Architekt und Karikaturist Ernst Maria Lang gestorben

Seine Arbeiten, darunter die Studentenstadt Freimann, das Hacker-Zentrum an der Theresienhöhe und die Parkstadt München-Solln, sind als rationale Lösungen in Beton auf einen rasant gestiegenen Wohnungsbedarf entstanden. Als Karikaturist zeichnete er respektlos mit spitzer Feder.

 

Der Münchner Architekt und langjährige Karikaturist der Süddeutschen Zeitung und des Bayerischen Fernsehens, Ernst Maria Lang, ist im biblischen Alter von 97 Jahren gestorben.

Bereits mit 12 Jahren handelte er sich durch eine Zeichnung Ärger mit der Obrigkeit ein: Wegen dieser „Verächtlichmachung des Nationalsozialismus“ wurde er 1934 aus der Hitlerjugend ausgeschlossen. Nach dem Abitur im Kloster Ettal leistete  er Reichsarbeitsdienst und danach Kriegsdienst - und wurde gleich mehrfach verwundet.

Nachdem der 28-jährige den Krieg überlebt hatte, studierte er an der Technischen Hochschule München Architektur. Mit seinem Diplom arbeitete er von 1947 bis 1949 zunächst als wissenschaftlicher Assistent. 1947 begann er auch erstmals Karikaturen für die neue gegründte Süddeutsche Zeitung zu zeichnen, für die er bis 2003 tätig war. Auch im Bayerischen Fernsehen war Lang zwischen 1954 und 1989 als Karikaturist und politischer Kolumnist mit dem Zeichenstift tätig. Als Karikaturist begleitete die Politik der Bundesrepublik mit spitzen gezeichneten Karikaturen von Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Rainer Barzel, Willy Brandt bis Helmut Kohl und Gerhard Schröder.

Seit 1950 betätigte sich Lang als selbständiger Architekt in München. Dabei hat er die Stadt mit seinen Bauten in einer Zeit des rasanten Bevölkerungswachstums entscheidend mitgeprägt. Zu seinen Arbeiten zählen die Wohnhäuser für die Anlage Am Hasenbergl, die Studentenstadt Freimann, die Parkstadt Solln sowie das Hacker-Zentrum an der Theresienhöhe. Die Münchner Studentenstadt in Freimann ist die größte derartige Ansiedlung in der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn viele dieser „Betonburgen“ heute kritisch gesehen werden, so halfen sie doch in einer Zeit dringend benötigtem Wohnraum diesen in moderner Gestaltung und in einem meist innerhalb großzügigen Grünanlagen in kurzer Zeit zu relativ niedrigen Kosten zu schaffen. Von E. M. Lang stammten aber auch die Kirchenbauten der Pfarrkirche St. Andreas im Schlachthofviertel und das  Pfarrzentrums St. Ansgar in Solln.

Zudem engagierte sich Ernst Maria Lang in der Ausbildung und der Verbandstätigkeit. Zwischen 1961 und 1981 leitete er das Berufsbildungszentrum für Bau und Gestaltung in München. Von 1965 bis 1971 war Lang Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Bayern und von 1971 bis 1991 Präsident der Bayerischen Architektenkammer, deren Ehrenpräsident er seit 1991 war.

Werke (Auswahl)

1953: Pfarrkirche St. Andreas im Schlachthofviertel im Münchner Bezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

1953: Deutsche Verkehrsausstellung in der Messe Theresienhöhe – Bauten von Post und Bundesbahn – im Bezirk Schwanthalerhöhe

ab 1957: Flaksiedlung im Münchner Bezirk Allach-Untermenzing

1960 – 1965: Wohnanlage Am Hasenbergl im 24. Münchner Stadtbezirk (Feldmoching-Hasenbergl)

1960 – 1967: Studentenstadt Freimann in Freimann im Bezirk Schwabing-Freimann

1969 – 1983: Hacker-Zentrum an der Theresienhöhe im Bezirk Schwanthalerhöhe

1981 – 1983: Pfarrzentrum St. Ansgar in Solln im 19. Münchner Stadtbezirk

 

Weitere Informationen:

Süddeutsche Zeitung: Karikaturist Ernst Maria Lang – Ein Jahrhundertmann

Bayerische Architektenkammer: Gründungs- und Ehrenpräsident Ernst Maria lang verstorben

 

Bilder: Ernst Maria Lang – 1991 dpa; Hacker—Zentrum an der Theresienhöhe – Ulrich Lohrer; Kirchengebäude der katholischen Pfarrgemeinde St. Andreas – Mattes; Studentenstadt Freimann – Church of emacs