Keine Pfanniknödel im Werksviertel

Am Ostbahnhof wird auf dem Gelände des ehemaligen Pfanni- und Optimol-Werk ein neues Quartier mit 1000 Wohnungen und 10.000 Arbeitsplätzen entstehen. Nach jahrzehntelanger Diskussion wird nun der Bebauungsplan vorgestellt. Und die Eigentümer und Initiatoren veröffentlichen erstmals Details.

 

 

Quartiersentwicklungen haben lange Vorlaufzeiten: 1993 wurde das Pfanni-Stammwerk am Ostbahnhof vom Mutterkonzern Unilever nach Mecklenburg-Vorpommern verlagert.  Das Areal im Stadtbezirk Berg am Laim, das als Kulturzentrum mit Kletterhalle und Nachtklubs unter den Namen Kunstparkt Ost (1993 - 2003) und Kultfabrik (seit 2003) genutzt wurde, soll in ein neues Wohn- und Büroviertel verwandelt werden.

2001 gewannen die 03 Architekten den städtebaulichen Wettbewerb für „Rund um den Ostbahnhof“ (ROst). 2005 entwickelten sie daraus einen Rahmenplan mit folgender Idee: „Ein zentraler Park bildet das Herzstück des neuen Quartiers und ist Ausgangspunkt für Kommunikationsbänder.“

Im Frühjahr 2013 werden die Bürger zum Bebauungsplan gehört, der bis Ende 2014 vom Stadtrat verabschiedet werden soll. Der Umbau bestehender Gebäude soll bereits zuvor, der Bau des Parks und neuer Gebäude danach beginnen.

Mit der Ausstellung im Pfanni Werk 3 werden unter der neuen Quartiersbezeichnung „Werksviertel München“ nun erstmals Details vorgestellt. Die Initiatoren sind die neun Eigentümer des Geländes, die Firmen OTEC, R&S Immobilienmanagement, Corpus Sireo, die IVG, Hamberger Großmarkt, Maltz sowie die Stadt München und ihre Unternehmen MGS und SWM.  

Das Quartier wird unter den Aspekten Leben, Arbeiten, Wohnen und Bewegen dargestellt.

 

Eine Schlüsselrolle in den Planungen nehmen Steidle Architekten ein, die bereits 2011 für die IVG die Medienbrücke über dem Medienstandort Media Works und 2012 für die Optima-Aegidius-Gruppe und IKR die Medienateliers des Oldenbourg Verlags (Mieter) entworfen hatten. Gegenüber will die IVG nach den Plänen von Steidle Architekten das Hochhauses Novum erbauen.

Ganz bewusst setzt man auf einen starken Bezug zur Historie der Flächen: „Einst wurden dort Kartoffeln zu Knödeln verarbeitet, Motorräder zum Rollen gebracht, Kleidungsstücke geschneidert und Schmierstoffe zu Problemlösern veredelt“, erklärt Johannes Ernst von Steidle Architekten. „Diese spannende Tradition wollen wir nun weiterentwickeln und zu einem einzigartigen Zukunftsviertel formen. Das Plangebiet haben wir deshalb nicht als leeres Reißbrett begriffen, sondern als Prozess. Wo Neues entsteht, darf Altes erhalten bleiben“, so der Planer. Einige Pfanni-Werksgebäude sollen deshalb bestehen bleiben und um architektonische Highlights ergänzt werden.

Diesen Ansatz lobte bei der Präsentation auch Stadtbaurätin Prof. Dr. (I) Elisabeth Merk: „Im Planungsgebiet werden die bestehenden Strukturen weiterentwickelt und mit neuen Bebauungen ergänzt. So wirkt die Geschichte des Viertels fort. Es entsteht ein unverwechselbares Quartier, das eine Bereicherung für den Münchner Osten ist. Wir gewinnen Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten, attraktive Arbeitsplätze und wertvolle Grünflächen – ein städtebauliches Vorzeigeprojekt!“

Die Eigentümer wollen gemeinsam ein urbanes Stadtviertel entwickeln, das alle Lebensbereiche zusammenführt: Wohnen, Leben, Arbeiten und Bewegen. Das schafft kurze Wege – auch zu den wichtigen Verkehrsadern Münchens. Im Strukturkonzept sind daher nur 13 Prozent der Fläche für den Straßenverkehr vorgesehen.

Im Werksviertel München entsteht neuer Wohnraum für über 2.000 Menschen in rund 1.000 Wohnungen. „Die Bewohner werden das Viertel nicht als isolierte Schlafstätte erleben, sondern als Lebensraum, der Geborgenheit und Austausch bietet. Hier findet man Ruhe, aber auch Kontakte“, erklärt Architekt Johannes Ernst.Die kompakte Lage der Wohnungen rund um den neuen Park ermöglicht hohe Lebensqualität. Verschiedene Wohnformen werden so gemischt, dass ein Miteinander aller Generationen möglich ist. „Das neue Viertel soll Heimat werden für Familien, für Alleinstehende, für Jung und Alt“, so Johannes Ernst.

Durch die perfekte Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist das Gebiet aus Sicht der Planer bereits heute ein idealer Standort für Unternehmen mit hohem Bedarf an Arbeitskräften. Die Entwicklungsmaßnahme wird den Trend noch weiter verstärken: Rund ein Viertel des Gesamtareals ist für neue Gewerbeflächen vorgesehen. Hier sollen rund 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Große Dienstleister, aber auch junge Startups und kleine Mittelständler sollen optimale Rahmenbedingungen für unternehmerischen Erfolg finden.

Für Freizeitnutzungen werden die ehemaligen Werksgebäude neu ausgerichtet: WhiteBox, Kletterhalle, Tonhalle und Nachtkantine bleiben erhalten. Begleitend werden neue Restaurants, Läden, Bars und Treffpunkte dazu gruppiert. Niveauvolles, hochwertiges Kultur- und Nachtleben für alle Altersgruppen entwickelt sich aus

der heutigen Prägung für Jugendliche in der „Kultfabrik“.

Jetzt setzen die Eigentümer zunächst auf einen intensiven Dialog mit Nachbarn und Interessierten. Dafür wurde eigens ein „Forum“ in der Friedenstraße eingerichtet, wo Planskizzen und Modelle gezeigt werden. Außerdem wird es ein Bürgertelefon und eine Website mit zusätzlichen Informationen und Kontaktmöglichkeiten geben.

Die frühzeitige Bürgerbeteiligung im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes startet noch dieses Frühjahr. Ein Satzungsbeschluss des Stadtrates zum Bebauungsplan könnte dann Ende 2014 erfolgen. Danach ist mit Baubeginn für Straßen, Park und erste Neubauten zu rechnen. Der Umbau und die Umnutzung von Bestandsgebäuden sollen bereits vorher starten.

 

 

Quellen: Immobilienreport, Pressemeldung Werksviertel – Heller & Partner vom 18.01.13

Bildquellen: Werksviertel; Steidle Architekten

 

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