Baukräne über dem Hackenviertel

In der Altstadt werden ganze Gebäudeblöcke abgerissen.  Hinter alten Fassaden entstehen komplett neue Gebäude zum Wohnen, Arbeiten und Konsumieren. Zum Verkauf angeboten werden bereits die gerade im Bau befindlichen Wohnungen – und finden trotz gepfefferten Preise Absatz.

 

Erstmals erwähnt wurde das Hackenviertel 1326. Damals lag es noch außerhalb der Stadtmauer und war – wie der Name „Hag“ vermuten lässt – ein eingefriedetes, eingezäuntes Gelände. Nun soll das Viertel zwischen Kaufingerstraße, Altstadtring und Sendlinger Straße – längst zu den zentralsten Lagen Münchens Altstadt gehörend – entgegen seinem Namen geöffnet werden. 

Denn auf dem ehemaligen Stammgelände des Süddeutschen Verlages und der Abendzeitung an der Sendlinger Straße entsteht das neue offene Quartier Hofstatt.  Im Auftrag des neuen Eigentümers, der LBBW Immobilien Capital, entwickelt Hines Immobilien ein rund 11.000 Quadratmeter großes Quartier mit Ladenpassagen, Büros und Wohnungen nach dem Entwurf des Züricher Büros Meili, Peter Architekten. Das geschlossene Areal soll durch eine dreiarmige Passage mit Innenhöfen und Grünflächen geöffnet werden.

 

 

 

 

Das zuletzt von der Süddeutschen Zeitung genutzte, von Max Littmann 1905 bis 1906 für die Münchner Neueste Nachrichten erstellte Gebäude steht dabei wegen der eigenartigen Muschelkalk-Fassade und den damals als modern geltenden Eisenbetondecken unter Denkmalschutz.  Die Baustelle mit Altlasten, denkmalgeschützten Gebäudeteilen inmitten der dicht bebauten Altstadt stellt nicht nur Planer und Handwerker auf eine Belastungsprobe. "Wir unternehmen alles, um die Belastungen für die Anwohner zu reduzieren“, versichert Daniel Reichwein, Projektleiter bei Hines Immobilien. Noch dieses Jahr sollen sämtliche Rohbauarbeiten abgeschlossen werden und damit für die Anwohner das Schlimmste an Lärm und Schmutz ausgestanden sein.

 

 

 

 

 

 

Preisspitze im City-Neubau

„2013 soll die Hofstatt fertiggestellt sein, die Wohnungen können aber bereits im nächsten Jahr bezogen werden“, sagt Stefan Sagner, von der Agentur Waechter und Waechter. Das von Bauwerk Capital offerierte Angebot umfasst Single-Appartements im Neubau an der Hotterstraße (siehe die beiden Bilder oben) sowie Wohnungen in kombinierten Alt- und Neubauten in der Hackenstraße (beide Bilder der Innenhöfe unten).

Die Wohnungen ohne Dielen zeichnen sich durch offene Grundrisse und helle Räume aus – ein Markenzeichen des Architekturbüros Meili, Peter. Exklusiv sind auch die Preise der angebotenen Wohnungen: Die Spannweite reicht von 6300 Euro pro Quadratmeter bis zu 12.000 Euro in der Spitze für die Penthouses mit Dachterrassen. „Das sind Wohnungen für Menschen, die das Besondere suchen. Wir rechnen mit einer enormen Nachfrage“, sagt Jürgen Schorn, geschäftsführender Gesellschafter von Bauwerk Capital. Nach Angaben der Website der Hofstatt sind von 69 Wohnungen bereits 22 verkauft und 20 reserviert. Die Käufer sind Millionäre: Die Wohnungspreise liegen zwischen ein und zwei Millionen Euro.

Nur ein Steinwurf vom 15 Meter tiefen Baugraben der Hofstatt entfernt befindet sich zwischen  Altenheimer Eck und Neuhauser Straße die zweite Großbaustelle des Viertels. Zwischen Münchens Haupteinkaufsmeile und dem sonst so dicht bebauten Altstadtteil öffnete sich eine ungewohnte freie Sicht: Auf einer riesigen Baufläche schaffen Bagger Bauschutt weg, und werden mit gewaltigem Druck Verschalungen und Stützpfeiler eingehämmert.

Hier hat die Bayerische Hausbau zuvor ihr Karstadt-am-Dom-Haus abreißen lassen. Es wird durch ein Gebäude mit drei „Shoplösungen“ ersetzt: Auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück entsteht deshalb nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi ein Geschäftshaus mit getrennten Einzelhandels- und Büroeinheiten, Wohnungen in gehobenem Segment sowie einer öffentlichen Tiefgarage. Ein ähnlicher Mix also wie bei der Hofstatt.

„Im April 2011 haben wir den Abbruch abgeschlossen, nun laufen die Tiefbauarbeiten“, erläutert Sabine Hagn von der Bayerischen Hausbau in München. „Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Herbst 2013 vorgesehen.“ Bis dahin werden im Hackenviertel noch einige Kubikmeter Beton fließen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen

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