Sauerbruch-Hutton

Das von dem Ehepaar gegründete Architekturbüro Sauerbruch Hutton bringt farbe in die Architektur. Münchner können sich davon vor Ort überzeugen: Das Museum Brandhorst und die neue ADAC-Zentrale stammt von dem international ausgerichteten  Berliner Architekturbüro, das mittlerweile rund 90 Mitarbeiter beschäftigt.

Matthias Sauerbruch (*1955 in Konstanz) und Louisa Hutton (*1957 in Norwich) gründeten ihr Büro Sauerbruch Hutton zunächst in London. Seit 1993 hat das Büro, das mittlerweile von weiteren vier Partnern mitgeleitet wird – Juan Lucas Young, Jürgen Bartenschlag, Andrew Kiel, Tom Geister und David Wegener –, seinen Sitz in Berlin. Hier arbeiten Gestalter, Techniker, Modellbauer und Verwaltungsfachleute aus etwa zwölf verschiedenen Ländern.

Matthias Sauerbruch, Enkel des berühmten Mediziner und Sohn eines Malers, wollte zunächst Bühnenbildner werden, verpasste aber die Bewerbungsfrist an der Hochschule der Künste in Berlin und schrieb sich stattdessen für Architektur ein, weil es da noch Plätze gab. Nach seinem Diplom in Berlin führte es ihn zur renommierte Londoner Architectural Association wo er beim Pop-Architekten Peter Cook studierte und seine Kommilitonin und spätere Ehefrau Louisa Hutton kennenlernte, die zuvor an der Bristol University studiert hatte. 1989 gründeten sie ihr erstes Büro in London, seit 1993 haben sie auch einen Sitz in Berlin an der Lehrter Straße im Stadtteil Moabit. 1995 wurde er Professor an der TU Berlin, 2001 folgte er einem Ruf an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 2008 sind Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch als Gastprofessoren an der Universität Harvard tätig.

Sauerbruch Hutton versuchen individuelle und nachhaltige Lösungen zu finden, die auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Nutzer eingehen und im engen Dialog mit ihrer Umgebung stehen. Dieser ganzheitliche Planungsansatz möchte die sinnlichen Qualitäten von Raum und Materialien mit dem pragmatischen Einsatz von Technik, insbesondere zum Umgang mit vorhandenen Ressourcen verbinden. Die Gebäude zeichnen sich in der Regel durch organische Grundrissen mit geschwungenen und bunten Fassaden aus. Zu den bekanntesten Werken gehören  das Umweltbundesamt in Dessau, Innovationszentrum Photonik am Wissenschaftsstandort Berlin-Adlershof, das GSW-Hochhaus in Berlin, das Museum Brandhorst in München, Jessop West (University of Sheffield) und die Westarkade in Frankfurt am Main. In München stammt von dem Berliner Büro außer dem Museum Brandhorst auch die neue ADAC-Zentrale sowie das Museum im Türkentor neben dem Brandhorst Museum. 

 

GSW-Hochhaus,

Berlin (1995 – 1999)

Die Senatsbauverwaltung, der damalige Bezirk Kreuzberg und die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaigesellschaft Berlin (GSW)  schrieben 1991 einen Architekturwettbewerb zur Erweiterung des bestehenden 17-geschossigen Hochhauses aus den 1960er Jahren aus. Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton gewannen mit ihrem Entwurf den Wettbewerb.

Unter Berücksichtigung des existierenden Baus planten die Architekten ein vierteiliges Gebäudeensemble aus der 22-geschossigen Hochhausscheibe, die parallel zur Charlottenstraße steht, einem dreigeschossigen Flachbau an der Rudi-Dutschke-Straße und der „Pillbox“ – einem elliptischen, dreigeschossigen. Die geschwungene Kkonverse Fassade ab dem vierten Geschosssoll zur Senkung des Energiebedarfs beitragen. Auch die zweite Vorhangfassade vor der Westseite, die mit Läden in verschiedenen Rottönen ausgerüstet ist, wurde mit der energetischen Zielsetzung entworfen. Auch der schwarz verkleidete Flachbau ist nach innen gekrümmt, geschwungen.

 

 

 

Umweltbundesamt in Dessau (2005)

Das am 22. Juli 1974 als selbständige Bundesoberbehörde gegründete Umweltbundesamt (UBA) im Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern hatte zunächst seinen Sitz in Berlin. Seit 2. Mai 2005 befindet sich der Dienstsitz des UBA in Dessau-Roßlau, in einem von Sauerbruch Hutton entworfenen Gebäude. Gut 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier tätig. Die Nutzung von erneuerbaren Energien ist im Gesamtenergiekonzept des UBA enthalten. Im Faltdach des Eingangsbereiches (Forum) ist eine Photovoltaikanlage integriert. Die auf dem Flachdach des Forums angebrachten Sonnenkollektoren dienen der solarunterstützten Kälteversorgung des Hauses, hauptsächlich zur Kühlung von  Hörsaal und IT-Bereichen. Durch den derzeit größten Erdwärmetauscher der Welt mit einer Rohrlänge von mehr als 5 km wird die angesaugte Luft unterirdisch vorkonditioniert, die je nach Jahreszeit die Büroräume kühlt beziehungsweise zusätzlich erwärmt. Im Forum befindet sich die größte Fachbibliothek für Umweltliteratur im deutschsprachigen Raum. Der Hörsaal im Forum ist einer der technisch und architektonisch modernsten Bauten. Er hat eine Kapazität von 360 Sitzplätzen und steht außer den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des UBA auch der Öffentlichkeit für Vorträge zur Verfügung.

 

 

Museum Brandhorst, Türkenstraße (2005-2008)

Für eine der größten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst wurde im Areal der Pinakotheken eigens ein neues Museum errichtet. Äußerlich ist der längliche Bau einfach gestaltet und zeichnet sich durch einen hohen Kopfbau an der Theresienstraße gegenüber dem von Sep Ruf entworfenen Wohnhochhaus aus.  Die Blechfassade des Museum Brandhorst wird von bunten, senkrecht angebrachten Keramikstäben überlagert. Im Inneren bietet das Museum auf drei Ebenen hellen, mit natürlichenm Licht erhellten Räumen Platz für Ausstellungen. Die Beleuchtung der großen Säle im Obergeschoss erfolgt durch Oberlichter und Seitenfenster, im Erdgeschoss und im Souterrain indirekt über das Patio. Dieses wird durch eine helle, großzügige Holztreppe bestimmt.