Die Villen der Elite

Altbogenhausen gilt seit jeher als Münchens erste Adresse. Hier wohnten der Maler Franz von Stuck und der Bildhauer Adolf Hildebrand, aber auch der Unternehmer Rudolf Diesel und der Bankier Maffei in großbürgerlichen Villen. Nun entstehen in der Nähe zum Herzogpark neue Luxuswohnungen und Büroflächen.

 

In Altbogenhausen lebten selbst Künstler in Paläste. Ernst Philipp Fleischer, ein heute vergessener Panoramamaler, trieb der Bauwahn in den Bankrott. Der vom Theater-Architekten Max Littmann von 1909 bis 1923 geplante Monumentalbau „Künstlerhaus Fleischer“ weißt Ecktürme, eine Hausteinfassade und Mittelrisalit wie in einem barocken Schloss auf. Ursprünglich war im Norden des Baus noch ein Atelier vorgesehen, dass aber dem Sparzwang zum Opfer fiel. Heute residieren die grauen Juristen des Bundesfinanzhofs im Künstlerhaus Fleischer.

Auch die Künstlervillen von Franz von Stuck (rechts) und des Bildhauers Adolf Hildebrandt sind keinesfalls bescheiden. Während der Malerfürst Franz von Stück sein neoklassizistisches Gebäude an der Prinzregentenstraße bis in alle Details selbst entwarf, griff der Bildhauer Hildebrand für sein großbürgerliches Haus (Bild links) auf die Expertise des damaligen Stararchitekten Gabriel von Seidl zurück. Der hatte bereits für die Maler Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach die Künstlervillen gestaltet. Allen Künstlerhäusern war gemein, dass sie auch Zentren des gesellschaftlichen Lebens waren. So waren im Hildebrandhaus in der Maria-Theresia-Straße Dichter und Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke, Ricarda Huch, die Komponisten Richard Strauss, Max Reger und Hans Pfitzner, Dirigenten und Interpreten wie Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter und Cosima Wagner sowie Politiker wie der Prinzregent Luitpold und Unternehmer wie Werner von Siemens Gäste in der großbürgerlichen Villa. Seit 1977 ist das Gebäude Sitz der „Monacensia“ mit Literaturarchiv und Bibliothek.

In Altbogenhausen, vornehmlich zwischen der Maria-Theresia-Straße an dem Park der Maximiliansanlagen und Possartstraße, baute sich die Elite der Gründerzeit ihre großbürgerlichen Häuser. Doch selbst Unternehmer wie der Erfinder des Dieselmotors, Rudolf Diesel, übernahmen sich gelegentlich mit ihren Bogenhausener Bauprojekten. In der nähe des Hildebrandhaus ließ sich der schwerreiche Unternehmer von dem Architekten Max Littmann – der gegenüber seine Villa baute – eine Jugendstil-Villa (Bild links, am linken Bildrand: Villa von Max Littmann) mit doppelten Grundmauern errichten, um die Bodenfeuchtigkeit fernzuhalten. Doch selbst für den  vermögenden Erfinder Diesel erwies sich der Bau als finanziell überdimensioniert. So war das Baugrundstück in der Höchlstraße 2 schon deutlich teurer, als Diesel kalkuliert hatte. Die Hauptursache der Kostenexplosion war jedoch eine gewaltige Halle im Innern des Gebäudes, die sich über zwei Stockwerke erstreckte, eine Galerie aus geschnitztem Eichenholzgeländer, eine Billard- und Jagdzimmer sowie einen gewaltigen Kamin aufwies. Der Bau zog sich über zwei Jahre hin, auch entwickelten sich die Geschäfte Diesels trotz Verbreitung seines Dieselmotors wohl nicht so, wie der Erfinder gehofft hatte. Am 23. September 1913  trat er die Schiffsüberfahrt  nach England an, erreichte aber seinen Bestimmungsort nicht. Entgegen der Verschwörungstheorien wurde Diesel nicht ermordet, sondern stürzte sich aus Sorge vor dem finanziellen Ruin ins Meer.

 

In der Maria-Theresie-Straße 27, gleich in der Nähe des Hildebrand-Haus, befindet sich die Villa Bechtolsheim (Bild links), der älteste erhaltene Jugendstilbau Deutschlands.  Der durch sein schwungvolles Stuckdekor und den hervorspringenden ovalen Turm auffallende dreigeschossige Bau wurde in Anlehnung an den englischen Landhausstil von dem Architekten Martin Dülfer 1896 bis 1898 für Freiherr Clemens von Bechtolsheim erbaut.

Die für spätere Jugendstilbauten Dülfers typische Stilmerkmale sind schon hier ausgeprägt. Dazu gehören die hochrechteckigen Fenster, der geriffelte Putz und der gebauchte Erker. Der auffällige Dekor der  Rankenornamente wurde von dem Architekten und Mitbegründer des Werkbundes, Richard Riemerschmid, entworfen.

 

 

Auch wenn Bogenhausen bereits erstmals im Jahr 768 erwähnt wurde und damit fast ein halbes Jahrtausend älter ist als München, so setzte die Bautätigkeit im heutigen im Villenviertel relativ spät ein. Erst ab Ende des 19. Jahhrhunderts  entstanden hier auf betreiben des Bauunternehmers Jakob Heilmann planmäßig die Villenquartiere, wobei die Ansiedlung von Gewerbebetriebe untersagt wurde. Ein ländlicher Charakter hat sich am Bogenhausener Kirchplatz an St Georg erhalten, dem ehemaligen geistliche Mittelpunkt des Stadtteils erhalten. Die Kirche, die ihr heitiges Aussehen zwischen 1766 bis 1771 nach Gestaltung des  Münchner Stadtbaumeisters Johann Michael Fischer erhielt, zählt mit ihrerem Inneren zu einem Juwel bayerischer Rokokokunst. Gegenüber St. Kirche entstand 1912 ebenfalls eine Künstlervilla, für den Maler Friedrich Lauer. Das Neorenaissance-Landhaus ist heute Sitz der Singakademie.

Heute werden die herrschaftlichen Bürgerhäuser oft nicht mehr zum Wohnen, sondern als Unternehmenssitze von Vermögensverwalter und Privatbanken, als Rechtsanwaltskanzleien oder als Generalkonsulate genutzt. An Prestige hat Altbogenhausen nichts eingebüßt: Das Preis- und Mietniveau ist das höchste in München – nur in der Altstadt, im Lehel und Nymphenburg erreicht es ein vergleichbares Level.

Begehrt sind die Straßen in der Nähe der Maximiliansanlagen, wie die erwähnte Maria-Theresia-Straße, aber auch die Möhlstraße, wo namhafte Unternehmer der Gründerzeit, wie die Beauereidynastie Pschorr (Bild links, von dem Architekten Emanuel von Seidl), der Großhändler Konsul Kustermann und Bankiers wie der Baron August von Fink ihre Villen und Paläste bewohnten. 

 

Im gediegenen Altbestand gibt es kaum Veränderungen. Eine der wenige Neubauten entsteht bis Frühjahr 2010 beim Bundesfinanzhof mit dem Montgelas Park. Der auf das obere Segment spezialisierte Projektentwickler, die Frankonia Eurobau AG im niederrheinischen Nettetal, hat bereits vor fünf Jahren mit den Lenbach Gärten in der Maxvorstadt ein Premiumquartier in München erbaut. Geplant wurde der Montgelas Park von den Berliner Kahlfeld Architekten und den Münchner Steidle Architekten. „Insgesamt entstehen 31 Wohnungen mit rund 5600 Quadratmeter Fläche“, erläutert Sabine Mösch, Niederlassungsleiterin der Frankonia Eurobau in München. „Darüber hinaus werden in einem Büroneubau 6800 Quadratmeter Fläche entstehen.“

Der Wohnbereich setzt sich aus der so genannten Villa Montgelas und dem Stadthaus Törring zusammen. Die Villa Montgelas wird in klassizistischer Architektur errichtet. Die individuellen 14 Eigentumswohnungen haben teilweise eigene Einliegerwohnungen und verfügen über Dachterrassen, Privatgärten und Wohnbalkone. Die Käufer können zwischen Wohnungsgrößen von 170 bis 357 Quadratmeter wählen. Im Stadthaus Törring werden 17 moderne Wohnungen Stil gebaut, mit  42 bis 210 Quadratmeter. „Von den Wohnungen sind in der Villa Montgelas insgesamt 45 Prozent verkauft, in Haus Törring sind es über 30 Prozent“, sagt Mösch. Die Quadratmeterpreise der noch nicht verkauften Wohnungen liegen im Haus Törring zwischen 6900 und 9800 Euro, in der Villa Montgelas zwischen 9800 und 11.800 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südöstlich vom Montgelas Park befindet sich im gleichen Block das Werk des Pharmafirma Togal (Bild links). Auch dort soll ein gemischt genutzter Komplex entstehen. „Das Areal haben wir Ende 2010 von der Togal-Werk AG erworben“, erläutert Sabine Hagn von der Bayerischen Hausbau. „Auf 5100 Quadratmeter planen wir rund 60 neue Wohneinheiten und Büroflächen.“

Mit der Stadt München hat die Bayerische Hausbau einen Planungswettbewerb ausgelobt, um eine „städtebaulich, funktional und gestalterisch anspruchsvolle Lösung zu finden“. Acht Architekturbüros wurden geladen, einen Plan für denkmalgeschützte Bestands- und Neubau-Immobilien zu entwickeln und eine Freiflächenplanung zu erarbeiten.

Angebotspreise wurden noch nicht publik gemacht, dürften aber dem Niveau des Montgelas Park entsprechen. Altbogenhausen wird auch weiterhin der finanziellen Elite Münchens vorbehalten bleiben.

 

Viertel im Überblick

Altbogenhausen ist das westlichste Stadtteilviertel des Bezirks Bogenhausen, der bis an die nordöstlichen Stadtgrenzen Münchens reicht.

Einwohner: Der Alterdurchschnitt liegt im Stadt-Durchschnitt, relativ viel Zwei-Personenhaushalte mit überdurchschnittlich hohem Einkommen.

 

Grünanlagen: Altbogenhausen ist nicht nur aufgrund der großzügigen Anlage der Villen mit großen Gärten ein grünes Viertel, sondern auch wegen der Parkanlagen. Am bedeutendsten sind die Maximiliansanlagen (Bild links oben) zwischen Ludwigsbrücke und Max-Joseph-Brücke rechts der Isar. Die Anlagen entstanden zwischen 1856 und 1861 auf Anregung König Maximilian II nach einem Plan des Gartenarchitekten Peter Josef Lenné und durch Ausgestaltung von Varl von Effner.

Auch im Osten des Viertels gibt es Plätze und Anlagen, die sehr grün gestaltet sind. Dazu gehören der Shakespeare-Platz (Bild links) und der Böhmerwaldplatz. Zudem besteht mit dem Prinzregentenbad an der Grenze des Viertels eine großzügige Freibadanlage in Mitten des Stadtbezirks.

 

 

Infrastruktur: U-Bahnstationen Richard-Strauss-Straße, Böhmer- waldplatz und Pronzregentenplatz. In Altbogenhausen und den benachbarten Stadtviertel befinden sich einige Schulen. Dazu gehören das Max-Josephs-Stifts-Gymnasium an der Mühlbauerstraße und die Gebele-Berufsschule an der Denningerstraße. Südlich der Einsteinstraße befinden sich zudem das Schulzentrum der Erzdiozöse, das Emil Stein-Gymnasium, die Albert-Stifter-Realschule sowie die F.-Nansen-Realschule.

Die medizinische Versorgung ist durch das nahe Klinikum Rechts der Isar sehr gut, zudem gibt es direkt in Altbogenhausen einige Privatkliniken und relativ viele Arztpraxen.

Die Einkaufsmöglichkeiten innerhalb des Wohn- und Büroviertels Altbogenhausen sind begrenzt, sieht mal einmal von dem Feinkost-Tempel  des Gastronomieunternehmens Käfers an der Prinzregentenstraße (Bild links) ab.

 

Immobilien: Im Mietspiegel wird das Viertel weitgehend als „beste Wohnlage“ qualifiziert, Mieten über 20 Euro sind möglich. Preise für Neubau und sanierter Altbau können über 10.000 Euro pro Quadratmeter liegen. Am Mittleren Rings zwischen Oberföhringer- / Denningerstraße (am oberen linken Kartenrand)  und Mühlbauer/ Prinzregentenstraße (am unteren linken Kartenrand) gibt es Preis- und Mietabschläge.

Generell sind Preise und Mieten südlich der Prinzregentenstraße im Stadtbezirk Au-Haidhausen etwas niedriger wie in Altbogenhausen. Nach Osten hin Richtung des Viertels Parkstadt Bogenhausen sinkt das Preis- und Mietniveau sogar deutlich stärker ab, während es zur Isar hin Rekordwerte erreicht. 

Auch die bebauung ändert sich von Westen nach Osten beziehungsweise von Nord nach Süd. Während entlang der Prinzregentenstraße der Geschosswohnungsbau der Gründerzeit-Mietshäuser sowie Richtung Osten der Geschosswohnungsbau der 1920-er bis 1950er-Jahre vorherrscht, bestimmen im Norden und Richtung Isar großbürgerliche Häuser und Villen das Bild des Viertels.

 

 

Weitere Informationen:

Einen Überblick über die Stadtteilkultur Bogenhausen bietet die entsprechende Seite des Internetauftritts des Vereins „Nordostkultur“

Der Bildband "Die Möhlstraße. Keine Straße wie jede andere" von Willibald Kurz dokumentiert eine der bedeutendsten Villenstraßen von Altbogenhausen im historischen Bildern. Eine interaktive Übersicht der Nordostkultur basiert auf dem Buch von Kurz.