Starnberg: Der See, die Reichen und der Verkehr

Viele der Spitzenverdiener arbeiten in München und wohnen in Starnberg. Das Wohnangebot ist knapp und teuer. Doch auch die Vermögenden haben ihre Probleme: Sie streiten um städtebauliche Weichenstellungen wie die Gleisverlegung am Ufer oder um Abhilfen vor den Belastungen des Autoverkehrs.

 

Ihren Namen verdankt die Stadt dem Ritter Wernher Miles de Starnberk, dessen Familienmitglieder als Vertreter der Andechser Grafen auf der örtlichen Burg residierten. Nun wird die Starnberger Burg von einer Frau geleitet: Daniela Ötvös, die Behördenleiterin des Finanzamtes Starnberg.

Frau Ötvös steht immerhin 160 Mitarbeitern vor, die jährlich ein Steueraufkommen von rund 760 Millionen Euro des Landkreises bearbeiten. Die Stadt Starnberg hat zwar nur 23.543 Einwohner, bildet aber zusammen mit dem Umland seit Jahren eines der Landkreise mit der höchsten Kaufkraft pro Kopf in Deutschland. Das ehemalige Fischerdorf weist etliche Unternehmen auf, darunter allein 40 Betriebe im Bauhauptgewerbe und die Wurstfabrik Houdek. Den Wohlstand hat Starnberg aber auch der guten Verkehrsanbindung nach München verdanken. Die 1854 eröffnete Bahnstrecke verband die Ausflügler aus München mit den Dampfschiffen, verkürzte aber auch die Anreise der Münchner Reichen zu ihren Villen am See. Heute verbindet die S-Bahn-Linie 6 die Hauptbahnhöfe Starnberg und München in einer halben Stunde.

Starnberg ist mit 14 Millionäre pro 10.000 Einwohner der Landkreis mit der höchsten Millionärsdichte. Doch nun sind es ausgerechnet zwei verkehrspolitische Projekte, die für Streit unter den Einwohnern sorgen: Die Neugestaltung der Uferpromenade durch die Veränderung der Gleisanlagen der Bahn, sowie ein Tunnelbau zur Entschärfung der Belastung des Autoverkehrs in der Stadt.

Künftig sollen nach dem Willen der Deutschen Bahn Regionalzüge am Bahnhof Nord halten, die Gleise am Bahnhof See geändert und abgesenkt werden, wodurch sich nach den Befürwortern der "Starnberg-Seeanbindung" (Bild links) wie Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger der Blick zum See frei würde. Der Verein "Schöner zum See“ und die Parteien WPS/FDP bezweifeln dies. Eine Gleisverlegung koste die Gemeinde bis 100 Millionen Euro, würde aber den Gleisabstand zur Wohnbebauung sowie zum denkmalgeschützten Bahnhof (Bild rechts) halbieren.

Gestritten wird auch seit Jahren, wie die Verkehrsbelastung durch die Autos der Bundesstraße B2 begrenzt werden kann. Anhänger eines Tunnels durch die Stadt und Vertreter einer Umgehungsstraße stehen sich gegenüber. Zum Teil lassen sich die Anhänger der jeweiligen Lager auch an  ihrem Wohnstandort erkennen. Der nun veröffentlichte Bundesverkehrswegeplan sieht die Errichtung  des 1,8 Kilometer langen Tunnels mit geschätzter vierjähriger Bauzeit vor.

 

 

 

Darüber hinaus soll Starnberg, das vergangenes Jahr seinen hunderten Stadt-Geburtstag gefeiert hat, nach den Willen der Stadtplaner verschönert werden. Mit dem Projekt "Sanierung Innenstadt“ soll das zerklüftete Stadtbild in den kommenden fünf bis zehn Jahren durch einzelne Maßnahmen aufgehübscht werden. Einiges wurde bereits getan – so wurde die Flaniermeile Maximilianstraße begrünt und der Kirchplatz – wie einige meinten zu teuer – neu gestaltet. Die Maximilianstraße wird beherrscht von Altbauten im Gründerzeitstil, Neoklassizismus oder des Heimatstils. Zu den wenigen Neubauten der vergangenen Jahren gehört das schillernde Stadthaus Maxquartet, dass 2009 nach den Plänen der Starnberger raumstation Architekten von Frei & Essler Baumanagement errichtet wurde. "Die Büromieten liegen hier zwischen 18 und 20 Euro, die Eigentumswohnungen waren aber schon vor Fertigstellung verkauft“, sagt Michael Selinger, Büroleiter von RE/MAX am Starnberger See. Die Preise für neue Eigentumswohnungen in dieser Lage würden, zwischen 6000 bis 8000 Euro pro Quadratmeter liegen.

Geplant ist nun auch eine Aufwertung des Georgenbachweges und der Wittelsbacherstraße. Hier errichtet der Projektentwickler ehret + klein bis Ende des Jahres einen gemischt genutzten Gebäudekomplex für eine Starnberger Vermögensverwaltung, der zur Zeit einzige größere Neubau im Stadtzentrums. Aus einem im Jahr 2010 abgeschlossenen, eingeladenen Architekturwettbewerb ist als Sieger der Entwurf der Münchner Architekten Goetz Hootz Castorph hervorgegangen, die einen viergeschossigen Kopfbau mit Handelsnutzung im Erdgeschoss, Büronutzung im ersten Obergeschoss und Wohnungen im zweiten und dritten Obergeschoss vorsieht.
Ein zweigeschossiger gemischt genutzter Verbindungsbau schließt im rückwärtigen Bereich an einen dreigeschossigen Bau zur Wohnnutzung an. "Die vier Wohneinheiten weisen Wohnflächen zwischen 83 und 136 Quadratmeter auf und werden zu 13,50 Euro pro Quadratmeter vermietet“, so Stefan Klein, geschäftsführender Gesellschafter von ehret + klein.

 

Zu den begehrtesten und teuersten Wohnlagen Starnbergs gehören die weiter südlich am See gelegenen Grundstücke und die Villengegenden der Wilhelmshöhenstraße oder oberhalb der Mathildenstraße. In der Höhenlage gebaut wird aktuell gleich an mehreren Stellen der Mühlbergstraße. So entstehen an der Ecke zur Josef-Fischhaber-Straße gleich zwei Häuser. "Eines soll von meiner Familie bewohnt werden, das andere, mit 220 Quadratmeter reiner Wohnfläche und 80 Quadratmeter Keller werde ich eventuell verkaufen“, sagt Bauherr Claus Rupprechter, der sich als Projektentwickler auf die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert hat. Etwas weiter unterhalb entstehen zwei weitere Häuser im modernen minimalistischen Baustil.

Auch am Stadtrand im Nordwesten wird gebaut. Auf dem ehemaligen SpVgg-Gelände an der Egerer Straße errichtet auf 3800 Quadratmeter Grund die Baugenossenschaft Starnberg rund 35 neue Wohnungen. Weniger zentral, aber aufgrund der erschwinglicheren Preise nicht weniger begehrt.

Die teuersten Wohnlagen befinden sich jedoch außerhalb der Stadt. "Besonders begehrt ist unter den Vermögenden wegen der Sonnenlage die Ostseite des Starnberger Sees“, erläutert Makler Selinger. In der Seeuferstraße bei Ambach werden laut dem Europa-Ranking der Top-Wohnstraßen von Engel & Völkers Spitzenpreise bis zu 25.000 Euro pro Quadratmeter bezahlt, in der Südlichen Seestraße zwischen Ammerland und Seeheim sind es bis zu 22.900 Euro. Entsprechend nobel fallen die Anwesen aus. Die Behausung von Ritter Starnberk war dagegen geradezu spartanisch.                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Stadt in Zahlen

 

Die Kreisstadt Starnberg grenzt im Norden an die Gemeinden Seefeld und Gauting, im Osten an Schäftlarn und im Süden an die Gemeinde Berg, den Starnberger See und die Gemeinde Pöcking sowie im Westen an die Gemeinden Andechs und Seefeld. 

Einwohner:  Sie verfügen über eine hohe Kaufkraft und sind im Durchschnitt älter als die Münchner.

 

Infrastruktur: S-Bahn-Anschluss an Linie S 6 München - Tutzing mit Haltestellen Starnberg Bahnhof und Starnberg Nord. Autobahnanbindung München-Starnberg. Seeverkehr: Anlegestelle der Bayerischen Seenschifffahrt Starnberger See. Sehenswert ist der Schlossgarten mit Blick auf die Stadt und Seepromenade.

 

Immobilien: In Starnberg gibt es 4898 Wohngebäude, davon 61 Prozent Einfamilienhäuser. Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt 93,6  Quadratmeter. 2011 wurden 22 Wohngebäude errichtet.