Ausgeh- oder Luxusviertel - Im Herzen Schwabings

Wegen neuer Luxuswohnungen wird vor Gentrifizierung und dem Ende des Ausgehviertels  an der Münchner Freiheit gewarnt. Doch günstig war Wohnen im Herzen Schwabings auch bislang nicht. Und Ruhe wird für Nachtschwärmer auch nach dem Bau der Luxuswohnungen nicht einkehren.

 

Schmale Stelzen tragen das Dach des neuen Trambahnhofs in der Münchner Freiheit. Von der Seite scheint das Konstrukt der OX2-Architekten (Entwurf) und der RPM-Architekten (Ausführung) wie eine weiße Wolke über Passanten zu schweben. Das Stahldach wiegt aber 408 Tonnen.

Luftbildaufnahmen des Städtischen Vermessungsamtes (siehe Bild links) lassen das grüngestrichene Dach wie eine grüne Insel inmitten des sich kreuzenden Verkehrs der Leopoldstraße, Herzogstraße und Feilitzschstraße erscheinen. Die Münchner Freiheit ist das Zentrums Schwabings.

Architekten und Bauherren fühlten sich vom Platz inspiriert. Als Schwabing noch ein Dorf war, schuf der Architekt und Stadtplaner Theodor Fischer mit der Erlöserkirche (1899-1901) an der Gabelung der zwei Ausfallstraßen Schwabinger Landstraße (nun Leopoldstraße) und Ungererstraße einen Blickfang vom Siegestor. Zudem bildete die neue Kirche den Abschluss des Platzes – damals Feilitzschplatz – nach Norden. Etwa zur gleichen Zeit errichtete Martin Dülfer, Wegbereiter des Jugendstils, an der Leopoldstraße ein Wohnhaus, das durch große Blatt- und Baummotive auffällt.

Die Nationalsozialisten wollten an dem Platz, den sie in Danziger Freiheit umbenannten, Fischers Erlöserkirche durch das Deutsche Haus der Weltausstellung verdecken, dann ganz abreißen. Doch die Pläne von Generalbaurat Hermann Giessler wurden ebenso wenig realisiert, wie seine Absicht, Hitler weiter südlich einen Alterssitz zu errichten.

In den 1960er-Jahren lösten nicht nur Studentenproteste und die Schwabinger Kommune Unruhe bei der Münchner Freiheit aus, sondern auch ein 1964 errichteter schwarzer Hochhausriegel, der 1990 bis 1991 wieder abgetragen wurde.

Jüngster Stein des Anstoßes ist ein geplanter Neubau in der Feilitzschstraße. Auf dem Grundstück befanden sich die Kultkneipe Schwabinger 7, eine schummrig-dunkle Party-Spelunke in einer Nachkriegsbaracke, in der sich Rocker, Hippies, Punks und Rastafaris trafen. Promis wie die Filmemacher Rainer Werner Fassbinder und Bernhard Wicki, aber auch Andreas Bader, der spätere RAF-Terrorist, waren hier Gäste.

 

 

Luxusapartments statt Baracke

 

Eine Initiative dreier Studenten mit Unterstützung von Kulturschaffenden wie Liedermacher Konstantin Wecker und Kabarettist Michael Mittermeier wollte den Kultbau retten. Dabei gab es ungewohnte Fronten: Ausgerechnet CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle stellte für die Baracke einen Antrag auf Denkmalschutz – der allerdings scheiterte. Der ehemalige Mieteranwalt Christian Ude (SPD) und heutige Münchner OB mit Landesvater-Ambitionen setzte sich dagegen staatstragend für den Abriss der ◊Saufkneipe in einer ehemaligen Baubaracke“ (Ude) ein. Um neue Wähler für den Machterhalt und die Machterlangung zu gewinnen, wechseln Politiker schon mal die Seiten. Im Sommer 2011 rollten schließlich die Bagger an und rissen Baracke, Monopol-Kino und den Stand von Mamas Kebab ab.

Doch auch wenn "tz“ und "SZ“ sich über das "Ende eines Kultviertels“ sorgen, die Stille eines Luxusviertels müssen Nachtschwärmer der Feilitzschstraße nicht befürchten. Vielmehr sollten sich die künftigen Bewohner in der Ausgehmeile bewusst sein, dass der Lärmpegel der Kneipen wie "Zum Neuen Hut“, "Tapasta Bar“ und McDonald´s auch in Zukunft wenig Ruhe verbreiten werden. 

 

 

Bis zum Einzug ist noch etwas Zeit. "Der Baubeginn für Monaco ist für April 2012, die Fertigstellung für Dezember 2013 geplant“, sagt die Architektin Christine Reith, von brixx projektentwicklung GmbH, die für den Bauherr HIH Hamburgische Projektentwicklung den Bau realisiert. Errichtet werden nach dem Entwurf der Kupferschmidt Architekten 34 Wohnungen – von 1-Zimmer-Apartments (52 Quadratmeter) bis zu 4-Zimmer-Wohnungen mit bis zu 250 Quadratmetern. "50 Prozent der Wohnungen wurden bereits verkauft“, informiert Christine Reith. "Wir bieten die Wohnungen in einer Preisspanne von 5900 bis 9400 Euro pro Quadratmeter an – die Dachgeschosswohnungen sind darin nicht berücksichtigt.“

Monaco ist keinesfalls das erste Neubauprojekt in der Straße. Gegenüber wurden 2005 auf dem Gelände der ehemaligen Schwabingerbräu und der Stadtwerke die Factory Schwabing mit Fitnesszentrum und der Constantin-Film-Zentrale sowie die Feilitzschhöfe mit einem Altenservicezentrum errichtet.

Auch an der Leopoldstraße wird gebaut. Etwas südlich der Münchner Freiheit wird gerade ein Geschäftshaus fertiggestellt, und auf der Höhe der Giselastraße wurde im Sommer ein Gebäude abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Direkt an der Leopoldstraße dominieren allerdings Bürohäuser und Läden, und nicht die Wohnhäuser.

 

 

Das Viertel in Zahlen

Das Viertel Münchner Freiheit ist ein Bezirksteil von Schwabing-Freimann. Es grenzt im Süden entlang der Schaackstraße an die Maxvorstadt, im Westen entlang der Friedrichstraße und der Viktoriastraße an Schwabing-West und im Osten am Englischen Garten zum Stadtbezirk Bogenhausen. Im Norden wird das Viertel von dem Platz Münchner Freiheit begrenzt.

Einwohner: Die Münchner Freiheit ist ein dicht bewohntes Viertel mit hohem Single-Anteil und geringem Anteil von Familien. Der Ausländeranteil ist im Verhältnis zum Durchschnitt der Stadt eher gering (siehe Tabelle rechts).

Infrastruktur: Die Münchner Freiheit ist einer der wichtigsten Stadtplätze. Hier befindet sich ein U-Bahnhof (U3, U6) und ein Trambahnhof (Linie 23), das Karstadt und diverse Einzelhandelsläden. Entlang der Leopold- und Feilitzschstraße befindet sich das Ausgehviertel mit Kneipen, Kleinkunstbühnen und Kinos. Gleich nebenan: der Englische Garten. 

Immobilien: In den vergangenen eineinhalb Jahren stiegen die Preise laut immobilienscout24.de um 22 Prozent. Im Mietspiegel wird das Gebiet östlich der Leopoldstraße bis zum Englischen Garten bis zur Nikoleistraße als "Beste Wohngegend" eingestuft. Zu dieser Kategorie gehört auch das Gebiet östlich der Werneckstraße und östlich der Occamstraße bis zur Höhe des Artur-Kutscher-Platzes. Die restliche Wohnbebauung des Viertels ist "gute Wohnlage".

 

Weitere Information:

Münchner Freiheit-Feilitzschst.: Arte Fabrikgebäude verkauft