Delugan Meissl Associated Architects: Dynamische Architektur

Sie selbst bezeichnen ihre Form der Architektur als „dynamisch“. Die expressiven Baukörper des Büros erinnern an eine Synthese aus Zaha Hadid, Coop Himmelb(l)au und UN Studio. Oder auch mit den fliegenden Bauten und fliehenden Räume an Raumschiffe in Science-Fiction-Filmen.

 

1993 gründeten Elke Delugan-Meissl (*1959) und Roman Delugan (*1963) gemeinsam ein Architekturbüro in Wien. Daraus entstand 2004 das international bekannte Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects (DMAA). Partner des Büros sind neben den Gründern die langjährigen Mitarbeiter Dietmar Feistel (*1966) und Martin Josst (*1973) und Christopher Schweiger (*1971).

Die Anfänge des Unternehmens liegen im Sozialen Wohnungsbau: 1998 wurde der nach ihren Plänen auf Stützen schwebenden „Balken“ fertig gestellt. Zwei Jahre später entstand der Mischek Tower. Beides sind zwei große Wohnbauten in Wien. Obwohl die Gebäude in der Gestaltung und Erscheinung ungewöhnlich sind, sorgte erst der Bau ihres eigenen Wohnhauses „Ray 1“ im Jahr 2003 für internationales Aufsehen.

2004 konnten sie daher auf der 1. Architekturbiennale Chinas das Apartment “Deep Surface“ in der Phoenix City von Peking errichten. Spätestens mit dem Porsche Museum in Stuttgart 2008 gelten die Kreativen von Delugan-Meissel als in der internationalen Architekturszene als etabliert. Es folgten der Bau des Filmmuseums Amsterdam, der Wettbewerbssieg für das „Darat King Abdullah II“ Kulturzentrum und Opernhaus in Amman, Jordanien (2008), sowie mit der Einladung zum Wettbewerb für das Victoria & Albert Museum in Dundee, Schottland.

Die Architekten von Delugan-Meissl selbst bezeichnen ihre Form der Architektur als „dynamisch“. Die expressiven Baukörper des Büros erinnern an die Gebäude von Zaha Hadid, Coop Himmelb(l)au und UN Studio.

Hochhaus Mischek

Das Wohngebäude in der Wiener Donaucity ist das höchste Wohnhaus Österreichs. Mit diesem ersten Bauwerk wurde das Büro zwar in Wien bekannt, doch konnte seine Vorstellungen nicht gegenüber den Vorgaben der Investoren in der Realität umsetzen. Im Innern des Hochhauses wurde außer der ungewohnt großen Raumhöhe von 2,70 Metern ab der zehnten Etage und dem repräsentativen Eingangsbereich des Hauses nichts von den Architekten umgesetzt. Doch auch rein äußerlich ist das Mischek eindrucksvoll. Kurz zuvor hatten Delugan-Meissl  mit dem Wohnhaus Balken etwas mehr von ihren Vorstellungen realisieren können. Die Raumaufteilung der geförderten Wohnungen mit vom Boden lösende Baukörper und das grafische Behandeln der Fassaden mittels aufgedruckten Mustern bestimmten diese Arbeit von Delugan Meissl.

 

Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen

Delugan Meissl Associated Architects konnten sich 2004 im Wettbewerb für das neue Museum des Edelautoherstellers am Hauptsitz in Stuttgart-Zuffenhausen

 gegen 170 Konkurrenten durchsetzen. Im Oktober 2005 begann der Bau des Museums. Die Baukosten für das neue Museum haben sich bis zur offiziellen Eröffnung im Januar 2009 auf zirka 100 Millionen Euro verdoppelt. Das Bauwerk mit 21.000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche steht in leichter Hanglage. Es besteht aus einem sogenannten Basement, das bis zu vier Etagen umfasst, davon zwei Untergeschosse. Das Basement wurde in Betonstahl als Wanne auf 115 Bohrpfählen gegründet. Oberhalb vom Basement sind nur noch drei Kerngruppen, bestehend aus einem vertikalen Schacht mit den Aufzugsanlagen und zwei Kernen mit Stützen in Y-Form, vorhanden. Auf den drei Kernen ist das Ausstellungsgebäude, der sogenannte Flieger, mit 35.000 Tonnen Gewicht in maximal 16 Meter Höhe als Brückenbau gelagert.

Der Sockelbau, der als Tiefgarage genutzt wird, weist zwei Untergeschosse auf. Darauf folgen stufenartig das Erdgeschoss und ein Obergeschoss. Im Erdgeschoss befindet sich hinter einer Glasfront der Eingang mit einem schmalen Foyer mit Kassentresen, Café und Museumsshop angeordnet sind. Außerdem ist dort die durch eine Glaswand abgetrennte Museumswerkstatt sowie das Firmenarchiv zu finden.

Oberhalb des Sockelbau liegt der sogenannte Flieger mit dem Ausstellungsbereich. Der polygonal geformte Überbau wird nur durch drei Kerngruppen getragen, wodurch er schwebend wirkt. Die Verbindung mit dem Foyer erfolgt unter anderem über eine lange Rolltreppe. Der Überbau beinhaltet die stützenfreie, weiß gestaltete und weitgehend fensterfreie Ausstellungshalle. In dieser sind 80 Fahrzeuge ausgestellt, die unter anderem durch eine spiralförmige Rampe an der Außenwand entlang erschlossen sind. Nur ein Fensterband ist im Ausstellungsbereich über den Produkten, die Porsche für andere Firmen entwickelt hat, vorhanden. Ein Restaurant befindet sich im Überbau hinter der großen Glasfassade mit der Blickrichtung zum Werk, im dritten Obergeschoss ist ein Konferenzbereich mit Zugang zu einer großen Dachterrasse eingerichtet.

 

EYE. Film Instituut Nederland

Als Sieger aus dem ausgeschriebenen internationalen Gestaltungswettbewerb ging 2005 das Wiener Architekturbüro mit ihrem Entwurf hervor. Nach dem Umzug trägt das Museum den Namen EYE. Film Instituut Nederland (siehe Aufmacher bild oben).

Am 5. April 2012 wurde das Amsterdamer Filmmuseum auf das Overhoeks genannte, ehemals dem niederländischen Ölkonzerns Shell gehörende Gelände am Nordufer eröffnet.

„An aerodynamic structure that would stand out anywhere, the motion-picture museum is a particular sensation in this city of stolid brick buildings.“ Architectural Digest.

Laut Delugan-Meissl-Partner Dietmar Feistel ist das Ziel des Designs nicht eine spezielle Form sondern eher das Gefühl zwischen der realen Welt und der Welt des Kinos eingefangen zu werden.

 

 

Stadtteilzentrum Neuperlach

 

Am Hanns-Seidel-Platz im Münchner Stadtteil Neuperlach entsteht ein belebtes und urbanes Stadtteilzentrum mit einem kulturellen Bürgerzentrum, Sozialbürgerhaus und Wohnungen. Für dieses Projekt haben das Kommunalreferat und die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag gemeinsam einen Realisierungswettbewerb ausgelobt, an dem sich elf Planungsteams aus ganz Europa beteiligten. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Jocher entschied sich im Dezember 2013 für den Entwurf des Architekturbüros Delugan Meissl Associated Architects (ZT) mit Helmut Wimmer und Partner, Wien sowie EGKK Landschaftsarchitektur, ebenfalls aus Wien.

"Der Entwurf wagt es, ein neues Zeichen für die Mitte von Neuperlach zu setzen. Ein skulptural geformter Baukörper bietet eine unverwechselbare Architektur an, die einen Akzent für den Hanns-Seidel-Platz bringt. 

Der trapezförmige Turm erhebt sich über einen dynamisch ausgeformten Sockel und nimmt über die zweigeschossige Auskragung am Eingang und das Flugdach im siebten Geschoss die baulichen Bezüge zum Pep und zur Wohnbebauung auf. Auch im Norden wird ein attraktiver Platzraum gebildet, durch das Flugdach ergibt sich eine attraktive Eingangssituation hin zum Platz von der aus das Festspielhaus und die öffentlichen Nutzungen gut erschlossen sind. 
" (Preisgericht)

Werke (Auswahl)

1998: Wohnanlage Grundäcker Oberlaa, Wien, Österreich

1998: Wohngebäude Beam, Wien, Österreich

1998: Wohnanlage Paltramplatz, Wien, Österreich

2000: Mischek Tower, Wien, Österreich

2000: Haus J, Absam, Österreich

2001: Stadthaus Wimbergergasse, Wien, Österreich

2002: Innendesign Headqurter Novartis, Wien, Österreich

2002: Innendesign Haus Rayi, Wien, Österreich

2004: City Loft, Wien, Österreich

2004: Innendesign Apartment Oberlech, Österreich

2005: Hochhaus Highrise Wienerberg, Wien, Österreich

2005: Haus RT, Wien, Österreich

2006: Wohnhaus Steigenteschgasse, Wien, Österreich

2008: Porsche Museum, Stuttgart

2009: FH Campus, Wien, Österreich

2009: Brauerei Liesing, Wien, Österreich

2009: Wohngebäude Simpley, Wien, Österreich

2011: Innendesign Showroom Hyundai, Seoul, Südkorea

2011: Wohnhaus Alpenstraße, Salzburg, Österreich

2012: Fim Institut Niederlande, Amsterdam, Niederlande

2012: Halle der Riroler Festspiele, Erl, Österreich

2013: Krankenhausturm Rudolfstiftung Südzubau, Wien, Österreich

2013: Wohnanlage Sonnenwendviertel, Wien, Österreich

2014: Bürokomplex an der Weserkaje, Bremen

2014: Geriatrisches Zentrum, Wien, Österreich

2016: Shoppingcenter ELI, Liezen, Österreich

im Bau: Spiegel Anwesen, Hamburg

im Bau: Einfamilienhaus, Falkenried

im Bau: Quartier M, Düsseldorf

im Bau: Stadtteilzentrum Neuperlach, Hans-Seidl-Platz, Neuperlach, München

im Bau: Kulturplaza, Chanchun, China

im Bau: Wohnanlage Baumkirchen Mitte, Laim, München

im Bau: Taiyuan Zoo, Taiyuan, China

im Bau: Walkerhill Spa & Wellness, Seoul, Südkorea

2017: 1. Preis Boardinghouse Studiomuc, Neuperlach, München

Bilder: Oben: EYE. Film Instituut Nederland: Jvhertum;   Mischek-Hochhaus: Rftbir; Porsche Museum: Rudolf Simon, 8mobili; Delugan-Meissl-Tower: Contributor; Delugan Meissl Associated Architects/GEWOFAG/Landeshauptstadt München