Aubing-Süd: Einzug in die neuen Wohnquartiere

Aubing-Süd ist das am dichtesten besiedelte Viertel des westlichsten Stadtbezirks. Dennoch entstehen dort mit der Gleisharfe und dem Dornier-Areal-Süd weitere große Wohnquartiere, die nun zum großen Teil bereits bezogen sind.

 

Im Gegensatz zu Altaubing, das 2100 sein 1000-jähriges Bestehen feierte, ist der heutige Münchner Bezirksteil Aubing-Süd noch relativ jung. 1942 wurden die einst eigenständigen Dörfer Aubing, Lochhausen und Langwied gegen ihren Willen dem Stadtgebiet von München zugeschlagen und heute den Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied bilden. Mit dem neuen Stadtteil Freiham, aber auch durch Quartiersentwicklungen in den nördlichen, bisher gering besiedelten Bezirksteilen wie Lochhausen, wird der westlichste Münchner Stadtbezirk in den kommenden Jahren deutlich an Einwohner gewinnen. Selbst das Viertel mit den bislang meisten Einwohnern, Aubing-Süd, zeichnete sich lange eher durch große Gewerbegebiete aus, die nun durch Wohnbebauung verdichtet werden.

 

Eisenbahn-Ausbesserungswerk bildet Grundlage des Viertels

Südlich von Aubing, entlang der 1903 eröffneten Bahnstrecke von Pasing nach Herrsching, entstand ab 1906 an der heutigen S-Bahn-Station Neuaubing die V. Centralwerkstätte der königlich bayerischen Staatsbahn. Später diente sie als Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn. Weiter östlich entstand ein anderes Ausbesserungswerk – das der französischen Internationalen Schlaf- und Speisewagengesellschaft ISG (Compagnie Internationale des Wagon-Lits et des Grands Express Européens – kurz: CIWL). Für die Bahn-Mitarbeiter wurden an der Papinstraße zudem Eisenbahner-Wohnungen errichtet, die Papin-Siedlung oder auch Kolonie Neuaubing genannt. Und weiter nördlich, Richtung Altaubing, entstand von 1908 bis zum Ersten Weltkrieg die Siedlung der Eisenbahner-Baugenossenschaft (ebm) an der Limesstraße.

 

 

Idyll im ehemaligen NS-Aufmarschplatz der Wohnsiedlung Neuaubing

Ab 1934 wurde das CIWL-Werk  als Dornier-Werke genutzt, die dort den Serienrumpfbau des Bombers Do 23 aufnahmen. 1938 zählte die Dornier-Belegschaft bereits 2800 Angestellte. Während des Krieges wurden in dem Werke auch die Kampfflugzeuge Junkers Ju 88 und Messerschmitt Me 410 produziert, weshalb die Werke dann auch von Bombern der Alliierten Schäden erlitten. 
Nordwestlich entstand noch vor dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen des Architekten Franz Ruf die Ludwig-Siebert-Siedlung (Siedlung Neuaubing), benannt nach dem NS-Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, für die Betriebsangehörige der Dornier-Flugzeugwerke. Nach dem Krieg wurde in den 1950er-Jahren auch von Franz Ruf der Bebauungsplan für die Parkstadt Schwabing ausgearbeitet, der die geschwungene Straßenführung von Neuaubing dort wieder aufgriff. Die Werksiedlung Neuaubing zeichnet sich neben der geschwungenen Straßenführung auch durch eine Vielfalt unterschiedlicher Haustypen – vom Einfamilienhaus bis zum Geschosswohnungsbau – aus.

 

Bis zum Kriegsbeginn wurde der erste Bauabschnitt mit 406 Wohneinheiten errichtet. „Eine Fortführung kam aber danach nicht zustande, weil der Architekt Franz Ruf „im Felde“ stand und seine Pläne nicht auf die Minimalstandards des Kriegswohnungsbaus umarbeiten konnte“, schreibt Ulrike Haerendel in ihrem Beitrag zur Siedlung Neuaubing für die Dokumentation „Orte und Erinnerung – Nationalsozialismus in München“ (Hrsg. Winfried Nerdinger).

Durch die Grünanlagen und dem mittlerweise dichten Bewuchs sowie der Distanz der vielbefahrenen Bodenseestraße wirkt die Anlage heute angenehm ruhig und wenig martialisch. Der in der Mitte der Siedlung befindliche Hauptplatz kann allerdings nicht die Zeit verleugnen, in der die Siedlung erbaut wurde: Der quadratische, durch Ladeneinbauten, einer Gaststätte und einem Glockenturm begrenzte Platz diente in der NS-Zeit als „Appell- und Aufmarschplatz.“

 

Ramses am Westkreuz

 

1964 erfuhr Aubing-Süd durch den Bau der neuen Großsiedlung Am Westkreuz durch die Südhausbau unter der Leitung von Paul Ottmann einen starken Einwohnerzuwachs. Ab dieser Zeit entstand zudem die Siedlung Neuaubing-West. Zwischen 1965 und 1983 wurden in den beiden Siedlungen Wohnungen für etwa 22.000 Menschen gebaut.

Größtes Gebäude Am Westkreuz ist das Wohnhochhaus Ramses (siehe Bild links). Das angrenzende Nahversorgungszentrum für die mittlerweile 42.000 Bewohner des Stadtteils, das Paul-Ottmann-Zentrum, wird seit 2018 mit drei Neubauten mit einem zusätzlichen Supermarkt, Ärztehaus, Stadtbibliothek sowie Wohnungen vom Unternehmen SBI neu gestaltet und erweitert.

Südlich der Bodenseestraße, am ehemaligen Bahn-Ausbesserungswerk und den Dornier-Werken, sind zwei neue Wohnquartiere bereits weitgehend bezogen.
 
 
Neue Wohnsiedlungen südlich der Bodenseestraße
 
Das 400.000 Quadratmeter große Areal des Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn entwickelte die Aurelis Real Estate, eine ehemalige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, in zwei Abschnitten. Während aus den Backsteingebäuden und den Hallen im Süden des Areals eine gewerblich genutzte Liegenschaft unter dem Namen Triebwerk entstand, wurde für die Gleisanlagen zur Gestaltung eines Wohnquartiers ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb ausgelobt, den 2012 die Arbeitsgemeinschaft aus Meili Peter Architekten, Zürich/München, und Bauchplan Landschaftsarchitekten, München, gewannen. Dieser Siegerentwurf lieferte die Grundlage für den Bebauungsplan. Die städtebauliche Struktur des Quartiers mit der Bezeichnung Gleisharfe ist an die Form der ehemals vorhandenen Zuggleise angelehnt und besteht aus geschwungenen, langgestreckten Häuserzeilen. Die Aurelis verkaufte dann bis 2017 das 8,5 Hektar große Areal in neun Baufeldern an verschiedene Projektentwickler, dem Augsburger Bauunternehmen Georg Deurer, die GBW-Gruppe, die Wowobau und an die Demos in München. Mittlerweile ist die Gleisharfe mit rund 500 Wohneinheiten, von wenigen Gebäuden abgesehen, fertiggestellt und von etwa 1200 Menschen bezogen. 
Auch die Bebauung auf dem ehemaligen Dornier-Gelände-Süd südlich der Trimburgstraße, zuletzt als Parkplatz für den benachbarten Sirius-Business-Park in den ehemaligen Dornier-Werken genutzt, ist weit fortgeschritten. Das Areal wurde von der Projektgesellschaft HI-Wohnbau erworben, die nach dem Siegerentwurf  der Münchner Büros Zeitler Blaimberger Architekten mit Brandhoff Voss Landschaftsarchitekten und dem daraus ausgearbeiteten Bebauungsplan Wohngebäude mit 360 Wohneinheiten für rund 900 Bewohner errichten. Zwar sind  noch nicht alle Wohnungen fertiggestellt oder bezogen, verkauft sind sie jedoch längst.
Kleinere Wohnprojekte im Viertel werden aktuell vermarktet. So in der Köferinger Straße vier Neubauwohnungen in einem Mehrfamilienhaus der Helma. Die 157 bis 160 Quadratmeter großen Wohnungen werden zu Preisen von 1,75 bis 1,95 Millionen Euro offeriert.
 


Das Viertel in Zahlen:

Aubing-Süd ist der südöstliche Bezirksteil des westlichsten Münchner Stadtbezirk Aubing – Lochhaus- Langwied. Die Grenze zum nördlich gelegenen Bezirksteil Altaubing bildet die S-Bahnlinie S Richtung Puchheim. Sie vereinigt sich im Osten zur S-Bahn-Stammstrecke, von der nach Süden die S-Bahn-Linie nach Starnberg abzweigt, die Aubing-Süd nach Osten von dem Nachbarviertel Pasing abgrenzt.  Im Süden bildet die Stadtgrenze auch die Grenze von Aubing-Süd gegenüber der Nachbargemeinde Gräfelfing. Westlich von der Linie Hans-Steinkohl-Straße und Aubinger Allee befindet sich der neue Stadtteil Freiham.

Einwohnerstruktur: Der Bezirksteil Aubing-Süd weißt einen im Vergleich zum Münchner Durchschnitt hohen Familienanteil mit Kindern aus. Trotzdem liegt des Altersdurchschnitt hier etwas über dem Münchner Level, weil die Altersklasse der 15 bis 45-jährigen hier eher unterrepräsentiert ist. Der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung ist relativ hoch. Auch ist der Anteil der Ein-Personen-Haushalte unterdurchschnittlich. Aufgrund des noch relativ niedrigen Preis- und Mietniveau ist die Region besonders bei Familien beliebt, weshalb der Bezirksteil eine konstante Zuwanderung aufweist.

Infrastruktur:  Mit den S-Bahnhöfen Westkreuz und Neuaubing ist der Stadtteil gut an das ÖPNV-Netz angeschlossen. Südlich der Bodenseestraße befinden sich zahlreiche Einkaufsmärkte (Edeka-Center, Baumärkte toom und OBI, Metro), Am Westkreuz befinden sich das Paul-Ottmann-Zentrum und Supermärkte (Lidl, Rewe, Penny). Freizeitmöglichkeiten bietet das Freizeitzentrum Aubing Ost..

Immobilien: Zum Kauf angeboten werden wenige Neubauwohnungen und Bestandswohnungen aus den 1960er-Jahren.

 

Text und Fotografien: © Ulrich Lohrer , Stand 09.03.2022