Keine Zukunft für das Haus der Gegenwart

 

Das silberne Gebäude der Architekten Allmann Sattler Wappner in Riem war zwar nur als temporäres Modellprojekt gedacht. Doch nun kommt der Abriss unerwartet schnell.

 

 

Vor zehn Jahren wollte das „Süddeutsche Zeitung Magazin“ wissen, wie ein Vier-Personen-Haus der Zukunft am Rand einer Großstadt aussieht. Es sollte nicht mehr als 250.000 Euro kosten und auf ein 500 Quadratmeter großes Grundstück passen.

Daraus resultierte ein Architektenwettbewerb. Die Entwürfe André Poitiers aus Hamburg (1. Preis), Allmann Sattler Wappner aus München (2. Preis) sowie Ortner & Ortner aus Wien (3. Preis) wurden prämiert. Die Bayerische Hausbau und die Stadt München realisierten den Plan von Allmann Sattler Wappner (Projektleitung: Olga Ritter).

Mit dem zweigeschossigen Bau wurde die gewohnte Struktur eines Einfamilienhaus auf den Kopf gestellt: Drei private Bereiche mit separaten Eingängen liegen im Erdgeschoss und tragen über ihre Treppen den verbindenden Wohnraum. Anlässlich der Bundesgartenschau 2005 nahm Bill Gates das Haus mit mo- dernster E-Technik in Betrieb.

Nun hat der Stadtrat überraschend schnell das Ende für das silbernen Gebäude beschlossen: Findet sich für die Kosten der anstehenden Reparaturen und für den Unterhalt keinen Sponsor – oder für das Haus keinen Käufer, werden die Quader noch im Juni abgerissen.

 

 

 

 

 

 

 

Dabei ist die schöne Vision nicht grundlegend überholt. „Das Haus der Gegenwart reflektiert aus unserer Sicht immer noch die sich permanent verändernden Strukturen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft“, sagt Amandus Sattler, einer der Geschäftsführer von Allmann Sattler Wappner. „Heute würden wir allerdings aufgrund der Weiterentwicklung und Erfahrungen der letzten zehn Jahre zu einem etwas anderen Ergebnis kommen.“

 

Der offene Raum zwischen den Quadern des Erdgeschosses mit Schlafzimmer, sanitären Anlagen und Arbeitsraum ist als Abstellplatz für Autos vorgesehen. Über der Parkfläche liegt im ersten Obergeschoss der zentrale Gemeinschaftstraum mit Küche. In diesen Raum münden die drei Treppen der Wohneinheiten. Vom Gemeinschaftsraum führen große, raumhohe Fenstertüren auf die drei Dachterrassen über den Wohneinheiten.

Die ebenerdigen Wohneinheiten sind in ihrer Nutzung nicht festgelegt. Schlaf-, Kinder- Arbeits-, Hobbyräume oder eine Einliegerwohnung sind möglich. Sowohl Eltern mit Kindern als auch Wohngemeinschaften Erwachsener können das Haus bewohnen. Es kann flexibel entsprechend wechselnder Lebensphasen genutzt werden.

 

 

Alle elektronischen Vorgänge im Haus lassen sich zentral steuern. Die Bewohner erhalten vom Computer oder Mobiltelefon Zugriff auf ihr Haus, auch von unterwegs. Neben der Abfrage des aktuellen Status kann der Nutzer Beleuchtung, Fenster, Türen, Jalousien, Heizung oder zum Beispiel die Gartenbewässerung einstellen. Jeder Bewohner kann dem Haus per Funkanhänger mitteilen, in welchem Zimmer er oder sie sich befindet: Treffen Nachrichten per Mail ein, informiert das Haus den Empfänger am nächstgelegenen Bildschirm. Beleuchtung, Raumtemperatur oder Hintergrundmusik können den Vorlieben gemäß Voreinstellung angepasst werden.
München wird mit dem Abriss an architektonischen Glanz verlieren. „Das Haus der Gegenwart hat für uns eine besondere Bedeutung, weil wir das Ergebnis unserer Arbeit einem großen Publikum präsentieren konnten“, sagt Sattler. Vielleicht gibt es ja eine Widerauferstehung. Mies van der Rohes Barcelona-Pavillion oder Le Corbusiers „L ╠üEsprit nouveau“ wurden auch wieder aufgebaut.