Pasinger Stil-Vielfalt

Lange hat Pasing versucht sich als eigenständige Stadt gegenüber München zu behaupten. Während des Nationalsozialismus wurde das Gebiet eingemeindet, erst vor wenige Jahre verlor es die letzten Privilegien. Doch als Bezirksteil erlebt Pasing nun einen wahren Bauboom.

 

Pasing putzt sich heraus. Nach der Neugestaltung des Bahnhofsplatz mit den Riem-Arcaden, der Nordumgehung Pasing (NUP) und der damit verbundenen Verkehrsberuhigung des ehemals stark befahrenen Zentrums steht nun auch nach der Neugestaltung der neuen Mitte dort der Bau eines Geschäftsquartiers am Marienplatz als "Magnet" an.

Geologen verbinden mit dem nur 35 Kilometer langen Würm die letzte große Eiszeit im nördlichen Alpenvorland. Zwischen Pasinger Stadtgarten und Planegger Straße kommen einem jedoch Zweifel, ob sich der Fluss tatsächlich dort befindet:  Dort erstrecken sich Brücken mit Barock-Balustraden, auf orange-getünchter Rustika und Pilaster erheben sich kolossale Bauten.

Die Terrafinanz Wohnbau hat gerade den letzten Bauabschnitt der Residenzia Veneziana nach den Plänen Botzenhardt, Zeitler & Blaimberger Architekten fertig gestellt. Der Mix aus Palladios Renaissancepalästen, Postmoderne und dem Ostdeutschlands Plattenbau würden Besucher eher in Las Vegas oder Walt Disney als in Oberbayern vermuten. In Diskussionsforen wurde die Anlage gar als „Kulissenarchitektur für einen Kitschfilm“ geschmäht. Bauträger, Architekten und Bewohner lässt die ätzende Kritik wohl kalt: Die einen haben mit dem Verkauf der Wohnungen ein gutes Geschäft gemacht, die anderen genießen die ruhige Lage am Pasinger Stadtpark.

 

Pasings zweite Blüte

Schließlich ist in Pasing – was Baustil betrifft – einiges möglich. Mit der Errichtung der Bahnlinie München-Augsburg im Jahr 1840 und dem Bau des Pasinger Bahnhofs (Bild links, links) durch Friedrich Bürklein begann das Bauerndorf (Bild oben rechts) mit dem klassizistischen Schloss Gatterburg (rechts) zu wachsen. Nördlich der Gleise entstanden auf Initiative des Architekten August Exter die Villenkolonien Neu-Pasing, im Süden die Waldkolonie: Stilvielfalt beherrschte die Gemeinde, die 1905 zur Stadt erhoben wurde und damit die befürchtete Eingemeindung zu München zuvor kam.

Dem langjährigen ersten Bürgermeister Pasings, Alois Stephan Wunder, gelang es 23 Jahre lang die Stadtrechte gegenüber München zu behaupten. Unter seiner Zeit entstanden die Prestige-Gebäude am Pasinger Marienplatz und die Kirche Maria Schutz, allerdings verschuldete sich Pasing in dieser Zeit.

Selbst als die Eingemeindung 1938 in die „Stadt der Bewegung“ durch die Nationalsozialisten nicht mehr aufzuhalten war, konnte Wunder eine „volks- und ortsnahe“ eigene Bezirksverwaltung aushandeln. Diese eigenständigen Verwaltungsstrukturen und Rechte wurden aber am 31. März 2005 ausgerechnet auf Druck eines Sozialdemokraten, des Münchner OB Christian Ude aufgehoben und Pasing vollständig in München eingegliedert. Wie eine Art Kompensation erscheint dabei die umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen im Bezirk: „Am Knie“ soll nun ab 2013 der Hauptverkehr durch eine Nordumgehung zwischen Bahnhof und Bahngleise umgeleitet werden und das Pasinger Zentrum entlastet und aufgewertet werden. Auch wird die Tramlinie 19 bald bis zum Bahnhofsplatz gehen. Zwischen Landsberger Straße und Nordumgehung werden Wohnungen für etwa 1800 Menschen und Raum für etwa 2300 Arbeitsplätze entstehen. Weitgehend fertig gestellt ist die Bebauung am Bahnhofsplatz mit den Pasinger Hofgärten (Bild oben links) und dem ersten Bauabschnitt des Einkaufszentrums Pasing Arcaden von Allmann Sattler Wappner. Aktuell entsteht der Erweiterungsbau der Pasing Arcaden sowie daneben die Wohnanlage Pasinger Tor von Terrafinanz. Östlich der Offenbachstraße bis Am Knie errichten Bauträger kleinere Wohnanlagen.

Die Objekte an den Zentralen Bahnflächen sind aber nicht die einzigen großen Bauvorhaben in Pasing. Westlich vom Bahnhof, dort wo die Lortzingstraße auf die Bodenseestraße trifft, hat Concept Bau im Juni mit der Errichtung eines neuen Wohnriegels begonnen (Bild rechts). Der Bereich ist stark  frequentiert, was sich auch nicht mit der Nordumgehung bessern wird. „Das Gebäude mit den 78 Wohnungen wird voraussichtlich Ende 2013 fertig gestellt sein“, so  Stefanie Lux von der Concept Bau GmbH. Die Zwei- bis Vier-Zimmer großen Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 51 und 90 Quadratmetern werden zu Kaufpreisen zwischen 185.900 Euro und 356.900 Euro angeboten. Die Preise für den Quadratmeter liegen damit um die 3650 Euro.

 

Nur weniger Meter weiter östlich errichten in der Ernsbergerstraße (Bild links oben) gleich verschiedene Bauträger wie die Hema Bau und Biermeier Bau weitere Wohngebäude.

Auch am Stadtpark stehen Kräne. Die Domino Bau und Einzelhandels GmbH hat gerade zwei Häuser mit acht Wohneinheiten Am Stadtpark 32 fertig gestellt. Lediglich eine Drei-Zimmer-Wonung mit 132.000 Quadratmeter steht noch zum Kauf. Der Angebotspreis: 795.000 Euro.

Weit größer ist die Anlage, die die Baywobau zusammen der Bauland baut (siehe Bild links): In sechs Stadtvillen entstehen gegenüber der von den Passionisten genutzem Schloss Gatterburg 80 Wohneinheiten. Das üppige Grünkonzept stammt vom Landschaftsgärtner. Und unweit davon fließt die Würm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Die ehemalige Stadt Pasing ist heute ein Teil des Stadtbezirks Pasing-Obermenzing. Der Bezirksteil Pasing wird nach Norden durch die Bahnanlagen zu dem Bezirksteil Neupasing begrenzt. Im Osten befindet sich das Viertel Westbad und im Westen der Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied. Im Süden grenzt Pasing an die Gemeinde Gräfelfing im Landkreis München.

 

Einwohner:  Alters- und Haushaltsstruktur entspricht in etwa dem Münchner Durchschnitt, der Ausländeranteil ist aber deutlich unterdurchschnittlich.

Infrastruktur: Der Bahnhof bietet Anschluss an S-Bahnlinien, er als ist als Haltestelle vieler ICEs auch ein Fernbahnhof. Die Tramlinie 19 verbindet Pasing mit der Innenstadt, geplant ist die Erweiterung der U5 zum Pasinger Bahnhofsplatz.

 

Das Einkaufszentrum Pasing Arcaden sind wichtigstes Versorgungszentrum des Münchner Westen. Erholung bietet der Stadtpark und das Westbad.

Über aktuelle Projekte informiert ein Stand am Pasinger Rathaus. Der 1936 errichtete Bau gilt als repräsentative NS-Architektur (Bild oben links, Architekten: Heinrich Rettig und Friedrich Lämmle), der Platz davor diente als Versammlungsplatz. Das Rathaus wurde vor kurzem erweitert, saniert und gewinnt durch die Pasing Arcaden mehr an städtebaulicher Bedeutung.

Pasing wird oft als Schulstadt beziehungsweise Schulstadtteil bezeichnet, da hier überdurchschnittlich viele Bildungseinrichtungen – vor allem Gymnasien und weiterführende Hochschulen – vorhanden sind. In Pasing befinden sich beispielsweise das Sonderpädagogisches Förderzentrum München-West, die biliguale Jan-Amos-Comenius-Grundschule der Münchner Schulstiftung, Staatliche Wirtschaftsschule München, die Fakultäten Betriebswirtschaft, Sozialwesen und Tourismus der Hochschule München sowie das Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern Abteilung II und die Evangelische Friedrich-Oberlin Fachoberschule. Architektonisch bedeutend ist das 1909/10 erbaute Progymnasium (Bild oben links, heute Karlsgymnasium).

Der Bezirksteil verfügt mit dem Klinikum München Pasing über ein großes privat geführtes Krankenhaus mit 400 Betten. Betreiber die Rhön-Klinikum AG.

Pasing hat aufgrund seiner langen Geschichte einige kulturhistorisch bedeutende Kirchen, wobei die katholische Pfarrkirche Mariä Geburt,  die versteckt Am Klostergarten in Sichtweite zur Würm liegt, die älteste ist. Wesentlich größer ist die 1906 bis 1918 im Zuge des neuen Bürgerstolzes errichtete Katholische Stadtpfarrkirche Maria Schutz von dem Architekten Hans Schur. 

 

Immobilien: Große Spreizung der Preise und Mieten, je nach Lage und Lärmbelastung. Bislang ist Pasing entlang der stark befahrenen Landsberger Straße einer erheblichen Lärmemission ausgesetzt. Dies soll sich mit der für 2013 geplanten Eröffnung der Nordumgehung ändern.

In Pasing finden sich sehr unterschiedliche Wohngegenden. Eine Einstufung bietet der Münchner Mietspiegel 2011: Als beste Wohngegend gilt demnach die durch den Architekten Luis Ende Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Waldkolonie Pasing (siehe Bild links und links oben) zwischen Maria-Eich-Straße, Wiesengrund und Am Stadtpark.

 

Als „gute Wohnlage“ gilt das daran nordwestlich anschließende Wohngebiet zwischen Maria-Eich-Straße, Joseph-Haas-Weg, der S-Bahn und der Bodenseestraße. Als „gute Wohnlage“ wird zudem der Bereich um die Stadtpfarrkirche Maria-Schutz östlich des Stadtparks klassifiziert. Er umfasst die Flächen zwischen der zweiten Hausreihe südlich der Landsberger Straße, die zweite Hausreihe östlich der Planegger Straße bis zur Weinbergerstrasse, östlich der Bäckerstraße. Er umfasst damit die in den 1930er-Jahre errichtete Hindenburg-Siedlung (Bild links) und reicht bis zur Perlachschneiderstraße-Weinbergerstraße und bis Am Knie.

Die restlichen Wohngebieten Pasings, insbesondere entlang der stark befahrenen Straßen gelten – mit Ausnahme kleiner Sprengsel wie in den ruhigen Gassen zwischen Marienplatz und Bahnhofsplatz (gute Wohnlage) – als durchschnittliche Wohngegend.

Neubauten: Dazu gehören im wesentlichen die im Text oben genannten Bereiche und die in der Karte rot gefärbten Abschnitte. Größter zusammenhängender Abschnitt ist der Bereich zwischen Landsberger Straße  und der künftigen Nordumgehung östlich des Pasinger Bahnhofs bis Am Knie.

 

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