Neupasinger Projekte

Im Rahmen des Großprojekts Zentrale Bahnanlagen entstehen in Pasing neue Wohnquartiere. Dabei hat die Bahn als Auslöser für Projektentwicklungen für Villenansiedlungen und Wohngebiete im Stadtviertel Neupasing eine lange Tradition.

 

Für den Projektentwickler und Hauskäufer war es eine geniale Idee: eine völlig neue Siedlung mit einer Auswahl unterschiedlicher Villen zu noch erschwinglichen Preisen, aber mit einer schnellen Anbindung an die Münchner Innenstadt.

Der Neuanschluss an das Öffentliche Nahverkehrsnetz gilt heute als selbstverständliche Entwicklungschance. Doch in den 1890er-Jahren war die Idee des Architekten und Bauunternehmers August Exter revolutionär. Nördlich des Pasinger Bahnhofs, der wegen des neuen Vorortverkehrs für eine schnelle Anbindung zum Münchner Bahnhof sorgte, erwarb er auf der grünen Wiese Grundstücke, teilte sie in Parzellen und bot Kaufinteressenten eine Auswahl unterschiedlicher Villen per Katalog an.

Zwischen Nymphenburger Kanal, der Würm und den Gleisanlagen entstand in wenigen Jahren die Pasinger Villenkolonie I, ab 1897 folgte der Bau der Kolonie II durch die "Terraingesellschaft NeuWestend“. Auch der Architekt Richard Riemerschmid, der führende Vertreter des Münchner Jugendstils, erbaute sich hier ein herrschaftliches Villenanwesen. Doch dann verkauften die Bauern ihre Grundstücke nur noch zu deutlich höheren Preisen, und als 1900 die Konjunktur und die Nachfrage der Hauskäufer einbrach, mussten die ehrgeizigen Expansionspläne gekürzt werden. Heute gehören die Villenkolonien zu den begehrtesten und teuersten Wohngegenden im Münchner Westen.

110 Jahre später, ist es wieder die Bahn, die in Pasing die Projektentwickler aktiviert. Durch die Aufgabe von Gleisanlagen im Rahmen des Großprojektes Zentrale Bahnanlagen wurden auch in Pasing Grundstücke für die Bebauung frei. Hinzu kommt in Pasing eine grundlegende städteplanerische Neugestaltung durch die Neugestaltung des Bahnhofsareals und der Umleitung des Straßenverkehrs von der Landsberger Straße Am Knie zur neuen Nordumgehung entlang den Gleisanlagen. Bereits im Frühjahr dieses Jahres wurde mit den Pasing Arcaden das größte Shoppingcenter im Münchner Westen eröffnet. Riesige Baugruben südlich und nördlich des weißen Baukörpers machen deutlich, dass weitere Bauprojekte folgen: Im Süden entsteht zwischen Rathausgasse, Landsberger Straße und der Offenbachstraße der zweite Abschnitt der Pasing Arcaden und die Wohnanlage Pasinger Tor. "Wir bauen sechs fünfgeschossige Häuser mit 123 Wohnungen“, erläutert Ute Interthal vom Münchner Projektentwickler Terrafinanz. „Verkauft sind die Wohnungen, die wir zu Preisen zwischen 3700 bis 5000 Euro pro Quadratmeter anbieten.“ Die Wohnungsgrößen reichen von etwa 44 bis 150 Quadratmeter Wohnfläche, mit der Fertigstellung war Mitte 2013.

Auch nördlich der Gleisanlagen, südlich von Exters Villenkolonie I, werden Erdmassen bewegt und Bauwerke errichtet. Am Bahnhofsdurchgang gegenüber dem Kulturtreff Pasinger Fabrik, baut die Ambiance-Pasing eine gemischt genutzte Anlage mit Büros und 18 Eigentumswohnungen. Die Hälfte der Wohnungen sind bereits verkauft. Die Preise lagen 2013 je nach Größe und Ausrichtung der Wohnungen zwischen etwa 4300 und 4700 Euro pro Quadratmeter. „Im zweiten Bauabschnitt kommen noch zehn bis zwölf Wohneinheiten dazu“, informiert Heinz-H. Mehring, Geschäftsführer der Ambiance Pasing. "Außerdem bauten unsere östlichen Nachbarn, die Project Immobilien AG, Nürnberg, direkt neben uns rund 120 Wohnungen und ganz im Osten errichtete die Königsgarten Pasing Grundbesitz GmbH, Straubing, über 100 Einheiten.“  Die Königsgarten Pasing mussten allerdings noch bis März 2012 den Boden des ehemaligen Industriegeländes der Firma Weyl mit Baggern und Radladern abtragen und mittels Lkw abtransportieren, verkündet Werner Länger, Geschäftführer der Königsgarten Pasing Grundbesitz GmbH. Erst dann kann mit dem Bau der Anlage für betreutes Wohnen für Senioren begonnen werden.

In Pasing stehen also wieder große Projekte an. Man darf gespannt sein, ob gestiegene Grundstückspreise und die Konjunktur die Verwirklichung der Pläne diesmal zulässt.

Das Viertel im Überbick

Neupasing ist ein Stadtviertel im Stadtbezirk Pasing-Obermenzing und wird im Norden durch das Villenviertel Obermenzing und im Süden durch die Gleisanlagen und durch die alte Stadt Pasing begrenzt.

Einwohner: Die Villenkolonie in Neupasing wird von der gehobenen Mittelschicht dominiert.

Infrastruktur: Mit dem Pasinger Bahnhof besteht eine schnelle Verkehrsanbindung an das S-Bahn- und Bahnnetz. Die Nordumgehung wird Bewohner vom Verkehrslärm entlasten und verbessert zugleich den Verkehrsfluss. Mit den Pasing Arcaden besteht seit dem Frühjahr eines der größten  Shoppingcenter Münchens.

Immobilien: Mit dem Bau großer neuer Wohnanlagen dürfte sich die Situaton durch das höhere Angebot entspannen, zumal bereits in Altpasing größere Wohnanlagen gebaut wurden.

Aktuell größtes Neubauvorhaben ist die Entwicklung des Neubauquartiers Paul-Gerhard-Allee im Osten des Bezirksteils Neupasing an der Grenze zum Nymphenburger Park und der dazwischenliegenden S-Bahn-Strecke.

Weitere Informationen:

Neubau in Neupasing: Das Gottfried Keller Carrée