Treffpunkt St. Emmeramsmühle

In Oberföhring entstehen  auf Wiesen und auf dem Gelände der ehemaligen Prinz- Eugen-Kaserne große Wohnanlagen. Dort wo zu St. Emmerams Zeiten noch einsame Auen und Wälder bestanden, wachsen nun die Vorstadtsiedlungen Münchens.  Zielgruppe für die Eigentumswohnungen in Bogenhausens nördlichem Viertel sind vor allem Familien mit Kinder.

 

Übel erging es dem Wandermönch Emmeram, ehemals Bischof von Poitiers. Weil er Uta, die Tochter Herzog Theodo von Bayern, geschwängert haben soll, ließ ihn Lantpert, Utas Bruder, bei lebendigem Leibe in Stücke schneiden. Als sich herausstellte, dass Emmeram nur zum Schutze Utas behauptet hatte, der Vater des Kindes zu sein, ließ Theodo seine Leiche nach Regensburg bringen, um den Heiligen zu bestatten.

1350 Jahre später genießen dort, wo Emmerams sterbliche Überreste auf ein Floss gebetet wurde, Ausflügler ihr Weißbier. Die St. Emmeramsmühle ist als Biergarten (Bild links) ein beliebter Treffpunkt für die Bewohner Oberföhrings, aber auch von anderen Münchnern.

Seit Ende vergangenen Jahres können die Ausflügler auch mit der Tram zu der Haltestelle St. Emmeram fahren. Die neue Verkehrsabindung ist überraschend gut ausgelastet. Denn nicht nur Biergartenbesucher, sondern auch die zunehmende Zahl von Oberföhrings Einwohner nutzen die Tram: Im nordwestlichen Teil des Stadtbezirks Bogenhausen entstehen gleich mehrere Wohnanlagen.

Für das größte Projekt, dem Prinz-Eugen-Park (Bild links unten) auf dem Areal der ehemaligen  Kaserne gleichen Namens, sollen  noch dieses Jahr Grundstücke an Bauträger vergeben werden. "Die Landeshauptstadt München plant hier nicht nur 1600 neue Wohnungen, sondern setzt sich auch das Ziel, neue und innovative Ansätze im Siedlungsbau umzusetzen, die über die Bereitstellung von sozialer Infrastruktur hinausgehen“, erläutert Stadtbaurätin Elisabeth Merk. 

"Der schonende Umgang mit Umwelt und Energie im Sinne eines ökologischen Wohn- und Siedlungsbaus ist hier ein zentrales Thema, dem sich die Stadtplanung in Zukunft stellen muss.“

Als Sieger eines städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerbs ging der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft GSP Architekten, München mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München hervor. Sie sieht auch den  Bau einer ökologischen Mustersiedlung mit 400 Wohnungen vor. Mit der Realisierung erster Wohnabschnitte wird aber erst ab 2018 zu rechnen sein.

Biotope und alter Baumbestand sollen zusammen mit großflächigen Wiesenbereichen den parkähnlichen Charakter unterstreichen. In dieser Parklandschafsoll eine Abfolge von kompakten Wohncluster im Wechsel mit den Freiflächen entstehen. Die Kasernengebäude wurden bereits abgerissen, das Grundstück vermittelt aktuell den Anschein eines unbebauten Parks.

 

Deutlich weiter fortgeschritten ist dagegen das Projekt der Bogenhauser Höfe an der Ecke Effnerstraße/Oberföhringer Straße. Hinter der alten Ziegelei (Bild links) baut Conceptbau ein Wohnanlage. Ein Teilbereich mit 79 Wohneinheiten hat Conceptbau bereits im Dezember 2011 an einen Fonds der Aberdeen Asset Management Gruppe Frankfurt veräußert. Die Vermietung der 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen obliegt der Concept Bau unter Einschaltung der Walser Immobilienwelt GmbH. Die Wohnanlage wird 2013 übergeben (siehe immobilienreport Nr. 27/Seite 08). Eigennutzer können zudem Eigentumswohnungen in den drei Stadthäuser erwerben. Je Haus befinden sich etwa 20 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen zwischen 64 und 198 Quadratmeter Wohnfläche. Die kleineren Wohnungen werden für Preise ab etwa 275.000 Euro angeboten.

Westlich von der Effnerstraße baut zudem die HI Wohnbau  entlang der Johanneskirchnerstraße ihre Wohnanlage Balance.  Und in der Nähe errichtet Bayernareal ihr Projekt Ponte di Sale. Aktuell stehen auf den Wiesen entlang der Johanneskirchner Straße vor dem ehemaligen Dorf Oberföhring nur die Verkaufs-Container. Dies dürfte sich bald ändern.

Weiter südlich, in der Wesendonkstraße, errichtet die Bayernareal zudem den letzten Bauabschnitt ihrer Wohnanlage Lohengrin (Bild links). Von unberührten Wiesen ist hier längst nichts mehr zu sehen. Der Neubau schließt damit im Norden das neue Wohngebiet ab.

Bald sind auch die letzten zusammenhängende Wiesen in Oberföhring zugebaut. Die ehemals von Bauernhöfen und Ziegelein geprägte Lehmlandschaft ist dann vollständig als Vorstadtviertel von der Großstadt absorbiert. Längst sind die Zeiten vorbei, als in der St. Emmeramsmühle nur Landwirte vor Ort ihr Weißbier bekamen.

 

Das Viertel in Zahlen

Oberföhring ist der nördlichste Bezirksteil des Stadtbezirks Bogenhausen. Im Norden bildet die Stadtgrenze auch die Grenze des Stadtteilbezirks, im Westen befindet sich der Englische Garten, der bereits zum Bezirk Schwabing-Freimann gehört. Im Osten befindet sich der Stadtteil Johanneskirchen, im Südosten grenzt Oberföhring an den Nachbarstadtteil Englschalking und im Süden liegt der Herzogpark.

Einwohner: In Oberföhring wohnen überdurchschnittlich viele Familien mit Kindern, weshalb sich für dieses Stadtviertel ein im Vergleich zum Stadtdurchschnitt ein niedriger Altersdurchschnitt der Bewohner ergibt.

Infrastruktur: Öffentlicher Personennahverkehr: Tram entlang Cosimastraße, im Süden liegt die U-Bahnstation Arabellapark und im Osten die S-Bahnstation Johanneskirchen; zahlreiche Buslinien. Das Viertel ist von vielen Grünanlagen geprägt. Dazu gehört vor allem im Westen der Englische Garten. Das 22 Hektar große Freizeitgelände "Isarinsel Oberföhring" erstreckt sich zwischen der Isar und dem Kanal vom Stauwehr bis zur Stadtgrenze an der Herzog-Heinrich-Brücke. Es wurde in den Jahren 1976 bis 1978 nach den Planungen des Münchner Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob zusammen mit der Stadtgartendirektion unter Leitung von Josef Wurzer angelegt. Nur einige Gehminuten flussabwärts des Isarkanals gelangt man zum idyllischen Ortsteil St. Emmeram mit der St. Emmeramsmühle und der Gedächtniskapelle St. Emmeram. In der Nähe davon befindet sich außerdem die Sammlung Goetz, die in einem Museumsbau der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron 1993 einzog. Gegenüber liegt der Bürgerpark Oberföhring, ein parkähnliches Gelände mit lockerer Bebauung. Er ist kulturellen Zwecken gewidmet und Heimstätte einiger Vereine. Südlich der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne wurde zudem eine Parkanlage angelegt, die später in die Wohnanlage des Prinz-Eugen-Parks übergehen wird.  Im ehemaligen Dorf Oberföhring ist um die Kirche St. Lorenz der dörfliche Charakter weitgehend erhalten geblieben.

Immobilien: Vorherrschende Wohnsiedlung mit großem Anteil  an Einfamilienhäuser mit Vorortcharakter. In den vergangenen Jahren war in Öberföhring ein kontinuierlicher Preisanstieg zu beobachten. Neubau Eigentumswohnungen werden ab knapp 4000 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Östlich der Oberföhringer Straße wird das Wohngebiet im Mietspiegel der Landeshauptstadt München 2011  überwiegend als "durchschnittliche Wohnlage" eingestuft. Als gute Wohnlage gilt noch ein kleiner Bereich südlich der Lohengrün straße und östlich der Stradellastraße. Das Wohngebiet zwischen (westlich) der Oberföhringerstraße und dem Englischen Garten ist sogar "beste Wohnlage". 

 

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