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Friedrich Sustris: Vorkämpfer für Kirche und Renaissance-Kunst

Mit dem Wittelsbacher Herzog Wilhelm V stieg München zur deutschen Kunstmetropole der Spätrenaissance auf. Organisiert wurden Kunst und Architektur von einem niederländischen Maler mit italienischen Wurzeln und guter Verbindung zu den Fuggern: Friedrich Sustris.

 

 

Über das genaue Geburtsdatum und Kindheit des Niederländers Friedrich Sustris ist nichts sicheres bekannt. Laut Joseph Eduard Wessely, der eine Kurzbeschreibung über Sustris verfasst hat, wurde er angeblich 1926 in Amsterdam geboren und von seinem Vater Lambert Sustris in Kunst unterrichtet. Frühzeitig ging er nach Italien, blieb einige Zeit in Venedig, Padua und Rom, und siedelte dann nach Florenz über, wo er sich lange aufhielt und Mitglied der Akademie wurde. Dort war er von 1563 bis 1567 Schüler und Gehilfe des Kunsthistorikers, Architekten und Maler Giorgio Vasari.

Später beauftragte ihn Hans Fugger (1531-1598), der seit dem Tod seines Vaters Anton gemeinsam mit seinen Brüdern das Augsburger Handelsunternehmen der Fugger leitete, mit der Ausschmückung und der Dekoration des Fuggerhauses in Venedig. Hans Fugger galt als einer der größten Mäzene seiner Zeit, laut heutiger Forschung wollte er Freunden und Kunden aber nur ein besonderes gesellschaftliches Ambiente bieten.

Seine Wohnung in den Fuggerhäusern in Augsburg stattete er mit einer Kunstsammlung im entsprechenden Räumen aus. Bis 1573 arbeitete auch Friedrich Sustris mit verschiedenen Gehilfen im rückwärtigen Teil der Fuggerhäuser (Bild links oben, Damenhof der Fuggerhäuser in Augsburg). 

1573 trat Sustris als Künstler und Kunstintendant in die Dienste des bayerischen Herzogs und Thronfolgers Wilhelm (1748-1626). Der Wittelsbacher hatte 1548 Renata von Lothringen geheiratet und ließ für sich und seine Frau sein Geburtshaus, Burg Trausnitz in Landshut, nach neuester französischer und spanischer Mode ausstatten (Bild oben, Bild links). Über seinen engen Berater Hans Fugger wurde Sustris für die Leitung der Umgestaltung des Schlosses vermittelt. In dem neugeschaffenen Amt des Kunstintendanten stellte Sustris die verschiedenen Kunstgattungen – Malerei, Architektur und die Leitung des umfangreichen Tierparks –  in den Dienst fürstlicher Selbstinszenierung. 

Mit seiner Regierungsübernahme 1579 Wilhelms V. und Übersiedlung in die Residenzstadt München übernahm Sustris auch dort, nun in größerem Rahmen, diese Funktion. 1583 wurde er Maler und oberster Baumeister im Hofdienst. So beteiligte er sich am Ausbau des Antiquariums (Bild links) und des Grottenhofs (Bild rechts) der Münchner Residenz. Er brachte die Formensprache des niederländisch-italienischen Manierismus nach München und trug wesentlich dazu bei, dass München zur deutschen Kunstmetropole der Spätrenaissance aufstieg.

Verschwenderisch förderte Wilhelm V. die Künste und die katholische Kirche. Er errichtete das Jesuitenkloster in München und von 1583 bis 1597 nach einem Entwurf von Sustris auch die Michaelskirche (Bild links, Bild rechts unten), die größte Renaissancekirche nördlich der Alpen.

Vermutlich hat Sustris unter Mitwirkung von Wendl Dietrich und Wolfgang Müller auch das direkt angrenzende Jesuitenkolleg entworfen. Der riesige Bau (Bild links unten) wurde später von Andreas Gärtner erweitert und diente auch als Akademie, Bildhauerschule (Alte Akademie), Archiv und Verwaltungsbau.

Die Baumaßnahmen für die Jesuiten und die Unterstützung brachte Wilhelm zwar den Beinamen „der Fromme“ ein, sein Herzogtum aber in finanzielle Schwierigkeiten. Eine der notwendigen Sparmaßnahmen der Hofhaltung Wilhelms V. war 1589 die Errichtung eines eigenen Brauhauses. Das Hofbräuhaus versorgte den Hof  mit eigenem Braunbier, wenige Jahre später bestand sogar für das neu eingeführte Weißbier ein staatliches Monopol. Dennoch brachten die Bauprojekte Wilhelm V. Bayern an den Rand des Staatsbankrotts.

Denn um die Zeit des Baus der Michaeliskirche und dem Neubau des Klosters der Jesuiten und dem Kolleg an der heutigen Neuhauserstraße scheint der Herzog auch den Bau seiner neue Palastanlage gestartet zu haben, für die 54 Bürgerhäuser weichen mussten. Die wesentlichen Bauarbeiten müssen sich auf die Jahre zwischen 1593 und 1596 konzentriert haben. Verantwortlich für den Entwurf scheinen Friedrich Sustris und Wendel Dietrich gewesen zu sein, vor allem aber Herzog Wilhelm V. selbst gewesen zu sein, während Wolf Miller der Bauleiter war. Durch einen Übergang, den sogenannte Wilhelmsbogen (Bild links unten) hatte der Herzog Zugang zu der Klosteranlage der Jesuiten und dem über der Kreuzkapelle der Michaelskirche gelegenen herrschaftlichen Oratorium. Nach seinem Erbauer wurde der Stadtpalast zunächst Wilhelminische Veste genannt. Als Herzog Maximilian Philipp den Gebäudekomplex nutzte, erhielt es den Namen Herzog-Max-Burg (siehe gelb umrandeter Bereich des historischen Luftbilds links). Sie wurde im II. Weltkrieg zerstört und durch die Neue Maxburg nach einem Entwurf von Sep Ruf und Theo Pabst ersetzt.

 Am 15. Oktober 1597 dankte Wilhelm, der zunehmend in Askese flüchtete, zu Gunsten seines Sohnes Maximilian ab. Sustris folgte dem abgedankten Herzog in den persönlichen Dienst, verstarb aber bereits zwei Jahre später.

 

Werke

Fuggerhaus (Dekoration) in Venedig (um 1560)

Kunstsammlung der Fuggerhäuser in Augsburg (bis 1573)

Schloss Trausnitz (Umgestaltung) über Landshut

Grottenhof und Ausbau des Antiquariums in der Residenz, München (1581–1586)

Jesuitenkirche St. Michael, Kreuzviertel, München (1583-1597)

Vermutlich Jesuitenkolleg/Alte Akademie, Kreuzviertel, München (1583-1597)

Pfarrkirche Sankt Jakob, Dachau (1584)

Vermutlich Mitarbeit an Wilhelminische Veste/Maxburg (1593-1611)

 

Quellen: archinform; Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Architekturführer München; Joseph Eduard Wessely: Sustris, Friedrich – in Allgemeine Deutsche Biographie; wikipedia

 

Bilder: Aufmacher oben: Burg Trausnitz – Allie Caufield, Poco a poco; Fuggerhäuser, Damenhof – Wolfgang B. Kleiner;Residenz, Antiquarium – Patrick Theiner; Residenz,Grottenhof – Gryffindor; Residenz, Grottenhalle – Marijan; Kupferstich des Jesuitenkollegs und der Kirche St. Michael (Wilhelminum) von Michael Wening in der Topographia Bavariae etwa um 1700Luftaufnahme Alte Akademie, Sebastian Scheele – IBB Immobilien; St. Michael (äußeres) – M(e)ister Eiskalt, Inneres –  Uwe Barghaan; Harro 52 (groß); Wilhelms Veste/Maxburg um 1860 – Georg Böttger