Ottobrunn: Ingenieure in der Waldkolonie

In dem südöstlich von München gelegenen Ottobrunn dominiert zwar eine Bebauung mit Einfamilienhäusern. Dennoch ist es aufgrund seiner engen Grenzen Deutschland am zweitdichtesten besiedelte Gemeinde. Und in den Villenviertel wird weiter durch Neubauten und Anbauten verdichtet.

 

Am 6. Dezember 1832 begleitete König Ludwig I. seinen 17-jährigen Sohn von der Münchner Residenz bis zum Straßenwärterhäuschen der Chaussee nach Rosenheim, wo er von Otto Abschied nahm. Zwei Monate danach erreichte dieser Nauplia.

Zu seinem 20. Geburtstag, zweieinhalb Jahre später, wurde Otto zum König von Griechenland gekrönt (siehe links das zeitgenössische Gemälde von Joseph Karl Stieler) – entsprechend einer Abmachung von Griechenlands Signatarmächten, Großbritannien, Frankreich und Russland. Doch 1862 musste Otto nach einem Aufstand der Griechen ins Exil nach Bamberg fliehen, wo er 1867 verstarb.

An der Stelle, wo Ludwig I. sich von seinem Sohn verabschiedet hatte, steht seit 1834 eine dorische Säule mit der Büste Ottos, heute das einzige kulturgeschichtliche Denkmal der Gemeinde Ottobrunn (siehe Bild rechts).

Erst mit dem Bau des Ausflugslokals Waldschlößchen im Jahr 1902 (siehe Aufmacherbild oben) setzte die Besiedlung der Gegend mit Wochenend- und Landhäusern durch „Kolonisten“ ein. Eine dieser ersten Bewohner, die es in die Stille und abgelegene Lage des Waldes zog,  war der deutsch-italienische Komponist Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948), zu seiner Zeit ein erfolgreicher Verfasser von Opern.

Mit der Errichtung des Flughafens München-Süd, dem Fliegerhorst Neubiberg und der Luftfahrtforschungsanstalt des Flugzeugherstellers Messerschmidt erhielt Ottobrunn im Dritten Reich einen Entwicklungsschub. Die Einwohnerzahl stieg vor allem rasant nach dem Krieg durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Seit dem 1. April 1955, als Ottobrunn eine selbstständige Gemeinde wurde, erhöhte sich die Einwohnerzahl von 6000 auf über 20.000.

Ab Ende der 1950er-Jahre veränderte sich die Gemeinde durch die Verlagerung der Firma des Luftfahrtpioniers Ludwig Bölkow von Stuttgart nach Ottobrunn und dem Aufstieg der Branche während des Kalten Krieges: Es entstanden Geschosswohnungsbauten, auch Hochhäuser, wie die an der Lenbachallee, und im Süden weitete sich das Technologiegebiet von MBB und IABG aus. 

Da Ottobrunn kein gewachsenes Zentrum hatte, entstand die "Neue Ortsmitte“ (siehe Bild links unten) mit Rathaus (1981–1983), Ladenzeilen (1984) sowie dem Kulturzentrum Wolf-Ferrari-Haus (1983–1986).

Bald danach hatte die Region mit einer heftigen Strukturkrise zu kämpfen. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Kürzung staatlicher Rüstungsaufträge mußten die zwischen Ottobrunn und Taufkirchen im Technologie- und Innovations-Park (TIP) angesiedelten  Luftfahrt- und Technologieunternehmen Arbeitsplätze abbauen. Im Nordwesten entstand auf dem ehemaligen Flughafen nach einem Plan der Landschaftsarchitekten Atelier Loidl in Berlin ein Landschaftspark.

Seit 1997 verzeichnet auch Ottobrunn wieder einen Einwohnerzuwachs. Auch ist von einer Renaissance des Technologiestandorts die Rede: Auf dem – allerdings zu Taufkirchen gehörenden – Gelände der TIP entsteht Europas größte Fakultät für Luft-, Raumfahrt und Sicherheit, der Ludwig Bölkow Campus.

Die Häufung von Technologieunternehmen und Wissenschaftseinrichtungen in Ottobrunn und den Nachbargemeinden  ist der Grund, weshalb die Gemeinde eine der höchsten Akademikerquoten Bayerns aufweist. Darauf zielt auch die Standortpolitik zur Ansiedlung neuer Firmen ab. „Besonders willkommen ist innovatives, wissensbasiertes Gewerbe mit hoher Wertschöpfungskraft und generell kleinere und mittlere Unternehmen“, so Thomas Loderer, Erster Bürgermeister von Ottobrunn.

 

Diese Zielgruppe peilt auch der Büropark Ottobrunn im Norden der Stadt als künftige Mieter für seine Erweiterung an. „Erster neuer Baustein in unserem Ensemble wird ein zehngeschossiger Turm mit Tiefgaragen und einem Gastronomiepavillon sein“, sagt  Nicolai Czerny, der zusammen mit seinen Geschwistern Eigentümer des Büroparks Ottobrunn ist. Der Baustart des höchsten Bürogebäudes im Landkreis München soll 2015 erfolgen.

Aufgrund des starken Zuzugs wird vor allem auch Wohnraum benötigt. Für neue Bauvorhaben steht dabei kaum Grund zur Verfügung. Den Ottobrunn liegt innerhalb enger Grenzen, das mitten im Wohngebiet an die Nachbargemeinden stößt. Es ist die am zweitdichtesten besiedelte Gemeinde Deutschlands.

Beim größten Wohnbauprojekt (siehe Bild rechts), der Josef-Seliger-Siedlung, erstellt die Baugesellschaft München Land zwischen 2013 und 2017 im Auftrag der Gemeinde Ottobrunn an der Stelle alter Wohngebäude Neubauten mit insgesamt 174 neuen Mietwohnungen.

Trotz dichter Besiedlung wird weiter verdichtet

Vor allem aber sind es private Bauherren und Projektentwickler der Region, die neue Wohnhäuser errichten. In der Villengemeinde wird „nachverdichtet“ oder Bestandsgebäude durch Neubauten ersetzt. Besonders aktiv ist dabei die GEO Wohnbau in Taufkirchen (Edelweißstraße). „Eine sehr gute Wohnlage ist die mit altem Baumbestand bewachsene Villengegend zwischen Adalbert-Stifter-  und Gottfried-Keller-Straße“, so Sebastian Scheele, Geschäftsführer der IBB München in Ottobrunn.

Der Einwohnerzuwachs stellt auch Anforderungen an die Infrastruktur der Gemeinde. Hohe Investitionen sind für den Neubau des Gymnasiums in der Carl-Stieler-Straße und die Sanierung weiterer Schulen erforderlich. Zudem legt die Gemeindespitze Wert auf eine gute Anbindung an das ÖPNV-Netz.

Die S-Bahnfahrt zum Münchner Marienplatz dauert vom Bahnhof Ottobrunn nur 22 Minuten. Otto und Ludwig benötigten 1832 für die gleiche Distanz noch einige Stunden. 

 

Die Gemeinde in Zahlen

 

Die aus einem Trennungsbeschluss von Unterhaching vom 16. Oktober 1953 entstandene Gemeinde Ottobrunn ist mit einer Fläche von 5,23 Quadratkilometern das kleinste Gemeindegebiet im Landkreis München.

Der Verlauf der nördlichen, östlichen und südlichen Gemeindegrenze entspricht im Wesentlichen der Grenze zwischen der Gemarkung Unterhaching und den Nachbargemarkungen Unterbiberg im Norden, Putzbrunn im Osten, Hohenbrunn im Süden und Taufkirchen im Westen aus der Zeit um 1800. 

 

 

Einwohner: Es besteht eine sehr dichte Besiedlung, aber vorwiegend mit Einfamilienhäusern, eine hohe Akademikerquote und relativ hohes Durchschnittseinkommen. Haushalte sind typischerweise Familien mit Kindern, aber auch viele Haushalte mit älteren Bewohnern. Der Anteil der weiblichen Einwohner (51,6 Prozent) ist um ein Prozent, der Anteil der mindestens 65 Jahre alten Einwohner (23,3 Prozent) um knapp drei Prozent höher als im Durchschnitt des Landkreises München (31. Dezember 2011).

  

Infrastruktur: Es gibt mit der S7 eine direkte S-Bahnhlinie nach München, ein Netz von MVV-Buslinien in Ottobrunn und den Nachbargemeinden. Autofahrer bietet sich über die A99 Anschluss zum Flughafen und über die A 8 zu den Alpen. Freizeitmöglichkeiten sind mit dem Phönix-Bad im Sportpark am Haidgraben im Westen und dem Landschaftspark Hachinger Tal im Nordwesten auf dem ehemaligen Flugplatz Neubiberg geboten (siehe großes Bild unten).

In Ottobrunn gibt Schulen aller Jahrgangsebenen. Aktuell investiert die Gemeinde viel Geld in die Modernisierung und Sanierung von Grundschulen und errichtet ein neues Gymnasium (Bild links)

Immobilien:

Wohnen - Die Angebote für Einfamilienhäuser liegen oft zwischen  630.000 und 1,1 Millionen Euro (5400 Euro/qm). Starker Preisanstieg seit einem Jahr um neun Prozent.

Im Bereich der Eigentumswohnungen fiel der Preisanstieg in diesem Zeitraum sogar noch etwas stärker aus (+ 11,5 Prozent). Die häufigsten Angebote von Bestandswohnungen liegen in der Preisspanne von gut 2500 bis 4400 Euro pro Quadratmeter. Die Angebote für neu angebotene Mietwohnungen bewegen sich in der Masse zwischen 8,50 und unter 12 Euro pro Quadratmeter und Monat. Der Anstieg der Mieten war mit 5,5 Prozent in dem Zeitraum 3. Quartal 2013 bis 3. Quartal 2014 beachtlich, lag aber deutlich unter dem Preisanstieg der Immobilien (Quellen: Internetmakler immobilienscout24). 

 

 

Gewerbe - Ottobrunn verfügt über drei Gewerbegebiete, die sich am westlichen Rand dem Gemeinde verteilen: Im Nordwesten das Gewerbegebiet Nord mit dem Büropark Ottobrunn, der Firmensitz von Tyco Electronics Raychem (Ottobrunns größtem Arbeitgeber, ein Unternehmen das sich auf Kabelbeschichtungen spezialisiert hat) sowie die Anlage des Zweckverbands München-Südost und der Wertstoffhof von Ottobrunn.

Im Westen liegt das das Gewerbegebiet Mitte, wo der Einzelhandel stark vertreten ist. Hier befindet sich unter anderem das Einkaufszentrum „Isar Center“, ein Sportfachhandel, die Ludwig-Bölkow-Stiftung sowie die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik.

Das größte Gewerbegebiet ist aber der rund 10 Hektar große Technologie- und Innovationspark (TIP). Betreiber ist die IVG. Er liegt allerdings zum weitaus größten Teil in der Nachbargemeinde Taufkirchen. Dort sind auch die Hochtechnologie-Unternehmen Airbus Defence and Space (DS), die IABG sowie der im Bau befindliche Ludwig Bölkow Campus angesiedelt (Bild links).

Weitere Informationen:

Webpräsenz der Gemeinde: www.gauting.de      

Ottobrunn: Epsilon voll vermietet