Vom Bierpalast zum Bürozentrum

 

Am Stiglmaierplatz entsteht mit den Nymphenburger Höfen ein großes neues Quartier zum Wohnen und Arbeiten. Das Viertel um die Kirche St. Benno ändert seinen Charakter.

Um 1860 lag der nach dem Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier (1791-1844) benannte Platz noch an der Stadtgrenze: Eine drei Kilometer lange, weitgehend unbebaute Lindenallee führte von hier zum Sommerschloss Nymphenburg. Die Vorstadtruhe endete mit Georg Brey und seinem Sohn Ludwig.

Die Bierbrauer, Besitzer der Löwenbrauerei, erwarben das westnördlich angrenzende und dann 1862 das Grundstück direkt am Stiglmaierplatz. 1871 verlegten sie ihren Stammsitz von der Löwengrube in der Altstadt hierher und firmierten Münchens größte Brauerei in eine Aktiengesellschaft um. Ihren Status dokumentierten die Bierkönige durch prächtige „Bierpaläste“ und den „feenhaft“ illuminierten Löwenbräukeller, das von Albert Schmidt gestaltete Saal- und Restaurantgebäude.

Das Löwenbräu-Anwesen zwischen Nymphenburger und Dachauer Straße veränderte sich in den folgenden 130 Jahren mehrfach: 1894 wurde der Löwenbräukeller durch Friedrich Thiersch umgestaltet, im Juli 1944 zerstörten Fliegerbomben große Teile der Gebäude, die 1950 in reduzierten, schlichten Formen wieder aufgebaut wurden. 

Den größten Umbruch gibt es jetzt: durch den Bau der Nymphenburger Höfe. Auf dem Grundstück, das schon längst nicht mehr im Besitz der Spaten- Löwenbräu-Gruppe ist, wurden vor drei Jahren mit Ausnahme des denkmalgeschützten Löwenbräukellers nahezu alle Altgebäude abgerissen. Eine Gruppe von Münchner Bauträger lassen nach den Plänen der Architektenbüros Steidle Architekten, Meier Neuberger Partner und Henchion + Reuter etwa 500 Wohnungen errichten. Die 30.000 Quadratmeter Bürofläche sind bereits erbaut und größtenteils vermietet. Fertiggestellt sind die Gebäude entlang der Nymphenburger Straße und am Stiglmaierplatz. Am nördlichen Bauabschnitt wachsen unter Kränen die Stockwerke der hochverdichteten Gebäudeteile stetig in die Höhe.

 

Wohnen um St. Benno

 

Die Nymphenburger Höfe in der Maxvorstadt liegen imBezirksteil St. Benno, dessen Name sich von der etwas nördlich liegenden katholischen Pfarrkirche St. Benno ableitet. Die Monumentalkirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach den Plänen des damals erst 31-jährigen Architekten Leonhard Romeis im Stil der Neuromanik errichtet. Das Grundstück überließ damals der Erzgießer und Bildhauer Ferdinand von Miller, der in der Nähe seine Erzgießerei besaß. Wechseln sich entlang der Nymphenburger Straße spätklassizistische Kaufmannshäuser und Neurenaissancevillen von Unternehmern mit modernen Bürogebäuden ab, so dominieren in den Seitenstraßen die Wohnhäuser und Kleingewerbebetriebe. Das Viertel ist von den Mietshäusern zwischen der Erzgießereistraße und der Kreittmayerstraße geprägt. Ein Bebauungsplan sieht an der Linprunstraße eine Verdichtung durch eine weitere Wohnbebauung vor. Statt Bierkönige bestimmen nun die Projektentwickler das Viertel.

Weitere Informationen:

Erhaltungssatzung: Stadt beschränkt in St. Benno Eigentümerrechte