Giovanni Antonio Viscardi: Workaholic des Barock

Bereits als junger Mann siedelte Giovanni Antonio Viscardi nach München und wurde dort einer der besdeutensten Baumeister des Barocks. Wie andere Architekten im Dienste des bayerischen Kurfürsten stammt er aus einem kleinem Schweizer Ort in Graubünden.

 

Am 27. Dezember 1645 wurde Viscardi in San Vittore bei Roveredo im italienischsprachigen Teil Graubündens, nahe der Tessiner Grenze getauft. Viele seiner Vorfahren arbeiteten seit Mitte des 16. Jahrhunderts als Maurermeister, Stadtwerkmeister oder Baumeister nördlich der Alpen. Seine Lehrzeit verbrachte Giovanni Antonio bei seinem Vater Bartolomeo, der im Dienst des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern stand.

Um 1675 war er Bauleiter seines Landsmanns, des Hofbaumeisters Enrico Zuccalli, beim Umbau der Altöttinger Wallfahrtskirche St. Magdalena. Ein Jahr später heiratete er in San Vittore und nahm seine Frau mit nach München, wo er 1678 zum bayerischen Hofmaurermeister des Kurfürsten Ferdinand Maria wurde. Trotz anfänglich guter Beziehung zu seinem Vorgesetzten Zuccalli, wurde er aber 1689 nach einem Streit mit ihm entlassen, der die Stelle mit seinem Schwiegersohn Trubillio besetzte.

Danach arbeitet Viscardi weitgehend als freier Architekt, vor allem in München und Umgebung. So erfolgt ein Großauftrag für den bayerischen Kurfürsten, für den er zwischen 1692 und 1694 das Kloster Fürstenfeld entwirft und Pläne für dessen Kirche erstellt (1700 Beginn der Arbeiten). 1695 erstellt er das Münchner Stadthaus für die Gräfin Maria Adelheid Theresia von Rivera-Preysing und 1696-98 den Dechanthof Landshut. 1697 erstellte er Schloss Neuhofen in Sendling bei München und restaurierte 1697-98 die Jesuitenkirche St. Michael in München. Ferner realisierte er 1696-1707 Schloss Helfenberg und 1700-10 die Wallfahrtskirche Maria Hilf in Freystadt, die als sein Meisterwerk gilt. 1700-02 hielt er sich für den Umbau der St. Salvator-Kirche in Augsburg auf. 1702-07 errichtete er das Prämonstratenserkloster Schäftlarn, 1702 zwei Pavillons für Schloss Nymphenburg (großes Bild oben, Gebäudeteile rechts und links vom Schloss) und 1702-05 die Kolonnaden für das Schlösschen Lustheim.

Nach der Entlassung Zuccallis wird Viscardi 1706 zum Oberhofbaumeister am bayerischen Hof und im Jahre 1713 sogar noch zum kaiserlichen Hofober- und Landbaumeister ernannt. 1705 begann er mit dem Bau der Prämonstratenserkirche Neustift bei Freising (Bild links) und realisierte wahrscheinlich auch das Kloster. Im selben Jahr entwarf er das erste Projekt für die Dreifaltigkeitskirche in München, die 1711-14 errichtet wurde. In San Vittore erweiterte und restaurierte er den von seinem Vater erbauten Palazzo V. Im Sommer 1713 wurde er zum Oberhofbaumeister Bayerns ernannt, starb jedoch bereits zwei Monate später, am 9. September 1713 in München.

Werke (Auswahl)

Salesianerinnen Kloster, München

Wahlfahrtskirche Loh bei Stephansposching (1689- 1714)

Kloster Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck (1692-1694)

Jesuitenkloster Landshut

Jesuitenkollleg St. Michael, München

Erweiterung Kloster Benediktbeuren

Kleines Schloss Türkheim

Schloss Hofberg bei Landshut

Stadthaus Rivera-Preysing in München (1695)

Schlösschens Neuhofen in München-Sendling (1697)

Pfarrkirche Steindorf bei Mering

Wallfahrtskirche Mariahilf zu Freystadt in der Oberpfalz (1700-1710 Hauptwerk, Bild links)

Prämonstratenserkloster Schäftlarn (1702-1707)

Pavillons und Galerien vom Schloss Nymphenburg (1702-1704, großes Bild oben)

Prämonstratenser-Kirche Neustift bei Freising (1705)

Umbau der Jesuitenkirche in Augsburg

Bürgersaalkirche in der Neuhauserstraße 48, München (1709-1710)

Dreifaltigkeitskirche in der Pacellistraße 6, München (1711-1716)

Heilig Geist im Tal 77, München (1724-1730, Bild links)

 

Quellen: Winfried Nerdinger (Hrsg.): Architekturführer München; Cesare Santi: Giovanni Antonio Viscardi im Historischen Lexikon der Schweiz; wikipedia

 

Bilder: Wallfahrtskirche Maria-Hilf, Freystadt von Westen von DALIBRI; sonst - Ulrich Lohrer