Das Hasenbergl - München günstigstes Viertel putzt sich raus

Lange galt das Viertel im Norden Münchens als Ort monotoner Architektur und als sozialer Brennpunk. Doch im Hasenbergl hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Das Quartier bietet eine gute Infrastruktur, ein breites Freizeitangebot und viel Grün – zu sehr günstigen Mieten.

 

Trotz aufwendiger Imagekampagne verbinden viele Münchner mit dem Hasenbergl noch den sozialen Brennpunkt der Stadt. Hohe Arbeitslosigkeit, ein überdurchschnittlicher Ausländeranteil, geringe berufliche Qualifikation der Bewohner sowie eine seelenlose Wohngegend mit Hochhäusern ohne urbanes Zentrum  prägten die Vorstellung von dem Stadtviertel im Norden der Stadt.

Auch wenn heute einiges davon noch zutrifft, halten die Bewohner den Ruf für ungerechtfertigt. Seinen Namen verdankt die Gegend seiner Nutzung als Hasengehege im 18. Jahrhundert für die kurfürstliche Jagd des benachbarten Schloss Oberschleißheim. Als Wohngegend entstand das Viertel aber erst mit der Grundsteinlegung am 25. Mai 1960. Wohnungsbaugesellschaften wie die Neue Heimat, die Südhausbau, GWG, Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern und das ESW Evangelisches Siedlungswerk errichteten hier auf städtischem Grund mit 96 Prozent öffentlichen Geldern Wohnraum. Bis 1970 entstand eine für diese Zeit typische Großwohnsiedlung mit 8200 Wohnungen und mehr als 26.000 Einwohnern. Nach Entwürfen der Architekten Ernst Maria Lang, Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow wurde eine Siedlung mit einer großen öffentlichen Grünfläche mit dem Charakter einer Parklandschaft in lockerer Bebauung angelegt. Trotz Errichtung kleinerer Ladengruppen, mehreren Kirchen, Schulen und Sportplätze wurde das Viertel bald von einem schlechten Image geprägt. Beigetragen hat dazu die Unterkunftsanlage für städtische Obdachlose des ehemaligen NS-Lager Frauenholz. Die ursprünglich von Familien mit Kindern geprägte Siedlung verlor bis Mitte 1980 ein Viertel der jungen Generation durch Wegzug. Seit 1990 zogen dafür zunehmend ausländische Familien nach. Vor allem fehlten Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten im Viertel. Die Läden waren bald von Leerständen geprägt, soziale Treffpunke fehlten, die bis zu 14 Stockwerken hohen Wohnhochhäuser galten als wenig attraktiv.

Doch seit eineinhalb Jahrzehnten hat sich am Erscheinungsbild des Hasenbergls und seiner Infrastruktur grundlegendes geändert. 1993 wurde das Viertel vom Münchner Stadtrat zum Sanierungsgebiet erklärt. Damit verbunden war eine umfangreiche Investitionstätigkeit in das Ausbildungsangebot, der Infrastruktur, der Verbesserung des Landschafts und Freiflächenangebots sowie dem Bau zusätzlichen Wohnraums.

Soeben wurde das neue Kulturzentrum an der Ecke Dülferstraße/Blodigstraße von OB Christian Ude eröffnet. „Direkt an der U-Bahnstation Hasenbergl gelegen, soll das markante neue Gebäude als lebendiges Informations- und Kommunikations-zentrum dienen und den Münchner Norden so weiter aufwerten“, so Münchnes Oberbürgermeister. Die DIBAG Industriebau AG hat den viergeschossigen Baukörper mit weißer Fassade nach Plänen der Architekten errichtet, wobei die Hauptfunktionen – Bibliothek im Erdgeschoss und Bürgersaal im dritten Obergeschoss  – durch großflächig verglaste Bereiche betont werden. Die Münchner Stadtbibliothek bietet in ihrer neuen Mittelpunktsbibliothek auf zwei Stockwerken über 40.000 Medien an. Die VHS verfügt im 2. Stock über sieben Unterrichtsräume, unter anderem einen Computerraum mit modernsten Geräten, einen Bewegungsraum und eine Lehrküche. Der dritte Stock steht für bürgerschaftliches Engagement und kulturelle Aktivitäten zur Verfügung.Daneben befindet sich als überdachter Marktplatz mit einer großen Dachscheibe das eingeschossige Nahversorgungszentrum mit einen Edeka-Supermarkt und eine Zeile mit kleineren Ladengeschäften. „Das zuletzt etwas verwaiste Quartierszentrum an der Blodig- und Dülferstraße wird so wieder zu einem vitalen Begegnungszentrum für alle Generationen und Kulturen“, prohezeit Christian Ude.

Bereits in den Jahren zuvor entstanden durch Zusammenarbeit mit der eigens dafür gegründeten Bauhütte Hasenbergl, Architekten und Künstler (siehe Seite 09) neue Kindertagesstätten, das Ladenzentrum Steiner, ein Senioren-Pavillon und das Förderzentrum „Junge Arbeit“. Verschiedene Grün- und Freizeitflächen wurden entweder neu geschaffen (Goldschmiedeplatz, großes Bild oben; Erlebnisspielplatz Feldmochinger Anger) oder neu gestaltet (Dülferanger, Aschenbrennerstraße 6). „Der Goldschmiedeplatz ist ein großer, offener Platz, der von unterschiedliche Gruppen gleichzeitig genutzt werden kann“, so Ulrich Riedel, vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung in der Brochüre zur Stadtteilsanierung des Hasenbergls. „Am Morgen können ausländische Frauen in Großgruppen da sitzen, dann kommen die Schulkinder, später die Tischtennis- und Volleyballgruppen und am Abend wird gegrillt.“

Vor allem aber wurde das Erscheinungsbild der Wohngebäude, die lange durch die Großmaßstäblichkeit der Siedlung und monotone Architektursprache geprägt war, durch Nachverdichtung mit modernen Reihenhäusern und übersichtlichen Geschosswohnungs- bauten entlang den Straßen entgegengewirkt. Ein Beispiel dafür ist das gerade im Bau befindliche Wohngebäude nach Plänen der Architekten bogevisch büro (Bild rechts) oder die bereits vor Jahren errichteten Reihenhäuser in der Aschenbrennerstraße (Bild links) durch die GWG-München. Grün war das Hasenbergl schon immer, nun steigt auch die Qualität der Wohnarchitektur.

 

Das Viertel in Zahlen

 

Der Bezirksteil Hasenbergl-LerchenauOst gehört zum 24. Stadtbezirk, der flächenmäßig zu den größten in München zählt: Feldmoching-Hasenbergl erstreckt sich auf 2893 Hektar. Elf Prozent davon sind Erholungsfläche. In kaum einem anderen Stadtbezirk in München ist noch so viel Platz. Im Osten und Süden grenzt der Bezirksteil an den Bezirk Milbertshofen – Am Hart. Im Norden stößt das Hasenbergl an die Münchner Stadtgrenze – die Gemeinde Oberschleißheim mit dem namensgleichen Schloss befindet sich in der Nähe. Westlich davon liegt der Bezirksteil Feldmoching.

Einwohner:  Das Viertel ist eines der am lockersten bebauten in München. Die Bewohner haben oft ein niedriges Einkommen, sind überdurchschnittlich oft Ausländer. Es gibt relativ viele Familien mit Kindern, aber auch viele Haushalte mit älteren Menschen.

Infrastruktur: Das Quartier verfügt durch die Haltestellen Dülferstr. und Hasenbergl Anschluss an die U-Bahnlinie 2. Mit dem Bau der U-Bahn wurde auch die Anbindung an die Innenstadt deutlich verbessert. Lange Zeit waren Bus und Tram die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel, die ins Hasenbergl gefahren sind. Verschiedene Ladenzeilen wie der Edeka im neuen Kulturzentrum oder der von der Bauhütte Hasenbergl und dem Architekten Peter Ottmann miterrichteten Markthalle der Südhausbau am „Steiner“ (siehe Bild links) sowie das Einkaufszentrum Mira an der Schleißheimer Straße.

Das Quartier verfügt über einige architektonisch interessante Kirchenbauten. So befinden sich am Staniglplatz die Katholische Pfarrkirche St. Nikolaus, einem sichtziegeliger Zentralbau aus vier kreuzförmig angelegten halbkreisförmigen Wandschalen mit einem markanten Spitzturm (Architekt: Hansjakob Lill, Bild rechts unten) sowie der gegenüberliegenden Evangelisch-Lutherischen Evangeliumskirche , einem schlichten, längsgerichteten Saalbau in Betonskelettweise mit Ziegelausfachung und einem freistehenden Turm (Architekten: Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow).

Im Norden des Viertels befindet sich an der Wintersteinstraße die Kirche Mariaä Sieben Schmerzen mit einem auffälligen Beton-Zeltdach (Bild links).

Die Erholungsgebiete Korbiniani Holz im Norden, das Hartelholz im Osten und der Feldmochinger Anger grenzen direkt an das Viertel.

 

Immobilien: Eines der günstigsten Viertel mit hohen Freizeitwert.

 

Weitere Informationen:

Kunst und Architektur: made in Hasenbergl

 

 

Bilder: Ulrich Lohrer, Animation bogevisch buero/GWG-München