Viktualienmarkt und Angerviertel

Zu Füssen der Stadtpfarrkirche St. Peter hat sich der Viktualienmarkt zu einem kulinarisches Zentrum mit Spezialitäten aus aller Welt entwickelt. Doch die Infrastruktur lässt wie bei den anderen Münchner Lebensmittelmärkte zu wünschen übrig.

 

Um den aktuellen Anforderungen an Hygiene und Brandschutz gerecht zu werden und die Bausubstanz auf den modernen Stand der Technik zu bringen, ist jedoch eine umfassende Sanierung der Märkte geplant. Ein vom Kommunalreferat in Auftrag gegebenes Zukunftskonzeptes des TÜV Rheinland zur aktuellen Situation der München Lebensmittelmärkte hat den schlechten baulichen Zustand der Markteinrichtungen festgestellt. Der Stadtrat hat sich sich für ihren Erhalt ausgesprochen und das Kommunalreferat im Mai 2010 mit einem dreiphasigen Konzept zur Sanierung der vier Münchner Lebensmittelmärkte beauftragt.

Die Sanierung, betonte Kommunalreferentin Gabriele Friderich, werde bei laufendem Marktbetrieb schrittweise vor sich gehen. Im nächsten Schritt soll der TÜV Rheinland ein Zukunftskonzept mit einem Nutzerbedarfsprogramms, eines Finanzierungskonzeptes und die Entwicklung von índividuellen funktionellen und räumlichen Konzepten für die einzelnen Märkte entwickeln. Die Händler werden auch weiterhin über jeden Planungsschritt ausführlich informiert. Die Ergebnisse der zweiten Planungsphase werden dem Stadtrat 2013 vorgestellt.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Der Viktualienmarkt ist nicht nur das Herzstück des Angerviertels, sondern beliebtes Einkaufs- und Treffpunkt vieler Münchner – nicht nur aus dem Stadtbezirk der Altstadt. Der Markt und der Handel hat aber gerade für die Bewohner des Angerviertels – einer der vier Viertel der Altstadt –  seit jeher eine besondere Bedeutung. So hat das Viertel seinen Namen von einem Anger, also einem öffentlichen, für alle Bürger zugänglichen Platz, der sich ursprünglich im Bereich des heutigen St. Jakobs-Platzes befand. Es ist das Viertel, das als letztes seinen heutigen Namen bekam. Der ursprüngliche Name „Rindermarktviertel“ stammte von dem ehemaligen Viehmarkt, an den der Rindermarktbrunnen aus dem Jahr 1964 und der Straßenname Rindermarkt heute noch erinnern. 

Begrenzt wird das Viertel im Norden durch den Marienplatz, das Tal, im Osten her durch den Isartorplatz sowie durch den Verlauf der Rumfordstraße, Müllerstraße bis zum Sendlinger Tor im Süden. Die Westgrenze zum Hackenviertel bildet die Sendlinger straße und zum Marienplatz hin die Rosenstraße.

 

Ursprünglich befand sich der Viktualienmarkt auch am heutigen Marienplatz, damals Schrannenplatz genannt. Als Handelsort für Getreide und andere Agrarerzeugnisse war er zu klein geworden, weshalb König Max I. Joseph am 2. Mai 1807 verfügte, einen Teil des Marktes in das Gebiet zwischen Heilig-Geist-Kirche und Frauenstraße zu verlegen. Doch bereits 1823 bis 1829 musste der neue Markt erweitert werden. Im Jahre 1885 wurde das alte Heilig-Geist-Spital abgebrochen und die Heilig-Geist-Kirche in westlicher Richtung verlängert, wodurch der Markt ein neues Gesicht erhielt. Seit 1870 gibt es feste Stände - davor wurden die Verkaufsplätze täglich neu vergeben. Im Laufe der Zeit erfuhr der Markt noch viele Ergänzungen, so eine Bankmetzgerhalle, eine Halle für den Verkauf von Kutteln, Brotverkaufsläden, Ladenbauten und Pavillons für den Obstverkauf sowie eine eigene Halle der Nordseefischerei. Die Petersberglmetzger (Bild links oben und links), die Geflügel- und Wildbrethändler und die Blumenfrauen breiteten sich aus. 1890 hatte der Viktualienmarkt seine heutige Größe erreicht. Nach den Kriegszerstörungen erweckte die Stadtverwaltung den Viktualienmarkt unter großen finanziellen Einsatz zu neuem Leben. Zuletzt wurden die Marktstände 1969 anläßlich der Olympischen Sommerspiele von 1972 umfassend saniert.

Mittlerweile hat sich der Viktualienmarkt längst vom ursprünglichen Bauernmarkt zum beliebten Einkaufsplatz für Feinschmecker entwickelt. Umfang, Vielfalt und Exklusivität seines Angebotes geben diesem Markt sein ganz besonderes Flair. Auf einer Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmetern verkaufen circa 110 Händlerinnen und Händler Obst, Gemüse, Südfrüchte, Fleisch, Wild, Geflügel, Käse, Fisch, Brot- und Backwaren, Gewürze, Blumen und vieles mehr. Nirgendwo in München ist die Auswahl an frischen Lebensmitteln und Spezialitäten größer.

 

 

Schrannenhalle

Von 1851 bis 1853 wurde noch nach den Plänen von Friedrich von Gärtner durch die Architekten Karl Muffat und dem jungen Arnold von Zenetti die  "Maximilians-Getreide-Halle" errichtet. Er konstruierte damit erstmals in München einen Bau aus Glas und Eisen - eine technische Neuheit. Der heutige Name rührt von der Bezeichnung "Schranne", wie in dieser Zeit der Getreidemarkt genannt wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging der Getreidehandel in der Schrannenhalle allerdings immer mehr zurück. Schon seit der Eröffnung wurde die weite Entfernung der Halle zum Bahnhof kritisiert - der größte Teil des Getreides wurde damals mit der Bahn transportiert. Schon 1873 war die Blütezeit der Schrannenhalle vorbei. Die Halle verlor so ihren Zweck und wurde teilweise demontiert.

Erst als der Historiker und Architekt Volker Hütsch die Reste des ursprünglich 430 Meter langen Baus 2005 wiederentdeckte, erlangte die Halle erneute Aufmerksamkeit und der Wiederaufbau nach historischem Vorbild an seiner Originalstätte am Viktualienmarkt wurde beschlossen. Der Wiederaufbau erfolgte auf Grundlage eines Erbbaurechtsvertrags der Stadt mit der DBVI GmbH & Co Schrannenhalle KG, einer Tochter der DBVI. Seit Juli 2003 wurde die „Schranne“ wieder aufgebaut und am 5. September 2005 wiedereröffnet.

 

 

In die neue Halle sind zahlreiche kleinere Geschäfte, Handwerker sowie Gastronomie eingezogen. Mit der Neueröffnung im September 2005 bot die geschichtsträchtige Markthalle Raum für verschiedene Geschäfte, Restaurants und kulturelle Veranstaltungen. Am 10. Dezember 2008 stellte das Amtsgericht München jedoch die Betreibergesellschaft Münchner Schrannenhallen GmbH unter vorläufige Insolvenzverwaltung und eröffnete am 1. März 2009 über deren Vermögen das Insolvenzverfahren. 

Von Juni 2009 bis März 2011 diente die Schranne dann als Event-Location mit Disco im Untergeschoss, die für Veranstaltungen wie Galas, Hochzeiten, Firmenevents und dergleichen angemietet werden konnte.. Am 1. April 2011 übernahm der Münchner Unternehmer Hans Hammer die historische Halle. Geplant ist, diese zu einer Markthalle umzubauen. Dann sollen etwa 25 bis 30 Händler einziehen und die Halle mit buntem Markttreiben füllen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Lebensmitteln aus der Region sowie Spezialitäten aus Österreich, Italien, Frankreich und anderen Ländern. Die Disco im Untergeschoss wurde geschlossen, die Räumlichkeiten werden als Lagerräume dienen. Ab Mitte September 2011 soll die Schrannenhalle als Markthalle für wiedereröffnen.

 

Standgebühren

Die Landeshauptstadt München verpachtet als Eigentümer des Grundstücks die Stände und Plätze des Viktualienmarktes. Sollte ein Stand frei werden, kann sich ein Interessent bewerben. Die Bewerbung an das Gebäude- und Immobilienmanagemen der Stadt sollte enthalten:

- Darstellung des Verkaufskonzepts, der Geschäftsidee und eine Sortimentsvorstellung.

- Businessplan, Lebenslauf mit Nachweisen/Zeugnissen sowie Darlegung der Kenntnisse aus dem Lebensmittel- und/oder Marktbereich.

Die Standgebühren richten sich nach einer der Markthallen-Gebührensatzung. Die Gebühren werden als Jahres-, Monats-, Tages- oder Marktbenutzungsgebühren (bestehend aus pauschalen Monatsgebühren, Anfallsgebühren und Wiegegebühren) erhoben. Je nach Abteilung des Standes werden im Viktualienmarkt verschieden hohe Monatsgebühren zwischen 170 und 880 Euro erhoben.