Im Bann der Museumsinsel

Erst diente die Insel für anlandente Flösse als Materiallager, dann als Standort für die Isarkaserne. Heute befindet sich mit dort das größte Technikmuseum der Welt. Nach dem Deutschen Museum wurde das umliegende Viertel benannt, das ganz vom Museum dominiert wird.

 

 

Zwei Inseln haben wegen ihrer Museen Weltruhm erlangt: die Berliner Museumsinsel in der Spree und die in München. Während der Grundstein auf der Spreeinsel für den Museumsbau von Karl Friedrich Schinkel bereits 1822 gelegt wurde, wurde das Deutsche Museum  erst 1925 eröffnet. Heute trägt auch das umliegende Viertel seinen Namen.

Es ist heute das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt und zählte 2014 über 1,4 Millionen Besucher. Seine Existenz verdankt es Oskar von Miller, dem Sohn des 1851 geadelten Erzgießers Ferdinand Miller, Schöpfer der Bavaria. Oskar von Miller war genialer Erfinder, umtriebiger Manager und erfolgreicher Netzwerker.

Bereits als 27-Jähriger organisierte der  Ingenieur 1882 im Münchner Glaspalast die Elektro-Festspiele, wofür er Strom vom 60 Kilometer entfernten Miesbach nach München leitete – die damals längste Stromübertragung. Danach lernte er in New York den Erfinder Thomas Edison kennen, wurde vom Berliner Unternehmer Emil Rathenau zum Direktor der „Deutschen Edison Gesellschaft für angewandte Elektrizität“ ernannt, die er innerhalb von sechs Jahren zum Großunternehmen „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ – kurz AEG – aufbaute. 1888 kehrte von Miller in seine Heimatstadt zurück, gründete sein eigenes Unternehmen und errichtete damit Elektrizitätswerke, Staudämme und Stromleitungen in ganz Europa.

1903 stellte der „Napoleon der Elektrizität“ dem Verein Deutscher Ingenieure seine Idee vom Bau eines Technikmuseums in München vor und präsentierte wenige Tage später einen Entwurf  des Architekten Gabriel von Seidl. Schirmherr wurde Kaiser Wilhelm II.

Der Münchner Stadtrat erklärte sich bereit, als Standort für das Museum die Kohleninsel zur Verfügung zu stellen. Die wurde seit dem Mittelalter als Floßlände und Materiallager und später als Standort der Isarkaserne genutzt.

1906 wurde der Grundstein für den ersten Gebäudeteil, dem Isaraufwärts gelegenen Sammlungsbau, gelegt. Die Eröffnung des Museums fand erst am 7. Mai 1925 statt: Unterbrochen wurde der Bau durch den Ersten Weltkrieg, den Tod des Architekten Gabriel von Seidl (1913) und dessen Bruder Emanuel von Seidl (1919), der die Bauleitung für Gabriel zeitweilig fortführte. Erst der Architekt Oswald Bieber konnte den vierflügeligen Blockbau mit dem 68 Meter hohen Turm fertigstellen. Es folgte dann die Erweiterung mit dem Bibliotheks- (1928 – 1932) und Kongressbau (1928 – 1935) durch German Bestelmeyer.

Bereits in der Weimarer Republik hatte es Versuche aus der Politik gegeben, Einfluss auf die Museumsleitung zu nehmen. Oskar von Miller verteidigte  die Selbstverwaltung des Museums. Seine Devise: „In diesem Haus darf jeder machen, was ich will“. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Miller vom Museumsvorstand zurücktreten und verstarb ein Jahr später.

Nicht zuletzt aufgrund der Ausrichtung des Museums für das Regime und der Rüstungspolitik unter Millers Nachfolger Fritz Todt, der seit 1940 auch Reichsminister für Bewaffnung und Munition war, wurde die Bausubstanz des Museums durch Bombenangriffe der Alliierten zu 80 Prozent zerstört.

In der Nachkriegszeit wurde das 1948 erneut eröffnete Museum wieder aufgebaut und erweitert. Später erfolgte die Expansion durch Zweigstellen – die Flugwerft Schleißheim (1992), das Deutsche Museum Bonn (1995), das Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe (2003, 2006) und das Depot in Freising (2014).

Die Herausforderung der kommenden Jahre stellt nun die „Zukunftsinitiative“, die Generalsanierung des Stammhauses bis zum 100. Geburtstag im Jahr 2025, dar. Dafür wollen Bund und Bayern jeweils 180 Millionen Euro und private Spender 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Kritiker halten das 400-Millionen-Euro-Budget für zu knapp angesetzt.

Anlauf-Viertel für Erfinder und Ingenieure

Weil das Deutsche Museum für München ein wichtiger Tourismusmagnet ist, würde die Stadt von der notwendigen Sanierung mit profitieren. Mit dem gegenüberliegenden Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA), einem von Franz Hart und Helmut Winkler architektonisch bemerkenswerten Baukomplex der Jahre 1954 bis 1959, sowie dem Europäischen Patentamt von gmp Architekten sorgen die Arbeitsplätze rund um die Insel für den Wohlstand der Stadt.

Dass die Lage direkt an der Isar und neben der Altstadt zu den teuren Wohngebieten Münchens gehört, versteht sich auch ohne Deutsches Museum und  Patentämter. Das Wohngebiet im Viertel erstreckt sich ohnehin nur auf dem schmalen Dreieck zwischen Baaderstraße, Erhardtstraße an der Isar und Zweibrückenstraße. Hier herrschen nahezu ausnahmslos Mietshäuser aus der Gründerzeit bis Anfang des 20. Jahrhunderts vor. Zum Teil wurden kriegszerstörte Häuser durch Mietshäuser aus den 1950er-Jahren ersetzt, vereinzelt entstanden sogar erst in den vergangenen zehn Jahren Neubauten. Bekanntestes Projekt ist derzeit der Bau der Glockenbachsuiten an der Reichenbachbrücke von Concept Bau nach einem Entwurf von Allmann Sattler Wappner (ASW). Die Preise für die Eigentumswohnungen sind mit 11.700 bis 20.850 Euro pro Quadratmeter selbst für Luxuswohnungen der Isarvorstadt astronomisch.

Vielleicht werden ja die Nachkommen Oskar von Millers hier wohnen.

 

Das Viertel in Zahlen

 

Das Stadtviertel Deutsches Museum ist der südöstlichste Bezirksteil des 2. Münchner Stadtbezirk, der  Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Im Nordwesten grenzt es entlang der Baaderstraße an das Gärtnerplatzviertel, im Nordosten entlang der Zweibrückenstraße an das Lehel. Im Osten verläut die Grenze am Rande des östlichen Isarufers, wo sich der Nachbarbezirk  Au-Haidhausen mit dem Bezirksteil Untere Au befindet. Die südwestliche Grenze bildet die Reichenbachbrücke, von der südwestlich davon das Glockenbachviertel liegt.

 

 

Einwohner: In dem sehr dicht bebauten Viertel wohnen sehr viele Singles und junge Leute, relativ wenig Familien mit Kindern.

  

Infrastruktur: In der Zweibrückenstraße befindet sich die Haltestelle Deutsches Museum/Isartorplatz der S-Bahn-Stammstrecke. Hervorragende Infrastruktur und Einzelhandelsangebot in der angrenzenden Altstadt. In der Baaderstraße gibt es viele Galerien und Cafés. Grünanlagen befinden sich an der Isar.

 

Immobilien: Die Preisspanne der Bestandswohnungen in und um das Viertel liegt zwischen knapp 4000 und gut 8000 Euro pro Quadratmeter, der Durchschnittpreis beträgt knapp 6000 Euro pro Quadratmeter. Starker Preisanstieg von 2013 bis 2014 um elf Prozent. Sehr geringes Angebot.

 

Foto: Aufmacherbild oben - Luftbild der Museumsinsel - Deutsches Museum; sonst - Ulrich Lohrer