Graf Rumford: Erfinder, Sozialreformer und Stadtplaner

Vor über 200 Jahren – am 21. August 1814 – starb der Amerikaner Benjamin Thompson in Auteuil bei Paris. Unter dem Namen Reichsgraf von Rumford reformierte der Aufklärer die bayerische Armee, erfand Suppenküchen für arme Münchner, ließ Stadtmauern abreißen und den Englischen Garten errichten.

 

Benjamin Thompson wurde am 26. März 1753 als Sohn eines kleinen Farmers in dem Nest North Woburn im heutigen US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Er besuchte die Dorfschule und ging mit 13 Jahren bei einem Kaufmann in die Lehre. Schon mit 16 Jahren führte er erste Experimente zur Erforschung der Wärme durch. Er versuchte sich als Arzt ausbilden zu lassen, arbeitete aber dann bei einem Kaufmann und hörte Vorlesungen über Mathematik und Naturphilosophie bei einem Harvard-Professor.

Im Dienste Ihrer britischen Majestät

Durch die Heirat mit einer dreizehn Jahre älteren Witwe stieg er in die Oberschicht auf und pflegte er Beziehungen zu dem englischen Gouverneur der Kolonie – bis ihn seine Loyalität zum englischen Königshaus und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg in Schwierigkeiten brachte. Nachdem eine Volksmenge versucht hatte, sein Haus zu stürmen, verließ er im November 1774 seine Frau und die knapp zwei Monate alte Tochter und floh zu den britischen Truppen nach Boston, war dort für den britischen Oberkommandierenden tätig. 1776 reiste er an Bord eines britischen Kriegsschiffs von Boston nach England und zum britischen Kolonialminister Lord George Germain und bekam eine Anstellung im Kolonialministerium. Er führte dort militärische Erfindungen durch, nahm auf der Seite Englands am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil.

Ein Amerikaner in München

Weil sich mit dem Kriegsende die Karrierechancen verschlechterten, tr trat Thompson 1784 kurz vor Friedensschluss in die Dienste des römisch-deutschen Kaisers Joseph II in Wien. Unterwegs zum kaiserlichen Hof in Wien, zog er in Straßburg jedoch die Aufmerksamkeit Maximilians, eines Neffen des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor, auf sich und kam auf diese Weise nach München. Dort bot ihm der Kurfürst an, in seine Dienste zu treten. In München reformierte er als Adjutant und Kammerherr ab 1788 die bayerische Armee. Thompson ließ in den Garnisonen von den Soldaten Gärten anlegen, um ihre Lebensmittelversorgung zu verbessern. Er sorgte für wärmespeichernde Unterwäsche und Uniformen der Soldaten, wozu er eigene Untersuchungen durchführte.

Zur Bekämpfung des Bettlerunwesens ließ er Armenhäuser, Schulen für Soldatenkinder, Arbeitshäuser und Manufakturen errichten. Er erfand einen energiesparenden Küchenherd (Rumford-Herd) und sorgte mit der Rumfordsuppe – einem Eintopfgericht mit damals noch kaum verbreiteten Kartoffeln – für die Speisung der Armen.

1789 begannen die Arbeiten zur Anlage des Englischen Gartens. Auf Initiative von Thompson wurde dieser im Mai 1792 der Öffentlichkeit übergeben. „Nachdem seine churfürstliche Durchlaucht gnädigst gesonnen ist diese schönste Anlage der Natur dem Publikum in seinen Erholungs-Stunden nicht länger vorzuenthalten, so haben Höchstderselbe dem General Major von Thompson die Herstellung der öffentlichen Spaziergänge und Anlegung eines allgemeinen Englischen Gartens gnädigst übertragen.“ Thompson, gilt als der eigentliche "Vater" des Englischen Gartens. Seine Idee, war es, vor den Toren Münchens einen Volksgarten zu erschaffen, in dem alle Stände die Möglichkeiten hatten sich zu treffen. Die von Thompson begonnene Planung des Parks übernahm schon bald Friedrich Ludwig von Sckell, der im Auftrag des Kurfürsten nach England gereist war und dort die neue Art der Landschafts- und Gartengestaltung studiert hatte (siehe Bild links, von links nach rechts: Sckell, Karl Theodor, Thompson). War bisher die "französische" Gartenarchitektur mit ihren geometrischen Linien und Formen prägend gewesen, trat nun in ganz Europa der "englische Garten" den Siegeszug an.

Thompson selbst stieg aber rasch auf: er wurde Generalmajor, Generalleutnant, Oberkommandierender der Armee, 1788 Kriegsminister und Polizeichef. 1785 war er zum Ehrenmitglied der Kurbayerischen Akademie der ernannt worden, 1790 wurde er zum Graf von Rumford ernannt. 1798 gelang es Rumford nach der Flucht des Kurfürsten, als Vorsitzender des Staatsrats durch sein diplomatisches Geschick in Verhandlungen mit den Österreichern und den Franzosen, die Stadt München vor Kriegszerstörung zu bewahren.

 

In London für Bayern

1799 wurde Rumford privater Agent der bayerischen Regierung in London. Aufgrund seiner Initiative wurde Anfang März 1799 die Royal Institution of Grat Britain als Forschungs- und Ausbildungseinrichtung für angewandte Naturwissenschaften gegründet und Rumford wurde der Sekretär der Institution. Auch mit der neuen Regierung seiner alten Heimat versöhnt sich der gebürtige Amerikaner: Das Angebot des US-Präsidenten John in den USA eine Militärakademie aufzubauen und zu leiten, verbunden mit der Ernennung zum Generalinspekteur der Artillerie, lehnte Rumford jedoch ab.

Letzte Jahre in Paris

1802 ging Rumford nach Paris, wo er sich 1804 endgültig niederließ.  Er wurde Mitglied des Institut de France und heiratete 1805 die Witwe des 1794 guillotinierten Chemikers Lavoisier – eine Ehe, die allerdings bereits 1807 wieder auseinanderging. Rumford ließ sich in dem Pariser Vorort Auteuil nieder und widmete sich dort seinen Forschungen und Erfindungen.  Am 21. August 1814 verstarb er dort unerwartet nach einem plötzlichen Fieberanfall starb.

Weitere Informationen:

Ausstellung im Münchner Stadtmuseum: Rumford - Rezepte für ein besseres Bayern

Bilder: Thomas Gainsborough – Benjamin Thompson; Friedrich Ludwig Sckell, Kurfürst Karl Theodor und Rumford im Englischen Garten München;