Wohnen am Englischen Garten

Für viele ist die Südostecke am Englischen Garten Münchens schönster Fleck. Die St. Anna Vorstadt zwischen Prinzregentenstraße, Isar und Tivoli bietet mit den Museen wie Haus der Kunst, Nationalmuseum und Schack-Galerie nicht nur Weltstadtflair, sondern ist auch eine der teuersten Wohngegenden Deutschlands.

 

Für Thomas Mann war die Prinzregentenstraße die Verkörperung von Eleganz und Luxus. Der kränkelnde Dichter Gustav Aschenbach, sein Held aus „Der Tod in Venedig“, unternimmt am Anfang der Novelle von seiner Wohnung in der „Prinzregenten“ einen Frühlingsspaziergang durch den Englischen Garten, vorbei am klassischen Monrepos zum Ausflugslokal Aumeister im Norden des Parks.

Mit dem Bau der jüngsten von Münchens Prachtstraßen im Auftrag von Prinzregent Luitpold wurde erst 1891, drei Jahre vor Thomas Manns Übersiedlung an die Isar, begonnen. Südöstlich vom Prinz-Carl-Palais entstand in einem neubarocken Halbrondell nach den Plänen der Wiener Architekten Viktor Siedeck und Robert Tilgner das noble Café Prinzregent. Gegenüber trafen sich in der „Secession“ die Maler Max Liebermann, Franz von Stuck und Lovis Corinth.

Nach Norden hin war jedoch die Prinzregentenstraße bis zur Lerchenfeldstraße und Gabriel von Seidls Nationalmuseum unbebaut und öffnete sich dem Englischen Garten. Selbst Seidls origineller Museumbau (Bild rechts, drittes Bild links unten) vermittelt mit seinen verschobenen Trakten und seiner Piazza nicht den Eindruck eines massiven Großbaus. Leichtigkeit, Offenheit und Eleganz bestimmte die Prachtstraße.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten  änderte sich das Erscheinungsbild: Nach Plänen von Hitlers damaligen Lieblingsarchitekten, dem bereits 1934 verstorbenen Paul Ludwig Troost, und nach dem Vorbild von Karl Friedrich Schinkels Berliner Nationalgalerie und Leo von Klenzes Münchner Bauten, wurde 1937 das monumentale Haus der (Deutschen) Kunst mit einer schier endlos wirkenden Säulenhalle eröffnet. Es riegelt den Englischen Garten rigoros ab und unterbricht den fließenden Übergang des Landschaftsparks zu Hofgarten und Stadt.

Gegenüber vom Nationalmuseum errichtete der Architekt German Bestelmeyer das Luftgaukommando – das heutige Bayerische Wirtschaftministerium – mit Sprenggiebeln und Hakenkreuzverzierungen. Die Straße wandelte sich von einer Flaniermeile zur Aufmarschzone.

Heute ist die St. Anna Vorstadt im Süden des Englischen Gartens zwischen Isar und Hofgarten einer der schönsten und nobelsten Wohngegenden von Deutschlands reichster Großstadt.

Dabei befanden sich nördlich der Prinzregentenstraße entlang der Isar „Am Gries“ Ende des 19. Jahrhunderts noch die armseligen „Waschmadl-Häuser“, Herbergen und Holzhändler am Rande des Englischen Gartens. Doch schon bald entstanden auch dort prächtige Bauten für Beamte, das Altenheim Vincentinum und „hochgradig ambitionierte Privatbauten“ (Bayerisches Denkmalamt). Besonders die Häuser direkt an der Isar, in der dem ehemaligen Münchner Bürgermeister Johannes von Widenmayer benannte Widenmayerstraße, zeichnen sich durch ihre Größe und durch ihre gute Erhaltung der Bausubstanz aus.

Hervorzuheben sind beispielsweise die zwei monumentalen Eckbauten  mit der Hausnummer  29 und 31 nach den Plänen von Franz Deininger für den Baumeister Joseph Burger und den Hofbadbesitzer Max Reininger. In dem Gebäude mit Nr. 29 (Bild links) wuchs der spätere Modeschöpfer Rudolf Moshammer auf, dessen Vater der Direktor der dort ansässigen Württembergischen Feuerversicherung in einer Zehnzimmerwohnung lebte.

Auch das beachtlich breite Mietshaus in der Widenmayerstraße 32, dass der Architekt Ludwig Grothe für den Baumeister Karl Vogt plant, ist nicht gerade bescheiden gestaltet, er wurde bereits von Zeitgenossen als „über das Normale hinausgehend“ umschrieben.

Weiter nördlich befindet sich in der Widenmayerstraße 38 ein frühes Gebäude des Architekten Otho Orlando Kurz, das er zusammen mit Eduard Herbert plante und die zusammen als Bauherren und Baumeister agierten. Die Fassadentekturen wurde von einer Baukommission, dem Münchens prominete Architekten Friedrich von Thiersch, Theoder Fischer, Georg von Hauberrisser, Karl Hocheder und Josef Rank angehörten.

Malerisch sind die reizvollen Häuser im Jugendstil, Neoklassizismus und Neobarock direkt am Englischen Garten, wo Straßen mit Namen wie Himmelreich (siehe Bild rechts) und Paradies aufeinandertreffen. Bezogen auf Lage und Schönheit ist dies eine der besten Wohngegenden Münchens.

Wer hier wohnt, der zieht kaum mehr um – oder nur gegen ein gutes finanzielles Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Äußerst selten ergibt sich hier daher die Möglichkeit neu zu bauen. Zwei Projektentwickler, die ImmoInvest und Bauwerk Capital, haben jeweils ein solches Filetstück ergattert.

Die ImmoInvest realisiert in der Lerchenfeldstraße einen gediegenen Luxusneubau, der wohl Münchens teuerstes Penthouse beinhalten wird. Anstelle eines Gebäudes aus den 1950er-Jahren wird das siebengeschossige Park Avenue München nach den Plänen von Pott Architekten errichtet (siehe Animation links oben). „Wir haben jahrelang mit den Vormietern verhandelt und sind Ihnen dabei finanziell sehr entgegen- gekommen“, so Christian Junginger, Geschäftsführer von ImmoInvest.

Weiter nördlich wurde in der Oettingenstraße 61 gerade der Rohbau der Wohnanlage O61 (Bild rechts) fertig gestellt. Bauwerk Capital hat die 19 Wohnungen mit 78 bis 366 Quadratmeter großen Wohnflächen bis Ende 2012 bereits alle verkauft. Das Projektvolumen beträgt knapp 30 Millionen Euro. Die meisten der Wohneinheiten werden von ihren Erwerbern selbst bezogen. Bis Ende 2013 soll das sechsgeschossigen Gebäude mit daran anschließendem siebengeschossigem Turm fertighestellt sein. Bauträger ist die Projektgesellschaft Parkside Lehel GmbH. Die Planung liegt beim Münchner Architekturbüro Falk von Tettenborn.

Architektonisch gelungen ist auch der direkt nördlich davon gelegene Umbau der ehemaligen Hofgärtnerei an der oettingenstraße zu einem neuen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität (Bild oben links) nach einem Entwurf von Fritsch + Tschaidse Architekten, die sich auf den Bereich der Bildungseinrichtungen spezialisiert haben.

Im benachbarten Viertel Biederstein, baut Hochtief Solutions HTP Bayern ebenfalls neu Gebäude: Auf dem Areal, wo  Sep Ruf in den 1970er-1980er Jahren Bürogebäude errichtet hat, entsteht das Tivoli Office und die Wohnanlage Tivoli Garden mit 30 Wohnungen nach Plänen von Hild und K entstehen, die ebenfalls von Bauwerk Capital vermarktet werden.

Und auch heute gilt: Wie zu Thomas Manns Zeiten ist Wohnen am Englischen Garten begehrt und teuer.

 

 

Das Viertel in Zahlen

Die St. Anna Vorstadt – oder nach der Bezeichnung der Stadtverwaltung der Englische Garten Süd – ist ein Verwaltungsteil des ersten Bezirks Altstadt-Lehel. Nach Osten bildet die Isar die Grenze zum Bezirk Bogenhausen (Viertel: Altbogenhausen) und die Prinzregentenstraße nach Süden die Grenze zum Nachbarviertel Lehel, zu dem der eigenständige Bezirksteil Englischer Garten Süd oft irrtümlich gezählt wird. Im Westen grenzt das Viertel mit dem Englischen Garten an die Schönfeldvorstadt des Bezirks Maxvorstadt und im Norden an die Viertel Münchner Freiheit und Biederstein des Bezirks Schwabing-Freimann an.

 

Einwohner: In dem Viertel wohnen 4370 Einwohner. Bezüglich der Alters- und Haushaltsstruktur entspricht das Viertel ziemlich genau dem Durchschnitt der Stadt. Das Einkommen seiner Bewohner liegt deutlich darüber.

Infrastruktur: Mit dem Englischen Garten, dem Haus der Kunst, dem Bayerischen Nationalmuseum, der Schack-Galerie und der Archäologischen Staatssammlung bietet die Gegend das Freizeit- und Kulturangebot einer Weltstadt. Im Süden wird das Viertel von der Prinzregentenstraße begrenzt. Entlang der Straße und zum Englischen Garten befinden sich bedeutende Museen. So wurde nach den Plänen von Gabriel von Seidl zwischen 1894 und 1900 an der Nordseite der Prinzregentenstraße als malerischer Übergang zum Englischen Garten das Bayerische Nationalmuseum erbaut. Sie enthält die kunstgeschichtliche und volkskundliche Sammlungen Bayerns. Äußerlich verbindet der Bau die verschiedenen Stilepochen der Ausstelungsstücke im Innern des Gebäudes durch eine phantasievolle Kombination der Romanik (Ostflügel), Barock (Turm des Mittelbaus)Renaissance (Westflügel) und Rokoko (westlicher Kopfbau). 

Etwas weiter östlich befindet sich das von Max Littmann zwischen 1907 bis 1909 errichtete Gebäude der Schack-Galerie. Es wurde im neuklassizistischen Stil erbaut und wurde mit dem barockisierenden Palastbau der ehemaligen preußischen Gesandschaft verbunden. Die Galerie enthält von dem preußischen Gesandten Adolf Friedrich von Schack gesammelte Werke bedeutender Maler seiner Zeit wie Böcklin, Feuerbach, Lenbach, Schwind und Spitzweg.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt die Prinzregentenstraße eine grundlegende Umgestaltung, die ihren offenen Charakter durch mächtige Bauten für die Aufmarschstraße grundlegend verwandelte. Durch das neoklassizistische „Haus der Deutschen Kunst“ nach den Plänen von Hitlers damaligen Lieblingsarchitekten, Paul Ludwig Troost, wurde der bislang offene Übergang zum Englischen Garten rigeros abgeriegelt. Der erste große Repräsentationsbau der faschistischen Regierung zeichnet sich durch seine endlos scheinende offene Säulenhallen entlang der Prinzregentenstraße und dem Englischen Garten aus. Die Kunstwerke in den über die gesamte Gebäudehöhe reichenden mittleren Ausstellungshallen werden in dem viel zu breit gelagerten Baukörper durch großflächige Oberlichter erhellt.

Nordöstlich davon, entlang dem Englischen Garten verläuft die Lerchenfelderstraße, in der sich die Archäologische Staatssammlung befindet. Es ist das zentrale bayerische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte. Es enthält Fundstücke von der Steinzeit bis zur Zeit der Römer in Bayern, aber auch Ausstellungsstücke aus der Zeit der Völkerwanderung und der Frühzeit Bayerns. Seit 1976 wurden nacheinander die verschiedenen Abteilungen in einem von den Architekten Helmut von Werz (1912–1990), Johann-Christoph Ottow, Erhard Bachmann und Michel Marx entworfenen Museums-Neubau aus Stahlbeton mit rostbildenden Cor-Ten-Stahlplatten bezogen.

Mit der Tramlinie 18 besteht ein guter Anschluss an den ÖPNV.

Immobilien: Die Südostseite am Englischen Garten gehört neben dem Herzogpark, Altbogenhausen und das an den Schlosspark Nymphenburg angrenzende Gebiet zu den teuersten und nobelsten Wohngegenden Münchens.

Im Mietspiegel der Landeshauptstadt München wird das Stadtviertel dennoch nicht als "beste", sondern weitgehend nur als Gegend mit "guter" und zum Teil auch nur amit "durchschnittlicher Wohnqualität" eingeordnet.

Gute Wohnqualität: Der Bereich zwischen Oettingenstraße. Prinzregentenstraße, Widenmayerstraße und Rosenbuschstraße, aber nicht die erste Hausreihe an der Widenmayer- und Oetingenstraße. Ein Preisbeispiel: Der Makler Duken & von Wangenheim offeriert eine 146 Quadratmeter große Wohnung für 2,4 Millionen Euro – umgerechnet 16.440 Euro pro Quadratmeter.

 

 

Der Bereich zwischen Lerchenfeldstraße, Emil-Riedel-Straße, Oettingenstraße/Englischer Garten und der Karolinenstraße.

Durchschnittliche Wohnqualität: Der Bereich zwischen Rosenbuschstraße, Windenmayerstraße und Emil-Riedel-Straße.

Der Bereich zwischen Karolinenstraße, Emil-Riedel-Straße und Theodorparkstraße.

 

 

Bildquellen:

Luftbilder: ImmoInvesr GmbH

Animation Park Avenue München: ImmoInvesr GmbH

Animation B61, Tivoli: Bauwerk Capital