Preysings Palais

Das Preysing-Palais ist manifestierte Architekturgeschichte: 1723 von Josef Effner erbaut, 1944 von Bomben zerstört, 1958 von Erwin Schleich rekonstruiert und nun von Architekten Stadler + Partner im Inneren neu gestaltet.

 

 

Joseph Effner (1687-1745), zunächst Gärtner, dann der Oberhofbaumeister des Kurfürsten Max Emanuels, ist als Architekt von Schloß Nymphenburg und Schloß Oberschleißheim bekannt. 

Als sein künstlerisches Hauptwerk gilt allerdings das Palais, das er für den kurfürstlichen Oberstjägermeister Graf Maximilian IV. von Preysing-Hohenaschau (1687-1764)  neben der Residenz nach seiner Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat im Jahr 1722 erbaute.

Der Adels-Palast wurde in solcher Hast gearbeitet, dass die Maurer sogar nachts bei Fackelschein ihr Werk verrichten mussten. Die Ausstattung war ungewöhnlich prächtig. Dazu trugen insbesondere die Stuckarbeiten von Johann Baptist  Zimmermann bei, der bereits unter Effner das Treppenhaus in Schloß Oberschleißheim gestaltete. Aber auch bei profanen Objekten wurde nicht gespart. Johann Georg Keyssler (1689-1743), Rat der englischen Krone und ein zu seiner Zeit berühmter Schriftsteller aus Hannover, berichtete in seinen Briefen über das Palais als "große Zierde", die mit vier Seiten sich in ebenso vielen Straßen endigt." Beeindruckt war Keyssler auch von dem Marstall, in dem selbst "die Seulen der Pferdestände von rothen Marmor" sind. "Jedes Pferd frist aus seiner besonderen marmornen Muschel, die fünf und zwanzig Gulden kostet."  

Grund für den luxuriösen Bau ist auch eines Standes- und Prestigefrage. Der Bauherr, Graf Maximilian IV. von Preysing (Bild links unten), ist nicht nur Präsident des Konferenz-Rates, Prinzenerzieher, Obristenkämmerer und Kanzler vom Orden des heiligen Kreuzes, sondern vor allem der beste Freund des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (1697-1745). Preysing hatte mit seinem fürstlichen Zögling 1715/16 eine äußerst ausschweifende Kavalierstour durch Italien gemacht und ihm "das zweyte Geschlecht" zugeführt. Der spätere Kaiser (1742-1745) findet schnell Gefallen an diesem Lebenswandel und soll etwa 60 illegitime Kinder gehabt haben. Ein Verhalten, das sein Minister scharf verurteilte, weil Preysing mit zunehmendem Alter immer "bigotter" wurde. Als der Wittelsbacher Preysing wegen seiner schlechten Behausung verspottete, sah sich dieser jedoch gezwungen ein standesmäßiges Palais vom ersten seines Fachs, Josef Effner, erbauen zu lassen.  

Das Preysing-Palais, ist neben dem Törring-Palais Münchens größter Adelspalast aus der Barockzeit. Während das Törring Palais jedoch später von Leo von Klenze zur Residenzpost und aktuell von Hilmer Sattler und Albrecht zum Geschäftshaus Palais an der Oper auch äußerlich umgestaltet wurde, blieb beim Preysing Palais das Äußere weitgehend bewahrt.

Seit 1835 war das Preysing Palais Sitz, ab 1844 Eigentum der neu gegründeten Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Wo die Hauskapelle und der Innenhof war, baute 1880 der Architekt Albert Schmidt eine überdachte Schalterhalle. 1911 ging das Gebäude in Staatsbesitz über und wurde durch Gabriel von Seidl, dem Erbauer der Lenbach Villa, des Künstlerhauses und später des Deutschen Museums, zum „Clubhaus Preysing-Palais“ umgebaut. Weitere Umbauten erfolgten durch den Architekten Heinrich Bergtold für den Deutschen Immobilien-Club.

Seit dem Abriss des Schwabinger Tors steht das Preysing Palais hinter der von Friedrich von Gärtner erbauten Feldherrenhalle, wo 1923 der Hitler-Putsch niedergeschlagen wurde. Münchner Bürger, die den ab 1933 hier postierten „Ehrenwachen der Blutzeugen“ nicht grüßen wollten, verdrückten sich lieber hinter dem Palais durch die Viscardigasse. Im Volksmund wurde der Weg daher auch als „Drückebergergasse bezeichnet. 1995 überzog man einige Pflastersteine mit Bronzefarbe, um den Schleichweg zu kennzeichnen.

Effners Meisterwerk des Rokokos wurde durch Hitlers ausgelösten Krieg 1944 im Bombenhagel bis auf eine Fassade an der Residenzstraße zerstört. Der Privatinvestor Dr. Hermann Hartlaub erwarb 1958 die Ruine und ließ das Palais durch den Architekten Erwin Schleich bis 1960 wieder aufbauen. Schleich, obwohl erst 33 Jahre alt, galt als Meister der Rekonstruktion. Als Regierungsbaumeister bei der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen hatte er die Kirchen St. Paul und St. Ludwig wieder aufgebaut. Beim Preysing Palais berücksichtigte er die wirtschaftlichen Anforderungen: Im Erdgeschoss ließ er Ladenfenster einbauen und wandelte die frühere Durchfahrt als Ladenpassage um. Für die Büronutzung ließ er um einen Innenhof zusätzliche Geschosse anlegen, rekonstruierte aber Äußeres und das repräsentative Treppenhaus originalgetreu.

Neu gestaltet wurden nun von den Münchner Architekten Stadler + Partner die Innenräume eines Notariats im Palais. Das minimalistische Design des hellen Eingangsbereichs kontrastiert dabei mit der Opulenz des Treppenhauses. Einzig die auf den Glaswänden angebrachten Lampenschirme zitieren dezent die Stuckelemente des Barock. 

Den weißen Beton der Wände und Türen ließ Architekt Stadler extra durch Ingo Weber von der Zementwerkstatt anfertigen. Von dem herrschaftlichen Ausmaß des ehemaligen Adelspalast zeugt noch die eindrucksvolle Höhe von 4,5 Meter der zwei Notariatszimmer und dem Besprechungsraum. „Wegen der Fassadeneinteilung und Fenster mussten die anliegenden Räume beim Wiederaufbau den ursprünglichen Raumhöhen entsprechen“, erläutert Architekt Stuart Stadler. Dagegen fallen die um den Lichthof angeordneten Zimmer der Sachbearbeiter niedrig aus. Sie sind durch Glaswände unterteilt aber miteinander verbunden. Eine interessante Interpretation des Repräsentationsbaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur:

Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern - Landeshauptstadt München Mitte, Band 2, München 2009

Rudolf Reiser: Alte Häuser, Große Namen, München 2009 (daraus: Barocke Pracht und eine Hochzeitsnacht im Preysing Palais)