Hans Hammer: Spätestens ab 2016 wird das Angebot knapp

Eine der größten Projektentwickler und Immobilieninvestoren in München ist das Familienunternehmen Hammer AG. immobilienreport sprach mit Hans Hammer, dem Vorstand des Unternehmens, über aktuelle Projekte und den Münchner Markt.

 

 

immobilienreport: Herr Hammer (Bild links), in Moosach gegenüber dem Olympiapark haben Sie zusammen mit Competo Partners das 88north (Bild oben) mit über 40.000 Quadratmeter nach Plänen des Hamburger Architekten Hadi Teherani entwickelt. Im vergangenen Jahr berichteten Sie über einen Mietvertrag mit dem finnischen Facility Unternehmen YIT Group über 10.000 Quadratmeter?

Hans Hammer: Aus der YIT Group ist im vergangenen Jahr durch Ausgliederung der Gebäudedienstleistungen die Caverion Group entstanden, weshalb die Caverion als Mieter im 88north einziehen wird. Caverion ist zwar unser größter, aber nicht der einzige Mieter. Zu den weiteren Mietern gehören neben den Betreiber eines Restaurants, eines Kindergartens und eines Fitnessstudios größere und kleinere Rechtsanwaltskanzleien, Steuerberater und Technik-Dienstleister. Der Vorteil des Gebäudes ist, dass wir es auch relativ kleinteilig ab 290 Quadratmeter vermieten können. Die aktuell kleinste Mietfläche beträgt 475 Quadratmeter. Insgesamt haben wir für 88north einen Vermietungsstand von 70 Prozent. Aufgrund der guten Anbindung zur Autobahn und zum Flughafen bei gleichzeitiger Nähe zur Innenstadt mit naher U-Bahn-Station und direkter Bushaltestelle ist das Gebäude für viele Mieter attraktiv.

immobilienreport: Was haben Sie und Competo mit dem Gebäude vor?

Hammer: Wir wollen für 88north zunächst noch weitere Mieter finden und dann Investoren zum Kauf anbieten. Da die Vermietung sehr gut läuft, gehen wir davon aus, dass dies etwa gegen Ende des Jahres der Fall sein wird.

immobilienreport: Vor kurzem hatten Sie den Grundstein zu einem anderen Projekt, dem Connex (Bild links unten), mit rund 20.000 Quadratmeter, gelegt. Was ist der aktuelle Stand?

Hammer: Das Connex, ein Büro- und Gewerbegebäude am Frankfurter Ring 81, ist nahezu vollständig vermietet. So werden nach Fertigstellung Ende 2015 unter anderem die mpx Entwicklung GmbH – ein Unternehmen der Pininfarina Gruppe, IndustrieHansa und Altran Büroflächen beziehen. Wir wollen das Objekt in unserem  Bestand halten. An einen nahen Verkauf ist nicht gedacht.

immobilienreport: Beide Projekte – das 88north und das Connex - liegen im Münchner Norden. Was hat sie bewogen, diesen Standort zu wählen?

Hammer: Die Lage zeichnet sich in beiden Fällen durch eine gute Infrastruktur aus. Auch die ansässigen Unternehmen, wie Amazon, O2, Osram, MAN oder BMW sowie Firmen aus der Modebranche bieten einen guten Mix.

immobilienreport: Sie haben zahlreiche Gewerbeimmobilien mit Büros und Lager in München entwickelt und revitalisiert. Dabei fällt die Schrannenhalle (Bild links unten) als Einzelhandelsimmobilie am Viktualienmarkt in der Münchner Altstadt etwas aus dem Raster. Was war der Grund, weshalb Sie die Markthalle erworben und umgebaut haben?

Hammer: Der damalige Betreiber musste das Objekt aufgrund einer Insolvenz verkaufen. Für uns bot sich daher eine relativ günstige Gelegenheit, eine schöne Immobilie in bester Lage in München zu erwerben. Uns hat es begeistert, die Schrannenhalle zu bekommen.

 

Es hat uns aber auch gereizt, die Herausforderung zu meistern, etwas daraus zu machen, wo andere gescheitert sind. Wir haben daher auch viel Herzblut und Arbeit investiert. Die Schrannenhalle ist aber auch keine reine Einzelhandelsimmobilie - im Kopfbau sind auch Büros untergebracht, zudem ist eine Tiefgarage vorhanden.

immobilienreport: Wie schätzen Sie den Standort München aktuell ein?

Hammer: München ist als Standort sehr stabil. In den kommenden Jahren werden aufgrund der bereits weitgehend erschlossenen Entwicklungsgebiete kaum neue Flächen auf den Markt kommen. Die großen Quartiere, Arnulfpark und die Parkstadt Schwabing, sind nahezu fertig gestellt. Spätestens ab 2016 wird es daher zu einem Rückgang des Flächenumsatzes kommen.

immobilienreport: Wurde es versäumt, rechtzeitig genug Entwicklungsflächen auszuweisen?

Hammer: Nein, das würde ich nicht sagen. Seit der Finanzkrise vergeben die Banken allerdings Projektentwicklern deutlich zurückhaltender Kredite. Es wird mehr Eigenkapital vorausgesetzt, was den Kreis der Entwickler begrenzt. Uns kommt zugute, dass wir den Heimatmarkt gut kennen und gegenüber den Banken auf einen guten Track Record verweisen können.

immobilienreport: Was würden Sie als Investor von der Stadt München wünschen, was man besser machen könnte?

Hammer: Die Mitarbeiter der Behörden leisten gute Arbeit. Was fehlt, ist ausreichend Personal in wichtigen Behörden wie der Lokalbaukommission. Weil Bauanträge sich stapeln, können sie erst nach und nach abgearbeitet werden. Wenn Sachbearbeiter im Urlaub gehen, gibt es für sie keine Stellvertreter – die Arbeit bleibt liegen. Es wäre sicherlich sinnvoll, Arbeit an externe Experten auszulagern.

immobilienreport: Herr Hammer, Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führte Ulrich Lohrer

 

Bilder: Hans Hammer, 88north (Aufmacher), Connex, Schrannenhalle - Hammer AG