Zwischen Pinakothek und Akademie

Im Universitätsviertel drängen sich infolge der doppelten Abiturjahrgänge die Studenten.  In der Gegend zwischen Ludwigsstraße und Barer Straße ist auch das Wohnen begehrt. Doch für das Budget vieler Studenten mittlerweile unerschwinglich.

 

 

In Deutschlands Hochschulen wird es eng: Allein in Bayern stieg die Anzahl der Studienanfänger im Wintersemester 2011/2012 gegenüber dem vorausgegangenen Studienjahr um 32,7 Prozent. Doppelte Abiturjahrgänge und die geringere Aufnahme in die Bundeswehr zählen zu den wichtigsten Gründen.

München ist als größter Hochschulstandort Bayerns besonders betroffen, auch wenn sich die Studierenden wegen der Größe der Stadt eher verteilen wie in den kleineren Universitätsstädten Regensburg oder Passau. Allerdings weist München mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM) gleich zwei führende Hochschulen Deutschlands auf. Beide Universitäten befinden sich in der Maxvorstadt zwischen Altstadt und Schwabing, aber nur das Gebiet um die LMU wird als Bezirksteil offiziell als Universitätsviertel bezeichnet. 

Tatsächlich prägen die Bauten der 1826 von König Ludwig I. von Ingolstadt nach München verlagerten – erst später als Ludwig-Maximilians-Universität bezeichneten – Hochschule auch architektonisch die Maxvorstadt. Vor allem das von Friedrich von Gärtner entworfene Hauptgebäude um den Geschwister-Scholl-Platz, aber auch der von German Bestelmeyer entworfene Eingangstrakt in der Amalienstraße und Gottfried von Neureuthers Renaissancebau für die Akademie der Künste verleihen dem Viertel ein weltstädtisches Erscheinungsbild. 

 

Studentenviertel für Reiche

Trotzdem ist mit Kneipen wie das Atzinger und dem Schelling-Salon, aber auch mit Kopier-Shops und Fachbuchläden das Studentenflair unübersehbar. 

Rund um die Universität ist der begehrte Wohnraum aber für zahlungsschwache Mieter oder Käufer unerschwinglich. Aufgrund der dichten Bebauung können kaum neue Wohnungen erstellt werden. Nur ab und zu werden Bestandsgebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Die Neubauwohnungen werden für 8000 Euro pro Quadratmeter und mehr angeboten.

Zur Zielgruppe der Käufer gehören dann eher reiche Studenteneltern,  Doppelverdiener-Paare oder die vermögende Erbengeneration. In der Schellingstraße 24 etwa realisiert die REDAG - Real Estate Development AG – unter Leitung ihres Vorstands Bert Hippmann ein Wohnprojekt für 15 Millionen Euro. Der Neubau in der Nähe der Ludwigskirche wird insgesamt 21 Wohnungen auf 2280 Quadratmetern aufweisen und zudem über eine Tiefgaragenanlage sowie einer Gewerbeeinheit mit circa 150 Quadratmetern im Ladengeschoss verfügen. Das Architekturbüro WEP - Effinger Partner – hat die Fassade des Vorderhauses  geradlinig und puristisch gestaltet. Es steht damit im Kontrast zu der dekorativ-verspielten Fassade des daneben befindlichen Jugendstilhauses.

Das Gebäude, deren Fassade in der Schellingstraße nicht die tatsächliche Größe vermuten lässt, umgrenzt einen Innenhof mit Garten. Alle Balkone und Terrassen haben Ostausrichtung, einige Süd/Ostausrichtung.

Der Rohbau ist bereits fertig, die Vermarktung der Wohnungen hat die Inventio Projektpartner GmbH übernommen. Auf deren Website werden allerdings nur noch zwei Wohneinheiten – ein Atelierhaus mit knapp 90 Quadratmeter und ein Gartenhaus mit 86 Quadratmetern  für etwa 840.000 Euro angeboten.

 

 

 

Etwas weiter südlich, in der Amalienstraße 12, wächst in einer Baulücke ein weiterer Neubau in die Höhe. "MAX 12 ist der Ruhepol inmitten der Stadt und überzeugt mit inspirierenden Ideen sowie feiner Ausstattung“, verspricht die Altraeus Wohnungsbau, die die Wohnungen erbaut. Das Unternehmen  hat sich auf die Vermarktung von Bestands-immobilien, hochwertigen Denkmalschutz und Neubau in ausgesuchten Lagen der Landeshauptstadt spezialisiert. Auf Preisangaben wurde im Internetauftritt verzichtet. Doch die Masse der Studenten kann beruhigt sein: Das Angebot richtet sich ohnehin nicht an sie.

 

 

 

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Das Universitätsviertel ist ein schmaler, zum Stadtbezirk Maxvorstadt gehörender Verwaltungsbereich. Er wird im Osten durch die Ludwigsstraße, im Westen durch die Barer Straße, im Norden durch die Georgenstraße und im Süden durch die Brienner Straße begrenzt. Die angrenzenden Bezirke beziehungsweise Bezirksteile ist der Bezirk Altstadt-Lehel (Süden), die ebenfalls zur Maxvorstadt gehörende Stadtviertel Königsplatz und St Joseph (Westen), der Bezirk Schwabing-West (Norden) und die Schönfeldvorstadt.

Einwohner: Ein sehr hoher Anteil an Single-Haushalten und ein geringer Altersdurchschnitt der Einwohner spiegeln die typische Zusammensetzung des Studentenviertels wider.

Infrastruktur:  Die LMU ist Deutschlands zweitgrößte Universität und verfügt über entsprechende Infrastruktur. ÖPNV über  U-Bahn-Haltestelle Universität. Der Englische Garten und das Museumsviertel kann zu Fuß in wenigen Minuten erreicht werden. Einige Museumsbauten, wie das Brandhorst-Museum, befinden sich im Viertel, das Museumsviertel (Königsplatzviertel) liegt gleich westlich daneben. Die meisten Einrichtungen der Technischen Universität befinden sich allerdings ebenfalls im Königsplatzviertel.

Immobilien: Der Durchschnittswohnungspreis liegt laut immobilienscout24 bei 6100 Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnittspreis ist aufgrund der meist sehr kleinen Wohnungen oder aufgrund einiger sehr teurer Neubauten sehr hoch, sonst wechselt im Viertel relativ wenig an Bestandswohnungen den Besitzer.

Zum Mieten werden – typisch für die Zielgruppe der Studenten –  oft sehr kleine Apartments angeboten. Die absoluten Mieten liegen dann oft unter 500 Euro, doch aufgrund der kleinen Räume ergibt sich ein sehr hoher Mietpreis pro Quadratmeter. Nach dem Mietspiegel für München 2011 wird das Viertel durchgängig als Gegend mit /guter Wohnqualität" eingestuft.

Aufgrund der hohen Preise bringen die hohen Mieten aber nicht eine deutlich überdurchschnittliche Mietrendite. Zudem sollten Anleger von Studentenwohnungen berücksichtigen, dass der Verschleiß und die Verwaltungskosten von Studentenapartments überdurchschnittlich hoch sind.

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