Hochschule im Tweedkostüm

Soeben wurde der Erweiterungsbau der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München dem Freistaat übergeben. Studierende benötigen dringend die neuen Räumlichkeiten. Doch auch architektonisch hat der Beubau einiges zu bieten. Entworfen haben ihn die Architektenbüros SAM und Steidle.

 

Bereits ab dem Sommersemester 2012 sollen die neuen Vorlesungs- und Seminarräume auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Grundstück genutzt werden. Schließlich herrscht aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs 2011 dringender Raumbedarf. Studenten und Professoren können sich freuen: Es ist ein spannendes und eigenständiges Gebäude entstanden, das aber die umgebende Nachbargebäude gekonnt integriert.

Die Planungs- und Bautermine waren entsprechend knapp bemessen. Zusätzlich mussten denkmalgeschützte Nachbargebäude in der Entwicklung berücksichtigt werden.

Das Münchner Büro SAM Architekten war für die Generalplanung zuständig. Das Architekturbüro wurde 1982 von Alexander Rosa-Alscher gegründet, dem heutigen Geschäftsführer. Geleitet wird das Büro von Wolf-Detlef Huth. Zu den bekannteren Arbeiten von SAM Architekten aus der jüngsten Zeit gehören die Bürogebäude Metris, Battello, HKW und Freiheizhalle im Arnulfpark sowie das Factory Schwabing bei der Münchner Freiheit.

Der Komplex gliedert sich in zwei Gebäudeteile: den Institutstrakt an der Dachauer Straße und den Hörsaaltrakt, der sich u-förmig um einen Hof entwickelt. Mittels einer Freiflächenplanung und einer Wegeführung, die eine hohe Aufenthaltsqualität garantieren, sowie der Realisierung einer Trambahnhaltestelle auf dem Gelände, wird die Entwicklung zu einem Campus weiter begünstigt. Ein öffentlich zugängliches Café rundet das Raumprogramm ab und unterstreicht den Campuscharakter. 
Der architektonisch anspruchsvolle Neubau steht für sich selbst und passt sich dennoch gut in das komplexe städtebauliche Gefüge der umgebenden Bebauung ein.

Für Teilbereiche und vor allem die Fassade wurde zudem ein Realisierungswettbewerb ausgelobt: Realisiert wurde der Entwurf von Steidle Architekten, die mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden. Die gesamte Fassade ist gleichmäßig, aber mit verschieden großen Öffnungen gestaltet. Die Fensteröffnungen folgen mit ihren unterschiedlichen Größen einem gewissen Rhythmus und geben der Fassade eine individuelle Erscheinung. Teile der Außenhaut sind weiß verputzt. Andere hingegen sind mit Klinkerriemchen in verschiedenen Farben verkleidet.

Die mehrfarbige Klinkerriemchenfassade gleicht optisch einem gewebten Tweedstoff ist eine Anlehnung an das benachbarte, denkmalgeschützte Zeughaus. Der von Hauptmann Friedlein entworfene und 1861 bis 1865 von Matthias Glaeser erbaute zweigeschossige Ziegelsteinbau diente zunächst als Depot für den Mobilmachungsfall, dann als Armee-Museum und seit 1970 als Sitz für die geistes- und naturwissenschaftlichen Institute der beiden Münchner Universitäten und der Fachhochschule. Das neue Hochschulgebäude greift Farbe und Muster dieses alten Ziegelsteingebäudes auf, erzeugt aber ein eigenständiges Bild