Schloss und Schlosspark Nymphenburg

Der Nymphenburger Schlosspark ist eines der größten und bedeutendsten Parkanlagen und Gartenkunstwerke Deutschlands, der den französischen mit dem englischen Stil verbindet. Er bildet mit dem Schloss Nymphenburg und den Bauten im Park – Pagodenburg, Badenburg und Amalienburg – eine Einheit.

 

Der Park befindet sich im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg im westlichen Viertel Nymphenburg. Er wird an der östlichen Seite mit dem vorgelagerten Schlossrondell begrenzt. Von allen anderen Seiten ist sie weitgehend von der historischen Gartenmauer umschlossen. Nach Norden schließt sich der Botanische Garten an.

 

Schloss Nymphenburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nymphenburg wurde 1664 vom Kurfürsten Ferdinand Maria als Geschenk an seine Frau Adelheid von Savoyen in Auftrag gegeben. Anlass war die Geburt des Thronfolgers Max Emanuel, der später das Schloss wesentlich erweiterte. Agostino Barelli erbaute 1664 ein fünfgeschossiges Blockgebäude im Stil eines italienischen Landhauses mit Freitreppen zu beiden Seiten ab, der den Ausgangspunkt für weitere Baumaßnahmen bildete: Zwischen 1702 und 1704 ließ Max Emanuel von Enrico Zuccalli und Giovanni Antonio neben dem Hauptschloss zwei Galerien und die daran sich anschließenden zwei nördlichen und zwei südlichen Pavillons errichten. Im zweiten nördlichen Pavillon erbaute Viscardi 1713 die Schlosskapelle. 1716 veränderte  Joseph Effner die Fassaden des Hauptbaues , indem er in der Mitte der einzelnen Geschosse je drei große rundbogige Fenster einbauen ließ. Unter Kurfürst Karl Albrecht die beiden äußeren Bauten für die Orangerie im Norden und den Marstall im Süden errichten, beide mit Verbindungsflügeln zu den Pavillons. Die von den beiden äußeren Bauten ausgehende, nach 1730 fertiggestellte Rondellbebauung sollte Ausgangspunkt einer „Carlstadt“ werden – die allerdings nie realisiert wurde. Hier liegen am Schlossrondell zehn symmetrisch in zwei Fünfergruppen gegliederte Palais, die zwischen 1728 und 1758 für höhere Hofbedienstete errichtet wurden. Kurfürst Max III. Joseph beauftragte Francois de Cuvilliés mit dem „Steinernen Saal“ im Hauptbau (1758). Kurfürst Karl Theodor ließ schließlich 1795 die Galerien zur Parkseite hin verbreitern. Leo von Klenze entfernte dann 1826 im Auftrag von König Ludwig I. die Giebel mit den kurfürstlichen Wappen und schuf stattdessen am Hauptbau die Attika. Seit der Revolution von 1918 ist das Schloss über die Bayerische Verwaltung staatlicher Schlösser, Gärten und Seen im Besitz des Freistaates Bayern. Es beherbergt im Südflügel das Marstallmuseum und das Porzellanmuseum München, im Nordflügel das Museum Mensch und Natur und im Südlichen Schlossrondell das Erwin von Kreibig-Museum. Der innere südliche Pavillon beherbergt als bekannteste Attraktion die von dem Hofmaler Joseph Karl Stieler angefertigte Schönheitengalerie mit 36 Porträts von Münchner Damen des Königs Ludwig I. Der äußere südliche Pavillon ist im Allgemeinen unzugänglich.

 

Schlosspark Nymphenburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorbilder für den ursprünglichen Barockgarten waren die französischen Gärten von Schloss Vaux-le-Vicomte und Schloss. Die heutige Gestalt wurde durch Friedrich Ludwig von Sckell ab 1799 geplant und verwirklicht. Sckell hatte zuvor mit seiner Gestaltung des Schwetzinger eine harmonische den französischen und englischen Gartenstils zusammengeführt. Die Arbeiten in Nymphenburg dauerten wegen der Größe des Gartens länger. Ab 1799 gestaltete Sckell zuerst den abgegrenzten Kronprinzengarten als Sondergarten. Die Schaffung eines weitläufigen Landschaftsparks nach englischem Vorbild begann 1804 mit dem südlichen Parkteil, der 1807 fertiggestellt war und wurde 1810 bis 1823 mit dem nördlichen Teil vollendet. Sckell bewahrte das Parterre auf der Gartenseite des Schlosses ebenso wie die Mittelachse mit dem Kanal und der abschließenden Kaskade. Auf diese Weise gelang ihm eine unaufdringliche Gliederung des Parks in zwei Landschaftsbereiche vergleichbarer Größe, die ihre eigene Prägung und Stimmung aufweisen, wozu zwei ihm sehr unterschiedlich gestaltete Seen maßgeblich beitragen. Eine erste Öffnung des Gartens für das allgemeine Publikum erfolgte 1792 unter Kurfürst Karl Theodor. Der Park innerhalb der Gartenmauer hat eine Größe von 180  Hektar, die Fläche der gesamten Anlage beträgt 229 Hektar. Die größte Fläche des Parks wird vom im englischen Stil gestalteten Landschaftsgarten eingenommen.

 

Der nördliche Teil ist bestimmt von dem in derNördlichen Durchsicht liegenden Pagodenburger See mit der Pagodenburg (Bild oben) und dem Pagodenburger Tal, einem nach Norden verlaufenden Wiesental mit einem in den Kugelweiher mündenden Bach.

Der südliche Teil ist noch vielgestaltiger mit Südlicher Durchsicht, dem großen Badenburger See, der dem Besucher Blicke über die Wasserfläche auf den in Form eines Monopteros erbauten Apollotempel und die Badenburg gestattet, hinter der ein Löwental genanntes weites Wiesental nach Süden führt, sowie dem Dörfchen, der südlich des Großen Parterres gelegenen Amalienburg und dem Kronprinzengarten.

 

Aufgrund einer kaum merklichen Höhendifferenz von fünf Metern zwischen dem nördlichen und dem südlichen Parkteil war es möglich, durch geschickte Wasserführung drei Ebenen zu schaffen. Das Gefälle ermöglicht die Kaskaden und erlaubt den Betrieb von Wasserrädern zu Pumpzwecken. Von Westen wird Wasser, das bei Pasing der Würm entnommen, über den Pasing-Nymphenburger Kanal in das Parkgebiet geführt. Der in den südlichen, höher gelegenen Parkteil abzweigende Kanal behält das ursprüngliche Niveau, während die Hauptmenge des Wassers die Große Kaskade speist.

Ein Teil des Wassers des südlichen Kanals wird zum Betrieb der Wasserradpumpen für die gartenseitige Fontäne verwendet, der Rest fließt über einen Wasserfall auf das tiefere Niveau des Mittelkanals. Der Mittelkanal teilt sich vor dem Großen Parterre in zwei Arme, die unter den Verbindungsflügeln des Schlosses (deshalb „Wassergänge“ genannt) hindurchführen, Schlosshauptgebäude und Gartenparterre umfassen und zum Bassin vor dem Ehrenhof führen. Aus dem nördlichen Arm wird das ebenfalls von Wasserrädern angetriebene Pumpwerk im Johannis-Brunnturm des Schlossgebäudes gespeist. Die Hauptmenge des Wassers aus dem Park fällt dann wiederum auf das tiefere Niveau der Bassins des Schlossrondells und des Schlosskanals zwischen den Schlossauffahrten, der in einem Wasserbecken endet.