Denkmalschutz für Schutzhütten

Bis 2013 war die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen die einzige denkmalgeschützte Alpenvereinshütte. Doch weil sich die Definition des Denkmalschutzes gewandelt hat und aufgrund einer Kampagne des Tiroler Landesdenkmalschutzamtes im Jahr 2009 nimmt die Anzahl nun stetig zu.

 

Das auf 3277 Meter befindliche Brandenburger Haus in den Ötztaler Alpen, ist die höchstgelegene Hütte des Deutschen Alpenvereins. Wer schon mal bei einer Skitour auf der Hütte übernachtet hat, ist überwältigt von seiner ausgesetzten Lage zwischen Gepatschgletscher und Kesselwandferner. 

Auch das Innere der in den Jahren 1905 bis 1909 durch die ehemalige Alpenvereinssektion Mark Brandenburg erbaute Hütte zeichnet eine eigene Atmosphäre aus. Sie ist eine „der wenigen unverfälscht erhaltenen Beispiele für den Typus einer im Hochgebirge errichteten Schutzhütte, die die Erschließung der Ötztaler Alpen für den Bergtourismus dokumentiert“, heißt es im Bescheid des Bundesdenkmalamtes in Wien.

Seit 2009 das Tiroler Landesdenkmalschutzamt eine Kampagne zur Rettung erhaltungswürdiger Schutzhütten gestartet hat, nimmt die Zahl der denkmalgeschützten Hütten zu. Dafür haben Walter Hauser und Michaela Frick vom Tiroler Landeskonservatorium rund 300 alpine Schutzhütten in Nord- und Osttirol auf ihre Denkmalwürdigkeit untersucht und knapp 50 Hütten ausgewählt.

 

Die ersten Hütten in den Alpen zeichnen sich durch einfachste Konstruktion und Materialien aus. Stellt auch heute noch der Bau alpiner Hütten trotz im Tal vorgefertigter Bauteile und den Einsatz von Helikopter beim Transport eine große Herausforderung an die Handwerker dar, so galt dies erst recht für die ersten Schutzhütten. Diese frühen Schutzhütten in hochalpinen Lagen waren aus Stein, einem Baumaterial, das die Natur im Umkreis reichlich zur Verfügung stellte, meist über quadratischem oder rechteckigem Grundriss errichtet, eingeschossig mit Satteldach. Im Erdgeschoß waren Küche und Stube sowie Pritschenlager, im ausgebauten Unterdach weitere Schlaflager. Sie waren möglichst lawinensicher an den Hang gebaut.

Doch warum sind diese einfachen Hüttenbauten heute für den Denkmalschutz interessant? „Der Grund ist darin zu suchen, dass sich im Laufe der Zeit der Denkmalbegriff sowohl hinsichtlich seiner Definition als auch seiner praktischen Ausübung stets gewandelt hat“, erläutert Michaela Frick.  „Galt im vorigen Jahrhundert das Hauptinteresse der Denkmalpfleger nahezu ausschließlich den großen Bauwerken der Kunstgeschichte, so wird heute der Denkmalbegriff wesentlich umfassender und vielschichtiger ausgelegt und bezieht sich auch auf die wirtschafts-, sozial- und technikgeschichtlich und aktuell auch alpingeschichtliche bedeutenden Objekte.“

Ein Beispiel für die Einfachheit der ersten Schutzhütten ist die seit Kurzem ebenfalls denkmalgeschützte Alte Prager Hütte südöstlich des Großvenedigers (Bild oben links). Sie wurde 1872 auf Initiative von Johann Stüdl, einem Gründungsmitglied des Deutschen Alpenvereins und maßgeblich an der Erschließung der Glockner- und Venedigergruppe in den Ostalpen beteiligt,  von der Sektion Prag erbaut. Entsprechend Stüdls Musterplan ist es eine einfache Hütte mit Raum zum Essen und Schlafen.

Andere, eher traditionelle Kriterien für den Denkmalschutz wurden noch bei der Berliner Hütte angesetzt. Die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen wurde 1997 die erste denkmalgeschützte Alpenvereinshütte. Die 1879 von der Sektion Berlin des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins als einfache Unterkunft errichtete Schutzhütte wurde ab 1891 zu einem Gebäudekomplex mit Kegelbahn, Postamt, drei Speiseräumen und elektronischer Beleuchtung aus einem eigenen Wasserkraftwerk erweitert.

Quellen: Michaela Frick: Denkmalschutz auf Schutzhütten; Stephanie Geiger: Denkmalschutz in den Bergen – Schätze im Hochgebirge, FAZ vom 11.12.2014

Bilder: Brandenburger Hütte – Deutscher Alpenverein, historisches Foto; Alte Prager Hütte (2489 m) gegen Schlatenkees, Hoher Zaun (3467 m) und Schwarze Wand (3511 m), Venedigergruppe, Osttirol – Hejkal on 04/07/2005; Berliner Hütte - Krischan 74; Berliner Hütte (Panoramfoto) im Hintergrund Hornkees (li) und Waxeggkees (re)  - Karsten Dörre; 1897 eingeweihter Speisesaal mit Wandvertäfelung _ Tigerente;