Der Museumsbauer

Die von Volker Staab gegründete Staab Architekten zählen zu den anerkanntesten Architekturbüros in Deutschland. „Die komplexen Bedingungen von Architektur zu einer einfachen, plausiblen Gestalt zu verdichten, ist ein wesentliches Anliegen unserer Arbeit“, heißt es in der Vorstellung von Staab Architekten. 

 

Mit dieser Herangehensweise widmet sich unser Büro einem breiten Spektrum unterschiedlichster Bauaufgaben, das von Neubauten, die in sensible Stadt- und Landschaftsräume eingefügt werden, bis zu Umbauten und Neuinterpretationen von denkmalgeschützten Gebäuden reicht. Schwerpunkte unserer Tätigkeit bestehen in der Planung  und Ausführung von Kulturbauten, Forschungs- und Lehrgebäuden und Büro- und Verwaltungsgebäuden.

Trotz der Bandbreite der Arbeiten, liegt die öffentliche Wahrnehmung des Architekturbüros vor allem bei den Museumsbauten. Dies kann daran liegen, dass dies ein Schwerpunkt der Berliner ist, der eine besondere Aufmerksamkeit der Feuilletonisten zukommt.

Der in Heidelberg geborene Volker Staab (*1957) studierte von 1977 bis 1983 er an der ETH Zürich Architektur und erlangte dort sein Diplom. Von 1985 bis 1990 arbeitete als freier Mitarbeiter im Büro Bangert, Scholz und Schultes, unter anderem an dem Entwurf dieses Büros für das Kunstmuseum Bonn. 1991 gründete er das Architekturbüro Volker Staab in Berlin. Seit 2002 ist er zudem in der wissenschaftlichen Lehre, zunächst als Gastprofessor (TU Berlin), später mit einem ständigen Lehrauftrag (Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, FH Münster, ABK Stuttgart, TH Braunschweig).

 

 

Neues Museum in Nürnberg (1996 – 1999)

Das Neue Museum - Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg aus der Sammlung Kunst (internationale Kunst der Gegenwart), hervorgegangen aus einer Kunstsammlung der Stadt Nürnberg, einer Sammlung Design aus Beständen der Neuen Sammlung München sowie aus privaten Stiftungen wie von den Nürnberger Galeristen Mariane und Hansfried Defet, des Berliner Galeristen René Block sowie dem Kölner Galeristen Rolf Ricke.

1990 beschloss die Bayerische Staatsregierung, ein staatliches Museum des 20. Jahrhunderts in Nürnberg zu errichten. Aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb für den großangelegten Museumsneubau ging der Entwurf vonVolker Staab als eindeutiger Sieger hervor. Der Bau wurde 1999 fertiggestellt und am 15. April 2000 eröffnet. Das moderne Gebäude zeichnet sich durch eine 100 Meter lange, sanft geschwungene Glasfassade aus (siehe Aufmacherbild oben).  Sie verwischt die Grenzen zwischen Außen- und Innenraum und eröffnet faszinierende Ein- und Ausblicke. Die weithin sichtbare Wendeltreppe (Bild links) ist als markante Verbindung zwischen den verschiedenen Ausstellungsebenen ein unverwechselbares Markenzeichen des Neuen Museums.

Der Museumsbau fügt sich aber sehr gut in den allgemeinen historischen Stadtkern von Nürnberg ein. So treffen moderne Museumsarchitektur und mittelalterliche Stadtmauer harmonisch aufeinander, ein denkmalgeschützter Altbau und die neuen Gebäudeteile verbinden sich zum großen Ganzen.

 

Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (1998–2000)

Für die Kunstsammlung des Schweinfurter Industriellen (FAG Kugelfischer) und Kunstmäzen Georg Schäfer (1896 – 1975) wurde auf Initiative der Schweinfurter Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser und mit finanziellen Mitteln des Freistaates Bayern der Bau eines Kunstmuseums beschlossen.

Bereits zuvor gab es Pläne für einen Museumsbau, darunter sogar ein Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe, sowie später einen von Alexander von Branca. Aus einem neuen Architektenwettbewerb ging schließlich Volker Staab am 1. Februar 1997 als Sieger hervor. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Museum am 23. September 2000 eröffnet. Es liegt am südlichen Eingang zur Innenstadt, direkt beim Rathaus.

Das Gebäude zählt zu den wichtigen Museumsneubauten der Gegenwart und ist eines der Hauptwerke von Staab. Staab konzipierte eine „Schatztruhe“, die laut dem Architekturkritiker Oliver Herwig, „durch gewaltige Einschnitte, Ecken und Kanten, Rampen und Stufen“ gekennzeichnet ist (siehe Bild links).

 

Werke (Auswahl)

1991 – 1999: Neues Museum, Nürnberg

1992 – 1994: Erweiterung Bayerischer Landtag, Maximilianeum, München

1995 – 2001: Institut für Chemie der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin

1997 – 2000: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

1997 – 2002: Fachbereiche Chemie und Biologie der Universität Rostock, Rostock

2000 – 2005: Plenarsaal des Bayerischen Landtags, Maximilianeum, München

2000 – 2002: Kindergarten Jerusalemer Straße, Berlin

2000 – 2004: Siemens-Bürogebäude, Erlangen

2001 – 2005: Straßenbauamt, Passau

2001 – 2006: Labor Genomforschung, Berlin

2002 – 2006: Deutsche Botschaft, Mexiko City, Mexiko

2002 – 2007: BioQuant-Institut der Universität Heidelberg, Heidelberg

2002 – 2004: Servicezentrum Theresienwiese, St. Paul, München

2003 – 2008: German International School, Sydney, Australien

2003 – 2009: Erweiterung Institut Informatik, Universität Augsburg

2004 – 2007: Museum Gunzenhauser, Chemnitz

2004 – 2011: Informations- Medienzentrum Golm, Universität Potsdam

2004 – 2009: Forschungsanstalt Geisenheim der Hochschule RheinMain

2004 – 2010: Zentraldepot Albertinum Dresden, Dresden

2005 – 2007: Büro- und Geschäftshaus Sebalder Höfe, Nürnberg

2005 – 2013: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

2005 – 2011: Neugestaltung und Sanierung Neue Galerie Kassel, Kassel

2005 – 2011: Besucherzentrum Herkules, Kassel

2007 – 2011: InstandsetzungErweiterung Hochhaus C10 der Hochschule Darmstadt

2008 – 2014: Willy-Brandt-Schule, Warschau, Polen

2008: - 2013: Ministeriumsgebäude, Stuttgart

2008 – 2010: Firmensitz Nya Nordiska, Dannenberg

2008 – 2013: Kunstmuseum Ahrenshoop

2009 – 2011: Museum der Bayerischen Könige, Hohenschwangau

2009 – 2016: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Potsdam

2009 – 2012: Hochschule Ansbach

2010 – 2015: Richard Wagner Museum, Bayreuth

2011 – 2014: Kompetenzzentrum der Hochschule Mannheim

2011 – 2015: Frauenhofer IIS, Nürnberg

2012 – 2016: Büro- und Geschäftshaus am Oberanger, München

2012 – 2016: Erweiterung Medizinhistorisches Museum, Ingolstadt

2012 – 2016: Geschäftshaus am Schinkelplatz, Berlin

2016: Museum auf der Zitadelle, Berlin

2017: Wissenschafts- und Restaurierungszentrum, Potsdam

2017: Thünen-Institut, Bremerhaven

2018: Zentraldepot Stiftung Preußische Schlösser u. Gärten, Potsdam

2018: Sanierung und Erweiterung Fakultät Design, Hochschule München im Zeughaus, München

2019: Urbanes Leben am Papierbach, Landsberg am Lech

2019: Haus der Kirche, Augsburg

2020: Augustinerhof, Nürnberg

2014 - Planungsbeginn 2016: Naturkundemuseum Bayern, Nymphenburg, München

Literatur:

Staab Architekten: Verwandte Unikate, Text: Florian Heilmeyer, Staab Architekten, 2016

Bildnachweis:

Volker Staab in Frankfurt 2012 – Epizentrum; Neues Museum Nürnberg ­ ­– Margherita Spiluttini; Museum Georg Schäfer - Dr. Volkmar Rudolf/Tilman2007