Nymphenburg: Schloss unterm Hakenkreuz

Ob die Schönheitensammlung von König Ludwig I, der riesige Barockbau oder der Landschaftspark im englischen Stil –er gibt viele Gründe, warum Schloss Nymphenburg eines der Touristenmagnete von München ist. In einem Buch haben der ehemalige Kastellan und eine Historikerin aus Leidenschaft nun die braune Vergangenheit vom Schloss Nymphenburg aufgearbeitet.

 

Schloss Nymphenburg zieht jährlich 5 Millionen Besucher an. Vor kurzem wurde in der ehemalige Sommerresidenz der Wittelsbacher das 350-jährige Jubiläum des Baubeginns gefeiert.

Die Anlage war stets auch ein kulturelles und machtpolitisches Zentrum in Bayern. Auch nach der Zeit, als die Wittelsbacher ihre Macht in Bayern verloren hatten. In den Jahren des Hitler-Regimes diente Schloss Nymphenburg stets als Kulisse zur Demonstration dieser Macht. Dies dokumentieren Doris Fuchsberger und Albrecht Vorherr nun in einem Buch.

Bereits vor Hitlers Machtergreifung, ab 1932, begann Reinhard Heydrich in unmittelbarer Nähe des Schlosses den Sicherheitsdienst der SS aufzubauen. Regelmäßig zu „Führers Geburtstag“ fanden dann Fackelzüge zum Schloss statt, der Stadtteil war illuminiert. Hier trafen sich die Münchner NS-Spitzen, aber auch Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß.

Eine Schlüsselposition nahm bei den repräsentativen Veranstaltungen auf dem Schlossareal Christian Weber, „Münchens eigentlicher Machthaber“ ein. Bereits 1926 wurde er Stadtrat in München und war einer der nur fünf Gefolgsleute Hitlers, die ihn duzen durften. Nach der Machtergreifung stieg er schnell auf, wurde Münchner Wirtschaftsdezernet und von Hitler persönlich ernannter Präsident des Kreistags von Oberbayern. Während der „Reichskristallnacht“ verübten SS-Männer – Weber war seit 1936 von Himmler ernannter SS-Reichsbrigadeführer in Zivil unter Webers Leitung einen Brandanschlag auf das Schloss Planegg des jüdischen Bankiers Rudolf von Hirsch. Auch sonst bereicherte sich Weber am Immobilienbesitz jüdischer Mitbürger und galt als einer der korruptesten NS-Bonzen des Regimes. Himmler sammelte Unterlagen aus den zahlreichen Parteigerichtsverfahren, in die Weber verwickelt war, wagte aber trotz sich bietender Möglichkeiten nicht, gegen ihn in irgendeiner Weise vorzugehen. Weber war der Initiator der „Nacht der Amazonen“ im Nymphenburger Schlosspark, das von internationalen Staatsgästen beklatscht wurde. Dabei ließ er auf den Teichen von kaum bekleideten Darstellerinnen „lebende Bilder“ mehr oder weniger mythologischen Inhalts gestalten.

Die Parkpflege konnte in den Kriegsjahren nur mit Zwangsarbeitern aufrechterhalten werden. Mit der Hilfe von KZ-Häftlingen aus Dachau produzierte die Porzellanmanufaktur Luxus für Hitlers Staatskanzlei, den Obersalzberg und NS-Größen.

In akribischer Recherchearbeit haben Albrecht Vorherr, jahrzehntelang als Kastellan von Schloss Nymphenburg für die Bayerische Schlösserverwaltung tätig, sowie Doris Fuchsberger, Historikerin aus Leidenschaft, bislang unveröffentliche Quellen und Dokumente ausgewertet und die bisher wissenschaftlich kaum bearbeitete NS-Zeit des Schloss Nymphenburg aufgearbeitet. Die Umfangreiches Bildmaterial mit teilweise unveröffentlichten Fotografien des Nymphenburgers Hans Schürer zeigt das Schloss in den Jahren 1933 bis 1945.

 

Doris Fuchsberger, Albrecht Vorherr: Schloss Nymphenburg unterm Hackenkreuz Allitera Verlag, 260 Seiten, 16,90 Euro 

 

Bildquellen: Historische Fotografie von Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1938 (klein); Schloss Nymphenburg (groß) heute von Ulrich Lohrer