Milbertshofen: Zwischen BMW und Schwabing

In Milbertshofen dreht sich fast alles um den größten Arbeitgeber BMW. Seit dem Tunnelbau und der Gestaltung des Petuelpark vor gut zehn Jahren ist Schwabing nah. Doch auch das Wohnen ist im Arbeiterviertel teuer geworden.

 

Das heutige Münchner Stadtviertel Milbertshofen wurde bereits um 1140 zum ersten Mal erwähnt. Damals wurde es noch Ilmungshoven, etwas später Mülmetzhofen genannt. Die ersten Bewohner lebten in dem dortigen  Einsiedlerhof jedoch nicht freiwillig, sondern wurden aufgrund einer Krankheit oder eines Vergehens zwangsangesiedelt.

Lange gehörte die Siedlung dem Kloster Schäftlarn, dann knapp zwei Jahrhunderte bis 1630 der Familie Keferloh. Deren Name trägt nun eine Straße des Viertels, das Zentrum des früheren Milbertshofen lag in der heutigen Motorstraße. Südlich davon, am Milbertshofener Platz, befindet sich die von Eduard Herbert und Otho Orlando Kurz entworfene Kirche St. Georg.

1913 wurde Milbertshofen, das erst drei Jahre zuvor zur Stadt erhoben wurde, in München eingemeindet. Industrieunternehmen wie Knorr-Bremse und BMW prägen die Gegend. Ausgedehnte Gewerbeflächen finden sich neben Mietwohnanlagen, die zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erbaut wurden. Dazwischen stehen auch wenige Einfamilien- und Reihenhäuser.

 

In jüngerer Zeit verwischen die Unterschiede zum benachbarten Schwabing. Seit der Freigabe des Autotunnels vor gut zehn Jahren hat sich das Zusammenwachsen der Stadtviertel beschleunigt. Der Petuelring, ein Abschnitt des stark befahrenen Mittleren Rings, der ehemals eine Barriere zwischen Milbertshofen und Schwabing bildete, ist nun weitgehend durch den Bau des Petueltunnels unter der Erde verschwunden. Wo früher Schwerlaster rauschten, flanieren heute junge Familien und picknicken Studenten in einem schmalen Park. Denn auf der Tunneldecke entstand nach dem Grünkonzept der Landschaftsarchitekten Jühling und Bertram der Petuelpark. Die Stadt entwickelte mit dem Künstler Stephan Huber ein Parcours mit Skulpturen wie den von Pia Stadtbäumer gestalteten Kunststoff-Muli in Wild-West-Anmutung und Roman Signers Wasser spritzendes Stiefelpaar. Beliebter Treffpunkt ist der Fontänenplatz vor dem Petuelcafé des Architekten Uwe Kiessler. Unweit davon liegt der Generationengarten, eine 400 Quadratmeter große Oase mit Obstbäumen und Beerensträuchern, in dem sich die Anwohner in einem halbrunden Gartenpavillon treffen und ihrer Gartenleidenschaft frönen können.

 

Milbertshofen ist ein Arbeiterviertel mit hohem Ausländeranteil. Die Geschossbauten entlang stark befahrener Straßen wie dem Frankfurter Ring, dem Petuelring, der Schleißheimer Straße und der Leopoldstraße sind einem weit höheren Lärmpegel ausgesetzt als die Häuser dahinter. Dennoch ist das gesamte Viertel im Mietspiegel als durchschnittlich eingestuft. Im Aufwärtssog der Schwabinger Wohnungspreise sind auch die in Milbertshofen kräftig gestiegen. BMW-Mitarbeiter des angrenzenden Stammwerks am Riesenfeld und des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) im benachbarten Am Hart sorgen für weitere Nachfrage.

Laut dem Masterplan „FIZ Future 2050“ will BMW das FIZ auf dem Gelände der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne ausbauen, um dort Platz für 15.000 Arbeitskräfte zur Entwicklung von Elektro-Autos zu schaffen. „Durch den Ausbau von BMW wird sich das Viertel weiterentwickeln“, sagt Claus Kiermaier, Geschäftsführer des Maklerunternehmens eigenwert, einer Beteiligung der Münchner Bank und Colliers.

Aktuell vermarktet eigenwert etwa 100 möblierte Apartments mit Wohnflächen von 18 bis 31 Quadratmeter des lifeapp (Bild oben rechts), einer Anlage, die zur Zeit in der Knorrstraße, Höhe Keferlohstraße, modernisiert und generalüberholt wird. Die Quadratmeterpreise liegen bei 5800 Euro. Wegen der kleinen Wohnflächen werden Apartments bereits ab etwa 100.000 Euro offeriert. „Bis Jahresende sollen sie bezugsfertig sein“, so Kiermaier.

 

 

Weiter nördlich errichtet die Alva Wohnbau in der Knorrstraße 66 bis 68 eine weitere Wohnanlage mit dem Namen Stadtdomicil (Bild oben links). Die Preise der 44 Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 55 und 187 Quadratmetern liegen zwischen 5500 und 6500 Euro pro Quadratmeter. Die Wohnungen sollen Mitte nächsten Jahres fertiggestellt sein. Ebenfalls in der Knorrstraße sind Studentenapartments (Studio M) neu entstanden und seit Ende 2012 voll vermietet.

Weiter westlich, am Wallensteinplatz, baut die Demos zudem 50 Wohnungen, die ebenfalls bis Mitte 2014 errichtet sein sollen. Die Preise sind zwar niedriger als im Stadtdomicil, doch sind mit Ausnahme von vier bereits alle Wohnungen verkauft.

Günstiger wohnen die Bewohner des neu aussehenden Gebäudes in der Schleißheimer Straße 313 bis 315. Die im Besitz des städtischen GWG München befindlichen Häuser wurden 1953 erbaut, aber vor wenigen Jahren modernisiert und aufgestockt. Die Mieten der einkommensorientiert geförderten Wohnungen liegen bei etwa sechs Euro pro Quadratmeter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Milbertshofen ist ein Bezirksteil von Milbertshofen - Am Hart. Es grenzt nach Westen an das Nachbarviertel Am Riesenfeld und nördlich der Gleisanlagen an das Viertel Am Hart. Nach Süden bildet der Petuelpark und der Petuelring die Grenze zum Stadtbezirk Schwabing-West.                                      

Einwohner: In Milbertshofen wohnen relativ viel Ausländer. Das Durchschnittsalter der Menschen im Viertel liegt unter dem Durchschnittsalter der Münchner. Es gibt  etwas mehr Ein-Personen-Haushalte als im Stadtdurchschnitt.

 

Infrastruktur: Das Viertel ist gut durch die U-Bahn-Linie 2 (Haltestelle Milbertshofen, Frankfurter Ring) erschlossen. Am Rand befindet sich im Süden der Petuelpark und im Südwesten der Olympiapark mit seinen Sportstätten und seinem Unterhaltungsangebot. Dort befinden sich auch das BMW-Museum und die BMW-Welt. Einzelhandel wird vor allem entlang der Knorrstraße, dem Frankfurter Ring und der Schleißheimer Straße betrieben.

 

Immobilien: Milbertshofen ist laut Mietspiegel durchgehend eine durchschnittliche Wohnlage. Preise für Bestandswohnungen sind 2012 um zwölf Prozent in die Höhe geschnellt. Auch bei Neubauten ist der Preisanstieg sehr stark