Schnäppchen im Wilden Westen

Als die Kurparksiedlung entstand, galten die Bauherren noch als Pioniere am Stadtrand.    Dies ist lange her. Nun ist Wohngegend Neuhadern dicht besiedelt – weist aber große Preisunterschiede auf. Schnäppchenjäger könnten hier fündig werden.

 

Wie ein großes Tortenstück ist die Siedlung zwischen der Autobahn A 96 und der Fürstenrieder Straße begrenzt: Das Kurparkviertel. Trotzdem ist es hier ruhig, die Einfamilien- und Reihenhäuser haben hier noch für Münchner Verhältnisse  weitgehend große Gärten (siehe Bild links). Doch nach und nach wird auch dieses Viertel und die südlich angrenzende Wohngegend Neuhaderns verdichtet.

Anfang der 1930er Jahre verkaufte der Besitzer des Kur-Sanatoriums Neufriedenheim einen Teil seiner Grundstücke. Das Areal und die angrenzenden Fluren wurden parzelliert und an Siedler erschlossen. Mit Spaten und Hacke, Zementsäcke und Ziegel errichteten die ersten Siedler – einfache Kaufleute, Handwerker, kleine Angestellte und Beamte – in Eigenregie oft bis in die Nacht und an Wochenenden ihre Häuschen. Um gegenüber den Behörden die Infrastruktur von Wegen, Straßenbeleuchtung und Kanalisation durchzusetzen, gründeten sie 1935 eine eigene Siedlervereinigung. "Münchens wilder Westen“ nannte die „SZ“ daher die Kurparkviertel der Siedlungspioniere. Weil es hier keine eigene Kirche und kein Bürgerhaus gab, trafen sich die Einwohner im kleinen Café Rink, das mittlerweile geschlossen ist und heute als Wohnhaus genutzt wird.  

Längst befindet sich das ehemalige Stadtrandgebiet nicht an den Feldern, sondern wird auch im Südwesten von später entstandenen Wohngebieten umrahmt. So zwischen den Jahren 1969 und 1979 die Siedlung Neuhadern mit Altwohnstift und Stiftsklinik Augustinum. Das Hochhaus des Altenheims (Bild unten rechts) mag von außen abschreckend wirken, doch bietet es mit eigenen Schwimmbad über einen luxuriösen Wellness-Bereich mit Arztpraxis und Physiotherapie bis hin zum eigenen Theater hohen Komfort. Die von Hans und Angelika Büttner sowie von Robert Quilici entworfene Siedlung Neuhadern wies wie die unweit erbaute Siedlung Blumenau uns Am Hedernfeld einen hohen Anteil an Geschosswohnungsbauten mit Sozialwohnungen auf. 2000 Sozialwohnungen gab es hier mal, inzwischen sind viele aus der Bindung gefallen, aber die Bewohner sind größtenteils geblieben. Zentrum Neuhaderns ist der "Haderner Stern", einer Hochhaus-Wohnanlage mit integriertem Nahversorgungszentrum, das durch den Architekten Peter Lanz geplant und in den Jahren 1972 bis 1976 errichtet wurde. In den Wohnanlagen jüngeren Datums, meist Eigentumswohnungen, leben heute viele Mitarbeiter des Klinikums Großhadern.

Aktuell bietet die Patrizia Immobilien AG im Gartenpark Guardini Bestandswohnungen zum Kauf an. „Insgesamt handelt es sich um 195 Wohnungen – hinzu werden aller Voraussicht nach noch neu zu schaffende DG-Wohnungen durch Aufstockung kommen“, erläutert Simone Wipplinger von der Patrizia in Augsburg. „Die Preisspanne liegt zwischen 2800 und 3100 Euro pro Quadratmeter.“ Die Preise für die neuen Dachgeschosswohnungen liegen allerdings darüber. Das 1979 in Massivbauweise errichtete und architektonisch außergewöhnlich gestaltete Ensemble des „Gartenpark Guardini“ umfasst insgesamt drei zusammenhängende Gebäudezeilen, deren Gestaltung zu vielfältigen Grundriss-Typen in den einzelnen Wohnungen führt.

 

 

Bereits verkauft sind 176 Wohnungen. Weitere Wohnungen bietet die Patrizia im Romanopark I bis III an. Die Wohnungen der 3- bis 7-geschossigen Wohnanlagen wurden etwas früher, Mitte der 1970er-Jahre ebenfalls in Massivbauweise erstellt.

Die jüngste Wohnanlage in Neuhadern liegt Am Stiftsbogen (siehe großes Aufmacherbild ganz oben). Die Eigentumswohnungen nach den Plänen von Goergens + Miklautz entstanden von 2006 bis 2008 für die Mickan General-Bau-Gesellschaft Amberg mbH & Co. KG. Zudem wurden zwischen 2007 und 2009 etwa 240 Wohnungen für die Gesellschaft für den Staatsbediensteten Wohnungsbau in Bayern mbH von Kramm + Strigl Architekten erbaut. Südlich von den vier bis fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern befindet sich eine großzügige Grünanlage mit einer Schule.

Besonders auffallend ist aber das gegenüberliegende knallrote Studentenwohnheim (Bild links) von Spengler-Wiescholek Architekten, das immerhin knapp 600 Studierende Wohnraum bietet.

Aktuell wird auf den großzügigen Grundstücken der ehemaligen Kleinsiedlungen „verdichtet“. Die Komfortwohnbau Dech & Schulz errichtet in der Ecke Gräfelfinger Straße/Am Heidbruch das dreistöckiges Wohnhaus „Casa Amarella“ mit acht Eigentumswohnungen, von denen allerdings nur noch zwei zum Kauf angeboten werden (siehe Bild rechts). Der Preis für ein 81 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung beträgt 390.000 Euro, der für die 91 Quadratmeter Dachterrassenwohnung 436.000 Euro. Auch entlang der Würmtalstraße wird gebaut – so errichtet die Münchner Generalbau an der Hausnummer 166 ein Mehrfamilienhaus und drei Reihenhäuser (siehe Bild links) sowie in Hausnummer 30 zwei Mehrfamilienhäuser (Bild links). 

In Eigenregie mit Spaten und Kelle, werden diese Neubauten allerdings nicht mehr errichtet.

 

 

Das Viertel in Zahlen                       

Neuhadern ist einer von drei Bezirksteile des 20. Münchner Stadtbezirk Hadern. Das Viertel Neuhadern wird im Norden durch die Autobahn A96 (Ammerseestraße) vom Bezirksteil Blumenau und im Süden durch die Würmtalstraße vom Bezirksteil Großhadern getrennt. Westlich verläuft die Grenze entlang des Schlag Weg, der zugleich die Stadtgrenze zur Gemeinde Gräfelfing im Landkreis München bildet. Im Osten bildet die Fürstenrieder Straße die Grenze zum Stadtbezirk Sendling-Westpark.  Im Bezirksteil Neuhadern befinden sich im Nordosten die Kurparksiedlung und im Südwesten die Siedlung Neuhadern.

Hadern war ursprünglich ein Bauerndorf und wurde erstmals im 11. Jahrhundert unter dem Namen Haderun erwähnt. Der alte Dorfkern befindet sich mit der 1315 erbauten Kirche St. Peter im heutigen Bezirksteil Großhadern.

 

Einwohner:  Relativ viele Familien mit Kinder sowie ein etwas unterdurchschnittlicher Anteil an Ausländern ist in Neuhadern anzutreffen.

Infrastruktur: Im und am Viertel befinden sich drei U-Bahnhaltestellen der Linie U6 (Holzapfelkreuth, Haderner Stern, Großhadern). Zentrum Neuhaderns ist der Haderner Stern mit Stadtteilsbibliothek, VHS, Kirchen und dem Einkaufszentrum Haderner Stern.

Dort wurde auch am 28.01.1979 die Kirche und das Pfarrzentrum St.Ignatius eingeweiht. Die Gemeinde St.Ignatius (Bild unten rechts) zählt heute rund 4000 Katholiken. Weiter südlich, bereits südlich von der Würmtalstraße und damit bereits im Bezirksteil Großhadern, liegt zudem die 1925 bis 1926 von Franz Rank erbaute Kirche St. Canisius. 

Immobilien: Bestandsmieten sind relativ günstig und um neun Euro pro Quadratmeter zu bekommen, doch Neuvermietungsmieten liegen mit elf Euro pro Quadratmeter spürbar höher. Ähnliches gilt für die Kaufpreise. Besonders in kleinteiligen Wohnbauten sind die Preise trotz mehrer Neubauten hoch und liegen um 5000 Euro pro Quadratmeter. Bestandswohnungen sind dagegen auch unter 3000 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Nach dem Mietspiegel der Landeshauptstadt München ist Neuhadern überwiegend gute Wohnlage. Es gibt allerdings auch Bereiche, die als durchschnittliche Wohnlage eingestuft werden: Der bebaute Bereich direkt entlang der Ammerseestraße, also der Autobahn A 96. Von Osten wird dieser Bereich durch die Maenherstraße bis zur Schröfelhof Straße begrenzt und nimmt dann als südliche Begrenzung den Verlauf der Kurparkstraße, einen Abschnitt des Stiftsbogen, dann nach Westen entlang der Guardinistraße bis zur Großhaderner Straße. Auch westlich davon wird der Bereich zwischen A96 und Haderunstraße-Wildtaubenweg als durchschnittliche Wohnbebauung angesehen.