Aufwertung im Südwesten

Durch das Tunnelprojekt im Südwesten des Mittleren Rings werden einige Anwohner von Mittersendling profitieren. Doch auch noch andere Baumaßnahmen sollen für eine Aufwertung des Viertels sorgen.

 

Münchens Lärmkarte fällt ein Bereich besonders auf: Dunkelblau-lila zeigt am südwestlichen Mittleren Ring die höchste Lärmbelastung von über 80 Dezibel an. Bis zu 103.000 Fahrzeuge donnern am Tag hier am Luise-Kieselbach-Platz an dem Altenheim St. Josef vorbei.

Künftig soll die Lärmbelastung für die Anwohner beim Anschluss der Lindauer- und Garmischer Autobahn deutlich geringer werden. Am 23. Juni 1996 hatte ein von der CSU iniitiertes Bürgerbegehren „Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring“ bei den Münchner Bürgern und gegen den rot-grün dominierten Stadtrat eine knappe Mehrheit für den weiteren Ausbau des Mittleren Rings erhalten. Der Tunnelbau, der bereits 2005 hätte begonnen werden sollen, wurde aufgrund der Finanznot der Stadt aber erst im April 2007 gestartet. Nach der Baufeldfreimachung und Umleitung des Verkehrs um die Baustelle wird nun die 1,2 Meter dicke Tunneldecke errichtet. Ab Sommer dieses Jahres wird mit dem Erdaushub und dem Rohbau unter der Tunneldecke gerechnet. Schließlich soll Mitte 2015 der Tunnel freigegeben werden und mit der Fertigstellung des Heckenstallerparks 2017 das auf geschätzte 375 Millionen Euro teure Projekt abgeschlossen werden.

Bis dahin müssen Anwohner außer Verkehrs- auch noch Baulärm aushalten. Wie die bereits abgeschlossenen Tunnelprojekte von Petuelring und Mittlerem Ring Ost zeigen, profitieren dann aber die Anwohner von einer deutlich geringeren Lärm- und Schmutzbelastung. Für die Besitzer der direkt angrenzenden Immobilien war nach Ansicht einiger Experten die Untertunnelung mit einer Aufwertung verbunden. Allerdings fiel eine Beurteilung des Gutachterausschusses, die die Preise vereinzelt überprüften, nicht einheitlich aus. "Wir konnten eine Aufwertung am Petuelring und an der Richard-Strauß-Straße nicht belegen", sagt Helmut Thiele, Voristzender des Gutachterausschuss zur Bewertung der Grundstücke in München. "Es kann aber auch sein, dass angesichts der starken Nachfrage nach allen Grundstücken in den vergangenen Jahr solche Einzeleffekte im rauschen des Marktes untergingen." Nach seiner Ansicht spielt sonst Lärm für den Wert von Immobilien sehr wohl eine Rolle.

Auch an einem anderen Verkehrsknotenpunkt an der östlichen Seite zu Mittersendling soll eine Baumaßnahme für die Anwohner Entlastung bringen. "Am Harras“, der laut-chaotische zentrale Platz Sendlings, wird nach einer mehr als zehn Jahre andauernden politischen Debatte umgestaltet. Durch die Südverlegung der Kreuzung von Plinganser- und Albert-Roßhaupter-Straße entsteht im Norden des Platzes ein mit Bäumen beschatteter und mit honigfarbenen Dolomitkalk ausgelegter Bereich für Fußgänger mit einem Brunnen und Sitzbänken. Sieben Millionen Euro stellt die Stadt dafür bereit, eine weitere Million Euro sollen Hausbesitzer in die Verschönerung ihrer Fassaden investieren.

Zwischen 2013 und 2015 will das Baureferat die Albert-Roßhaupter-Straße erneuern und mit einem Fahrradweg ausstatten. Im Bau befindet sich gerade das Sozialbürgerhaus in der Meindlstraße.

Mittersendlung, dass lange den Charakter einer Vorstadtsiedlung mit Kleinhäusern hatte, erlebte erst nach dem Zweiten Weltkrieg einen starken Zuzug und Ausbau. 

 

Kunsthistoriker halten nur die in den 1920er-Jahren entstandenen Bauten der Kriegersiedlung,Hans Grässels Altenheim St. Josef (Bild links, hinter Gasthaus Wöllinger) und die Kleinhaussiedlung der Heimag an der Mainburger Straße (Bild oben links) für erwähnenswert.

Der Bereiche der Kriegersiedlung (siehen Bild links, Blick durch die Straße Kriegersiedlung) entlang einer Privatstraße zwischen Albert-Roßhaupter-Straße und Johann-Clanze-Straße gilt dabei als sozialgeschichtliches und städtebauliches Dokument einer Baumaßnahme, die ausdrücklich für die Kriegsbeschädigten des Ersten Weltkrieges entstand. Träger des Straßenzugs mit Gebäuden für etwa 100 Haushalte war die „Bau- und Kleinsiedlungsgenossenschaft des Kriegsbeschädigtenvereins München“. Zwischen 1920 und 1927 entstanden je acht zweigeschossige Wohnhäuser mit charakteristischen Walmdächern. Am jeweiligen Ende der Straße wurde die Anlage durch größere Bauten abgeschlossen. Die zum Teil von Max Graessel entworfenen Gebäude orientierten sich an dem von Theodor Fischer geprägten Heimatstil. Eine Eigenart der Anlage sind die großen Grünflächen, in denen die Bewohner die Möglichkeit zum Nebenerwerb durch Gartenbau erhalten sollten.

Die Projektentwickler sind nun wieder aktiv. So wurde gerade von der Wohnform Wohnbau GmbH in der Oetztalstraße das "Individuo“ mit 38 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für um die 3700 Euro pro Quadratmeter fertiggestellt.

In der Albert-Roßhaupter-Straße 41 hat Mitte 2011 die Münchner Grund mit dem Bau des „three-four-one“ auf einem über 9500 Quadratmeter großen Grundstück (Bild links) begonnen. Anfang 2013 wurde das Vier-Sterne-Hotel Angelo Munich Westpark zusammen mit den entstandenen Büro- und Einzelhandelsflächen sowie Wohnungen fertig gestellt, dass dann im Oktober 2013 von einem Fonds der Union Investment erworben wurde. 

 

 

 

Wohnungen statt Postamt

Im Frühjahr 2013 will die Bayerische Hausbau in der Höltystraße mit dem Bau einer Anlage mit 80 Eigentumswohnungen im gehobenen Standard beginnen. Gegenwärtig befindet sich dort noch ein viergeschossiges Wohngebäude, ein zweigeschossiges Gebäude der Deutschen Post (Bild links) und Tiefgaragen. „Wir werden noch in diesem Jahr mit dem Abbruch dieser Gebäude beginnen – die Wohnanlage soll 2014 fertiggestellt sein“, erläutert Jürgen Büllesbach, Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau gegenüber ◊immobilienreport“.

Aber auch sozial geförderte Wohnungen entstehen in Mittersendling. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG errichtet bis September dieses Jahres für 14 Millionen Euro in der Krüner Straße 27 anstelle ihrer abgebrochenen Wohnanlage aus den 1950er-Jahren 71 neue einkommensorientiertgeförderte Mietwohnungen. Die Zuweisung erfolgt dann freilich über das Sozialreferat. 

Östlich vom Harras baut zudem die Demos Wohnbaugesellschaft in der Kidlerstraße 36 eine Wohnanlage mit 39 Wohnungen, von denen allerdings bereits 33 verkauft sind. Das Gebiet befindet sich genau genommen nicht mehr im Bezirksteil Mittersendling, sondern im Sendlinger Feld. 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Mittersendling ist ein Teil des Stadtbezirks Sendling-Westpark. Das Viertel wird im Westen durch den Mittleren Ring vom Nachbarviertel Am Waldfriedhof begrenzt. Etwas nördlich der Zielstattstraße verläuft die Grenze zu Obersendling. Im Osten bildet die S-Bahnlinie die Grenze zu Untersendling im Bezirk Sendling. Im Norden schließt der Westpark an. Einen Überblick über nahezu den gesamten Bezirksteil Mittersendling gibt die große Karten unten.

Einwohner: In der Struktur der Haushaltsgrößen ist Mittersendling etwa repräsentativ für die Stadt München. Der Anteil von Familienhaushalten (drei Personen und mehr) liegt geringfügig unter dem von München. Das Durchschnittsalter liegt etwas über dem Stadtdurchschnitt.

Infrastruktur: Im Norden liegt das Freizeitgebiet des Westparks, im Osten liegen die Sportanlagen Untersendlings. Mehrere U-Bahnhaltestellen der Linie U3 befinden sich im Viertel, die S-Bahnlinie S7 hält im S-Bahnhof Mittersendling.

Immobilien: Neubauwohnungen sind zum Teil noch relativ günstig. Die Mieten bei Neuvermietung und Bestandsimmobilienpreise sind in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen. 

Nach dem Mietspiegel 2011 der Landeshauptstadt München ist Mittersendling überwiegend durchschnittliche Wohngegend. Als "gute Wohnlage" werden ein Bereich westlich des Partnachplatzes zwischen Penzberger Straße und Baderseestraße und Krüner Straße ausgewiesen. Zudem wird der Bereich direkt am Westpark und überwiegend südlich der Heckenstallerstraße als "gut" klassifiziert.

2016 hat der Münchner Stadtrat große Teile von Mittersendling, das Gebiet vom Westpark bis zur Heckenstallerstraße zum Erhaltungssatzungsgebiet Sendling bestimmt. Damit werden die Eigentumsrechte von Vermieter massiv eingeschänkt.

Weitere Informationen:

Mittersendling: GEWOFAG stellt Wohnanlage am Bauernbäuweg fertig

Mittlerer Ring Südwest: Terrafinanz erwirbt Entwicklungsgrundstück am Tunnelbau