der AG übernahm Architekt Martin Dülfer, Aufsichtsratsvorsitzender wurde einer der Gründer, Ludwig Freiherr von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg.Mit der Bebauung des Herzogparks wurde 1906 begonnen. 1913 standen hier 42 Mietshäuser, 38 Einfamilienhäuser und ein Geschäftshaus, man zählte 1000 Bewohner aus den "besten Kreisen Münchens. Mit dem Ersten Weltkrieg kam die Bebauung fast völlig zum Erliegen. Die Terrain-Gesellschaft geriet in finanzielle Schwierigkeiten, die Weltwirtschaftskrise tat ihr Übriges und im Jahr 1928 wurde ihr Vermögen schließlich von der Monachia AG für Grundbesitz in München übernommen, die 1941 selbst zum Sanierungsfall und von der Deutschen Bau und Bodenbank mehrheitlich erworben wurde.

Seinen gesellschaftlichen Höhepunkt hatte das neue Viertel in den 1920er und 1930er Jahren, als Unternehmer, Privatiers, prominente Wissenschaftler und Künstler hier bauten. 1913 erwarb auch der Schriftsteller Thomas Mann von Freiherr Rudolf von Gumppenberg-Pöttmes-Oberbrennberg, das Grundstück an der Poschingerstraße 1 im Bogenhausener Herzogpark. Der Baugrund lag direkt an der Isarpromenade. 1914, zog die Familie Mann von der Mauerkircherstraße 13 (Bild links) in das von den Brüdern Alois und Gustav Ludwig erbaute Stadtpalais ein. Es entwickelte sich ein nobles gesellschaftliches Leben, das mit der NS-Zeit mit der Emigration, Vertreibung und Vernichtung jüdischer Familien zu Ende ging. Auch für die Manns bedeutet Hitlers Machtergreifung der Verlust ihres kleinen Anwesens in der Poschingerstraße. 1933 verließ Familie Mann die Villa in Bogenhausen und zog ins Exil nach Arosa in der Schweiz. Das Haus wurde von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmt. Nur wenige Möbelstücke und einige Bücher gelangen noch zur Familie, alles andere wurde versteigert, die Villa zugunsten des Deutschen Reichs im Jahr 1937 enteignet. Im Krieg wurde das Haus schwer beschädigt, nach der Rückerstattung an Thomas und Katja Mann 1948, ließ der Schriftsteller die Villa 1952 abreißen und das Grundstück verkaufen. 2001 erwarb Alexander Dibelius, Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs, das Grundstück und errichtete 2002 bis 2005 einen Neubau. Deesen Cousin, der Architekt Thomas Dibelius, entwarf das Gebäude in Anlehnung an die Villa von Thomas Mann nach dem alten Grundriss (Bild oben). Eine  Rekonstruktion, die allerdings umstritten ist.

 

Architektonisch war der Herzogpark vom Bomberkrieg besonders stark betroffen. Heute gilt der Herzogpark als vornehmster Stadtteil Münchens, in welchem die gesellschaftliche und politische Elite wie die Familie Bogner oder der Verleger Langenscheid lebt, im Gegensatz zu Grünwald, wo eher die kulturelle Elite beheimatet sein soll. Das Viertel ist fast ausschließlich Wohngegend. Selbst das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung und der Carl-Hanser Verlag, die hier ihren Sitz haben, sind in Gebäuden untergebracht, die eher an Villen und Paläste erinnern, als an Büro- und Verwaltungsbauten.

 

Immobilien:

Direkt entlang der Isar und unterhalb der Oberföhringer Straße liegt zwischen Kufsteiner Platz an der Max-Joseph-Brücke und dem Isarwehr Münchens beste Wohnlage. Hier werden nur selten Neubauten vorgenommen, und dann meist als Villenumbauten oder in Form von Baulückenschließungen. In den kleineren Seitenstraßen werden bei sanierten und neuen Objekten Preise zwischen 7000 und 13.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt. In der Pienzenauerstraße 45 entsteht beispielsweise auf einem 1355 Quadratmeter großen  Grundstücke eine Stadtresidenz mit maximal fünf großzügigen Wohnungen. Der Preis für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit etwa 170 Quadratmeter liegt bei 1,7 Millionen Euro, umgerechnet als bei 10.200 Euro pro Quadratmeter.

Im Mietspiegel wird das gesamte Gebiet in der höchsten Wohnlagenkategorie eingestuft. Es kommt schon vor, dass hier ein Wohnhaus mit sechs Zimmer inklusive Nebenkosten für 11.000 Euro angeboten wird – pro Monat.