In Laim gut vernetzt bleiben

Das kleine Dorf um das Kirchlein St Ulrich entwickelte sich zu einem der größten Münchner Stadtbezirke. Entscheidend für den rasanten Aufstieg war die günstige Verkehrslage. Nun entscheidet die Vernetzung wieder über die Zukunft des noch günstigen Münchner Wohnbezirk.

 

Laim ist global vernetzt“, so der ehemalige Stadtrat Wolfgang Czisch. Jeder fünfte Laimer stammt aus dem Ausland, hier lag der einstmals größte Rangierbahnhof Europas und die Siedlungen der Eisenbahner haben das ehemalige Dorf in einen der einwohnstärksten Bezirke Münchens verwandelt.

Trotz seiner Nähe zur Innenstadt und zu den gehobenen Wohnviertel Nymphenburg ist Laim jedoch relativ günstig zu wohnen. In der Kaufpreiskarte des Immobilienportals immowelt.de sticht der Bezirk als dunkelgrüner Fleck hervor. Mit dunkelgrün werden von immonet Kaufpreise von Eigentumswohnungen unter 3500 Euro klassifiziert. Diese Farbe haben sonst nur noch die Münchner Randgebiete wie der westlichste Bezirk Aubing-Lochhausen-Langwied und im Norden Feldmoching-Hasenbergl.

Dennoch kommen die relativ niedrigen Immobilienpreise und Mieten nicht von ungefähr. Die „gute Vernetzung“ an die Verkehrsstränge hat schließlich auch Auswirkung auf die Lebensqualität. Im Norden durchziehen mit den Gleisanlagen für Züge und S-Bahnen sowie die parallel dazu verlaufende Landsberger Straße eine der verkehrsträchtigsten und lautesten Achsen den Bezirk. In Richtung Nord-Süd wird Laim von der Fürstenrieder Straße durchschnitten, die von der Lärm- und Abgasbelastung Spitzenwerte aufweist. Und im Süden grenzt Laim an die Lindauer Autobahn A96.

Doch viele Wohnungen befinden sich relativ lärmgeschützt hinter Bürobauten, Läden und anderen Wohnanlagen, die als Riegel die dahinter liegenden Wohngebäude abschirmen.

Laim zeichnet aber auch die lauschigen Plätze und viel Grün aus. Ausgangspunkt des Dorfes Laim ist die Kirche St. Ulrich, die 1315 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Gegend um die Kirche wirkt auch heute noch mit dem gegenüberliegenden Anger, den mit Bäumen umgebenden Villen und dem Laimer Schlösschen und dem Bürgertreff „Interim“ – ehemals als Scheune und später evangelische Kirche genutzt – noch sehr dörflich. Die Agnes Bernauer, der bürgerlichen Gebiebten des bayerischen Herzogs Albrecht III., die der angrenzenden Straße ihren Namen verdankt, wohnte entgegen der verbreiteten Meinung allerdings nie in dem eher unscheinbaren Schlössl.

Ende des 19. Jahrhunderts wählte ein junger Architekt das etwas heruntergekommene Schlössl als sein Domizil. Theodor Fischer, auch als „Zeus von Laim“ bezeichnet, war es auch, der als Münchner Städteplaner Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidend das Bild von Laim prägte.

Mit der Bauhandwerkersiedlung um die Gunzenlehstraße und der weiter nördlich gelegenen Bebauung an der Stadtlohner Straße verwirklichte Fischer seine Vorstellung von malerischen Häuserzeilen mit dörflichem Charakter. Gemäß des von ihm entwickelten Staffelbauplan achtete er dabei auf eine aufgelockerte Bauweise in Gestaltung und Geschosshöhe.

Fischers Pläne wurden aber durch die wirtschaftliche Krise Anfang des 20. Jahrhunderts durchkreuzt. Die damaligen Projektentwickler, die so genannten Terraingesellschaften gingen Pleite. Statt zusammen hängende Siedlungen wurden in Laim zunächst nur vereinzelt geschlossene Wohnbebauung realisiert. Dazwischen lagen oft noch größere, landwirtschaftlich genutzte Flächen. 

 

Zu den größeren Plätzen des heutigen Viertel St. Ulrich im Stadtbezirk Laim gehört der Agricolaplatz. Er wird umschlossen von Geschosswohnungsbauten von Baugenossenschaften und Reihenhäusern. Mittelpunkt bildet das Laimer´s, ein Wirtshaus. Das Gebäude wurde 1899 als schlossartiges Anwesen mit Erkern und Giebeln erbaut, ist heute aber baulich deutlich entschlackt. 1954 wurde zudem das Kino Rex eingebaut, das heute als Neues Rex eine der wenigen in Laim erhaltenen Kino ist.

 

 

In den 1920er-Jahren entstanden in diesem Bereich – zwischen Landsberger Straße und Agnes-Bernauer-Straße etliche Genossenschaftssiedlungen in Geschosswohnungsbau. Einige dieser Gebäude, wie etwa die in der Rappstraße entstandenen Häuser nach Plänen von Emil Freymuth sind einige der wenigen in München entstandenen Bauten im expressionistischen Baustil (Bild links).

Zu den Gebäuden im expressionistischen Stil gehört auch das freistehende Einfamilienhaus in der Agnes-Bernauer-Straße 101 (Bild rechts), das von dem Architekten Franz Weber aus dem Kölner Atelier für Architektur Bruno Paul 1926 erbaut wurde.    

Während der Zeit des Nationalsozialismus entstanden wieder größere zusammenhängende Wohnanlagen wie die „Südtiroler-Blöcke“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mußten sehr schnell in Fertigbauweise Siedlungen für die Flüchtlinge und Ausgebombten erstellt werden. Während dieser Zeit entstanden einige bemerkenswerte Kirchenbauten der 1950er-Jahre, zu denen Sep Rufs „Zu den Heiligen 12 Aposteln“ und Johannes Ludwigs „Paul-Gerhardt-Kirche“ gehören. 

 

 

 

 

Größere zusammenhängende Wohnanlagen sind im Laimer Stadtviertel St. Ulrich nicht geplant. Es entstehen aber immer wieder Neubauten an Stelle älterer Wohnbauten.

So will der Bauträger Creativ-Haus in der Agnes Bernauer Straße 127 im Sommer mit dem Bau einer Wohnanlage mit insgesamt 13 Wohnungen in zwei Häusern beginnen (siege Bild rechts). Sechs Wohnungen werden noch angeboten, die restlichen Wohnungen sind bereits verkauft oder reserviert. Die Preise der zwischen 54 und 92 Quadratmeter großen Wohnungen liegen zwischen 256.000 und 538.000 Euro. Die Quadratmeterpreise sind für Laimer Verhältnisse mit einer Spanne zwischen 4700 und knapp 6000 Euro aber relativ hoch. Zudem entstehen immer wieder einzelne Häuser mit ein bis drei Wohnungen wie etwa von der Paul Harlander Wohnbau in der Guido-Schneble-Straße 40 (Bild links).

Dies zeigt, dass der Nachfragesog auch Laim erfasst hat. Voraussetzung für eine nachhaltige Höherbewertung ist aber auch künftig die gute Verkehrsvernetzung. Der Bezirk kämpft deshalb trotz knapper Kassen der Stadt für den Ausbau der U-Bahn-Linie U5 nach Pasing. Aktuell ist Endstation an der Haltestelle Laimer Platz.

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

 

St. Ulrich ist der westliche Bezirksteil des Stadtbezirks Laim. Ursprünglich war Laim eine eigenständige Ortschaft um die Kirche St. Ulrich und wurde als solche zum ersten Mal urkundlich zwischen 1047 und 1053 als loco leima (= am/im Ort Leim) erwähnt. 1938 wurde Laim eingemeindet. Es hatte mit rund 50.000 Einwohnern auch den ländlichen Charakter verloren.

 

Der Bezirksteil St. Ulrich grenzt entlang der Fürstenrieder Straße an den östlichen Bezirksteil Friedenheim an. Im Norden bilden die Gleisanlagen die Grenze zuim Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg, im Westen bildet die Willibaldstraße die Grenze zum Bezirk Pasing-Obermenzing und im Süden die A 96 die Grenze zu Hadern.

 

 

 

Einwohner: Statistisch gesehen entspricht der Bezirk Laim beim Durchschnittsalter und der Alterstruktur etwa den Durchschnittszahlen der Stadt. Der Ausländeranteil ist etwas geringer als der Stadtdurchschnitt, die Einwohnerdichte deutlich höher.  

Infrastruktur: Das Stadtviertel ist im Norden an die S-Bahn-Stammstrecke (Haltestelle Laim) und bei der Gotthardstraße an die U-Bahnlinie U5 (Laimer Platz angebunden. Die Metrobuslinien 51 und 57 verbinden Laim mit entfernten Stadtteilen (Nymphenburg (51), Pasing, Neuaubing (57)); die Stadtteilbuslinien 131, 132 und 151 und 168 haben Haltestellen in Laim.

Laim hat keine Wald- oder Wasserflächen. Im Vergleich zu München insgesamt hat Laim damit einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Wohn- und Verkehrsflächen, sowie einen geringen Anteil an Betriebsflächen: Laim ist hauptsächlich ein Wohnviertel. Grünflächen in St. Ulrich finden sich am Agricolaplatz, am Laimer Anger und an der Paul-Gerhard-Kirche (Bild links) sowie an der Bezirkssportanlage am Laimer Platz.

 

 

Westlich der Willibaldstraße, aber bereits im Bezirk Pasing-Obermenzing,  befindet sich zudem eine größere zusammenhängende Grünanlage mit der Städtischen Baumschule und den weiter nördlich angrenzenden Kleingartenanlagen. Nördlich der Gleisanlagen befinden sich zudem der Schlosspark Nymphenburg.   

Einkaufsmöglichkeiten finden sich vor allem im Norden der Fürstenrieder Straße (z. B. neues Geschäftshaus Fürst 51) zwischen Landsberger Straße und Gotthardtstraße.

Das Laimer Stadtviertel St. Ulrich ist bezüglich Schulen und Kindertagesstätten bezogen auf die Anzahl der Kinder etwas unterversorgt. Zu den bekanntesten Schulen zählt die von Hans Grässel entworfene Laimer Schule an der Fürstenrieder Straße 30 (Grund- und Hauptschule), eine der größten Schulen Bayerns (Bild links). Zu den bemerkenswerten Einrichtungen gehört auch das neu gestaltete Jugendhaus in der Von-der-Pfordten-Straße (Nild links unten).

Die kulturellen Einrichtungen sind über das Stadtviertel verstreut. Dazu gehört die vom Architekten Kurt Ackermann entworfene Stadtbibliothek mit der Volkshochschule in der Nähe des Laimer Platz (Fürstenrieder Straße 53), der Bürgertreff INTERIM-Theater am Laimer Anger/Agnes-Bernauer-Straße sowie das Rex-Kino am Agricolaplatz. Es ist das einzige Stadtteilkino in Laim und eines der ältesten Filmkunsttheater in München.

 

Immobilien: Mieten und Bestandswohnungen sind in Stadtvergleich recht günstig, sind aber in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Sehr knapp bezogen auf die Einwohnerzahl ist das Angebot und die Planungen für Neubauwohnungen.

Nach dem Münchner Mietspiegel 2011 bestehen in St. Ulrich durchschnittliche und gute Wohnlagen. Zu den durchschnittlichen Wohnlagen gehört der Bereich direkt an der Landsberger Straße, die Wohnanlagen westlich der Von- der Pfordten-Straße bis zur Stroblstraße, der Wohnblock südlich des Laimer Platzes zwischen Lanz-Straße und Guido-Schneble-Straße bis zur Aindorferstraße. Auch der Bereich südöstlich der Joergstraße und der Guido-Schneble-Straße bis zur Fürstenrier Straße und der A96 werden als durchschnittliche Wohnlage klassifiziert. Die restlichen Wohngebiete werden als "gut" eingestuft.

Gewerbeimmobilien: Entlang der Landsberger Straße sowie entlang der Fürstenriederstraße befinden sich vor allem gewerblich genutzte Immobilien. Darunter sind einige große Büroimmobilien, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Dazu zählt insbesondere der Laimer Würfel, ein neues 11-stöckiges Bürogebäude an der Kreuzung Landsberger Str. und Fürstenrieder Str. das Gebäude befindet sich im Besitz eines Offenen Immobilienfonds der Credit Suisse. Es sticht durch seine Höhe und markante Fassade sofort in den Blickpunkt. Hauptnutzer des Gebäudes ist die DAB Bank, die hier ihren neuen Hauptsitz hat.