Jörg von Halsbach: Baumeister der Frauenkirche

Das Geburtsdatum ist unbekannt und auch über Kindheit und Ausbildung des Jörg von Halsbach wissen Historiker kaum etwas. Der spätgotische Baumeister schuf aber mit der Frauenkirche Münchens Wahrzeichen.  Und dies in rekordverdächtiger Bauzeit. Doch auch andere Bauwerke von ihm sind bemerkenswert.

 

 

Der Erbauer der Frauenkirche stammt vermutlich von dem kleinen Dorf Sixthaselbach bei Moosburg, aus dem heutigen Landkreis Freising. Sein Geburtsdatum ist unbekannt. Andere Quellen vermuten seinen Geburtsort in Halsbach bei Raitenhaslach, Halsbach bei Polling sowie Halsbach beu Altötting  – alles kleine Siedlungen in Oberbayern.Sicher ist nur, dass er mindestens eineinhalb Jahrzehnte vor 1441 geboren sein muss. Denn in diesem Jahr wurde Jörg von Halsbach, auch Halspach, Ganghofer oder Polling genannt,  1488 in München zum ersten Mal bei Umbauarbeiten am Kreuzgang und am Chor der Klosterkirche in Ettal nachgewiesen. Vor 1450 war er wohl auch in Polling tätig, wo er 1447 ein Haus erwarb. Wahrscheinlich war er mit am Bau der Kirche Maria Heimsuchung in Polling beteiligt. Ob er in seiner Jugend auch am Bau von St. Martin zu Landshut beteiligt war, ist ungewiß, wird aber von einigen Quellen vermutet.

Jörg von Halsbach muss einen hervorragenden Ruf als Mauermeister und als Experte von Ziegeln gehabt haben. Den aufgrund dieser Expertise erhielt er seinen größten Auftrag: Am 20. März 1468 trat er als Maurer und Baumeister, kurz nach der Grundsteinlegung der Frauenkirche am 9. Februar 1468, in den Dienst der Stadt München. 1472 erhielt er den Titel „Kirchenmeister bei U. L. Frauen“ und erhielt als Sold vierteljährig zwei Pfund Pfennige (nicht ganz vier Mark nach unserer Währung), und wenn er in der Stadt Dienst arbeitete, im Sommer 28, im Winter 24 Pfennige als Taglohn. Gemessen an der Größe des Bauwerks und der damaligen entstand die Frauenkirche in rekordverdächtiger Zeit zwischen 1468 und 1494.

Von der Stadt München erhielt er zumindest einen weiteren Auftrag: 1470 führte er Umbauarbeiten am alten Rathaus (Bild links) im spätgotischen Stil aus. Ab 1478 erbaute er zudem die Allerheiligenkirche am kreuz – kurz die Kreuzkirche – im Hackenviertel in der heutigen Altstadt. Vermutet wird auch, dass er auch der Baumeister der im Auftrag des Herzog Sigismund 1479 bis 1480 errichteten Kirche St. Wolfgang in Pipping im heutigen Münchner Stadtteil Obermenzing ist.  Auch eine teilweise Mitarbeit an der von seinem Schüler Lukas Rottaler 1494 erbauten Friedhofskirche oder Salvatorkirche im Kreuzviertel wird im zugeschrieben. Zudem war Halsbach für die Freisinger Fürstbischöfe tätig. Zwischen 1479/84 reiste er 18mal nach Freising wegen der dortigen Wölbarbeiten. Auch fern außerhalb von München muss er einen guten Ruf gehabt haben. So wurde zwischen 1479 und 1484 sein Rat zum Bau des Turmes der Kirche in Hall in Tirol herangezogen. Als Meister Jörg von Hasselbach am Montag nach St. Michelstag 1488 starb, war die Kirche – und die Türme bis zum Beginn der Spitzen – vollendet.

Werke (erwähnt laut Quellen)

Erneuerung des Kreuzgang und Chor im Kloster Ettal (1441)

Beteiligung am Bau Pfarrkirche Polling (um 1447)

Frauenkirche im Kreuzviertel, München (1468-1494)

Umbauarbeiten des Alten Rathaus in München (1470)

Kreuzkirche (Bilder links und rechts unten) im Hackenviertel, München (1478)

Vermutlich St. Wolfgang in Pipping, Obermenzing in München (1479-1480)

Mitarbeit an Kirche in Hall in Tirol (1479-1484)

 

 

 

Quellen: Hyacind Holland: Jörg von Halsbach – in Allgemeins Künstlerlexikon; Knopp, Norbert: Jörg von Halsbach – in Neue Deutsche Biographie;  Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Architekturführer München; wikipedia

 

 

 

 

Bilder: Ulrich Lohrer