Poing: Rasantes Wachstum auf der Wiese

Poing ist Münchens Umlandgemeinde mit dem größten Einwohnerzuwachs in den vergangenen zwei Jahrzehnten. S-Bahn und Autobahn sorgt für eine schnelle Anbindung an München. Und Familien können hier ihren Traum vom Häuschen im Grünen verwirklichen. Nun wird der Seewinkel erschlossen.

 

Im Wahlkampf wird auch mal über „Parteifreunde“ abgelästert. Mit dem Versprechen, Aßling werde nicht wie Poing „zubetoniert“, wollte Sebastian Brilmayer (CSU) 2013 Bürgermeister der 4370-Einwohner-Gemeinde werden.  

Daraus wurde nichts: Bürgermeister von Aßling wurde Hans Fent. Ausreichend Stimmen gewann Brilmayer mit seiner Kritik an der Poinger Wohnungspolitik nicht, stattdessen verärgerte der 34-Jährige den 77-jährigen Altbürgermeister Rainer Lauterbach (CSU). Lauterbach war von 1982 bis 2000 Poinger erster Bürgermeister und damit Entscheidungsträger der Wohnungspolitik einer der am schnellsten wachsenden Gemeinden Deutschlands. Als der Sudetendeutsche und Leiter der Poinger Polizeiinspektion 1982 erster Bürgermeister Poings wurde, hatte die Gemeinde gerade mal knapp 5000 Einwohner. Ende 2014 sind es dreimal so viel. In einem Leserbrief des ◊Merkur“ kritisierte Lauterbach Brilmayers Darstellung von einem ◊zubetonierten“ Poing trotzdem vehement: Der Vergleich zwischen einem Siedlungsschwerpunkt im ◊Speckgürtel“ Münchens und der ländlich strukturierten Gemeinde Aßling im Süden des Landkreises Ebersberg sei ◊absurd“. Für Poing sei nicht Beton, sondern Grün charakteristisch: So ziehe sich der Bergfeldpark durch das gesamte Neubaugebiet von Poing-Nord. 1996 würdigte das Umweltministerium Poing für seine „vorbildliche grünplanerische Leistungen bei der Anlegung des Grünzuges im Baugebiet am Bergfeld. Einige Bauträger werben deshalb auch mit „Wohnen im Englischen Garten Poings“.

Lauterbach verweist darauf, dass wichtige Grundsatzentscheidung zum Ausbau Poings noch vor seiner Amtszeit gefallen seien: So wurde der Flächennutzungsplan dafür gemeinsam mit der Nachbargemeinde Pliening bereits in den 1970er-Jahren festgelegt. Auch der im Regionalen Planungsausbau für die entlang der S-Bahn nach Erding gelegenen Gemeinden Kirchheim, Poing und Markt Schwaben festgelegte Endausbau auf jeweils 19.000 Einwohner stammt noch aus dieser Zeit. Doch keine Münchner Umlandgemeinde hat den Wohnungsbau im Verhältnis zu seiner ursprünglichen Einwohnerzahl seither so vorangetrieben wie Poing. An dem Wachstumstempo hat sich auch nicht viel unter Albert Hingerl geändert, der mit den Stimmen von CSU, SPD und Freie Wähler als Lauterbachs Nachfolger im Rathaus regiert. Der Sozialdemokrat Hingerl war wie Lauterbach Polizist. Unter ihm wurde nördlich des S-Bahnhofes das neue Ortszentrum, der Bergfeldsee sowie das Wohngebiet im sogenannten Zauberwinkel angelegt.

Die neue Ortsmitte (Links) entstand ab dem Jahr 2000 mit Einkaufszentrum, Geschäften, Gaststätten, Büros, 800 Wohnungen, einem Seniorenzentrum und öffentlichen Gebäuden (Park Feuerwehrhaus, VHS, Jugendzentrum). Es soll  Verbindungsglied zwischen Neu-Poing im Norden und Altpoing im Süden sein.

Nachdem mit dem Zauberwinkel (Bild links) für rund 1400 Einwohner fertig gestellt ist, wurde Ende 2014 westlich davon mit dem Bau der ersten Wohnungen des Wohngebiets W6 am Bergfeldsee begonnen. Insgesamt soll hier Wohnraum für weitere 1400 Einwohner entstehen. Nachdem 2013 der Bebauungsplan gebilligt wurde, wählten die bereits 1988 zur ARGE ◊Poing am Bergfeld“ zusammengeschlossenen Baufeldeigentümer verschiedene Bauträger für den Bau der Häuser aus. Aktuell stehen Schindler Hausbau in Rattenkirchen, Baustolz – ein Unternehmen der Ludwigsburger Strenger Gruppe –, die Münchner Südhausbau sowie die Münchner WP Poing, eine Projektgemeinschaft der Terrafinanz und HI Wohnbau als Bauträger fest.

Die meisten Wohnungen erstellt die WP Poing mit 98 Wohneinheiten. Von den städtischen Münchner Wohnungsgesellschaften GEWOFAG und GWG wurde das Grundstück erworben, mit dem Bau wurde im November 2014 gestartet und unter dem Namen „Bergfeld Living“ vermarktet.

Reihenmittelhäuser mit 116 Quadratmeter Wohnfläche und vier Zimmern werden für knapp 600.000 Euro und ein Terrasseneckhaus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche (fünf Zimmer) für knapp 810.000 Euro angeboten. Nach Angaben der Terrafinanz sollen im ersten Bauabschnitt Häuser bereits gegen Ende dieses Jahres bezugsfertig sein

Sehr umfangreich ist auch das Bauvorhaben ◊Arkadien Poing/Seewinkel“ der Strenger Gruppe, die im Oktober vergangenen Jahres damit begonnen hat. Das Bauprojekt umfasst 51 Reihenhäuser des Tochterunternehmens Baustolz, 25 exklusive Eigentumswohnungen und zehn Doppelhaushälften von Strenger Bauen und Wohnen. Die Preise der Wohnungen liegen etwa im Bereich von 5700 bis 5900 Euro pro Quadratmeter, eine Doppelhaushälfte mit 163 Quadratmetern (fünf Zimmer) kommt auf knapp 900.000 Euro. „Wir rechnen damit den ersten Bauabschnitt Ende 2015 und den zweiten Bauabschnitt im Frühjahr 2016 fertigstellen zu können“, so Andreas Martin von der Strenger Gruppe.

Auch in Altpoing südlich der S-Bahnstrecke entstehen neue Wohnhäuser. Allerdings nur vereinzelt. So sollen im Schlesierweg südlich des Bahnhofs drei Wohnhäuser entstehen. Gebaut wird auch weiter östlich in der Birkenallee, wo ein Wohnhaus mit mehreren Eigentumswohnungen entsteht.

Die weitaus größten Bauprojekte befinden sich jedoch im Norden. Daran wird sich auch in der Zukunft wohl wenig ändern. Auch nach Fertigstellung des Wohngebietes am Bergfeldsee kann Poing wohl weiter expandieren: Auf den Wiesen nördlich der Bergfeldstraße sind dafür bereits die Baufelder W7 und W8 vorgesehen.

 

Die Gemeinde in Zahlen

Der Name Poing mit seiner altbayerischen Endung „ing“ entwickelte sich aus der ursprünglichen Ortsbezeichnung Piuuuingun, die sich von einer Person namens Piuwo ableitete.

Die erste Besiedlung in dem Gebiet des heutigen Poing lassen sich aufgrund von archäologischen Funde bis auf die Zeit um 2800 vor Chrristi belegen. In Poing befand sich in der Bronzezeit – 1300 v. Chr. – ein Fürstengrab, später römische Landgüter – südlich verlief die Römerstraße zwischen Augsburg und Wels. 1406 gelang über einen Münchner Bürger die Hofmark Pewging an den Herzog von Bayern-Ingolstadt.

 

 

Ältestes nachgewiesenes Gebäude war die um 1200 entstandene ehemalige Chorturmkirche St. Michael mit spätgotischem Oberbau. Sie bilden heute Turm und Chor der neuen, von Friedrich Haindl entworfenen und 1954 erbauten Saalkirche. Die Eröffnung der Bahnstrecke München-Simbach 1871 führte zu einem ersten Aufschwung Poings. Ein weiterer Aufschwung setzte 1972 mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke und den S-Bahnanschluss ein.

Heute ist Poing eine Gemeinde des oberbayerischen Landsberg. Im Norden grenzt es an die Gemeinde Pliening, im Osten an Anzing, im Sünden an Vaterstetten und im Westen an Feldkirchen und Haar, Gemeinden des Landkreises München. 

 

Einwohner: Der Anteil der Kinder der schnell wachsenden Gemeinde an der Einwohnerzahl ist sehr hoch. 2014 zogen 1284 Menschen nach Poing, aber es gab auch immerhin 1093 Wegzüge. 

Infrastruktur:  Poing verfügt durch den Anschluss an die A 94 und der Flughafentangente Ost über eine gute Autobahnverbindung nach München und zum Flughafen. Die S-Bahn der Linie S2 verkehrt nach München im 20-Minuten-Takt. Das Neubaugebiet durchzieht den Bergfeldpark, am Ostrand befindet sich der Wildpark Poing.

 

Westlich des Poinger Bahnhofes befindet sich das große Gewerbegebiet von Poing. Größere ansässige Unternehmen sind Avnet EM (Silica, Abacus, Memec, EBV, ALS), die BayWa, Bau- und Gartenmarkt, der Druckerhersteller Océ, Schlemmer und der Automobilzubehörhändler Stahlgruber sowie die Tschann-Bayern, Vertragshändler für DAF-Nutzfahrzeuge. Auch die Werkstätten der Bayerischen Staatsoper haben hier ihren Standort.

Immobilien: Es gibt kaum ein Angebot an Mietwohnungen, dafür viel familiengerechte Neubauwohnungen und Reihenhäuser. Die Neubauwohnungs- und Hauspreise sind seit 2011 stark gestiegen.

Weitere Informationen:

Webpräsenz der Gemeinde: www.poing.de