Großhadern: Villen an der Großklinik

Zwischen dem Waldfriedhof und Klinikum Großhadern befindet sich eine Villengegend mit kleinere Wohnhäusern und vereinzelten Geschosswohnungsbauten. Die gute Wohnlage und der oft gute Verdienst der Bewohner spiegelt sich im hohen Preisniveau der Wohngegend wider.

 

 

Ende Januar 2015 verkündete der Freistaat eines der größten Krankenhausprojekte Deutschlands. „Die Bayerische Staatsregierung hat grünes Licht für die Planung einer Neubaulösung am Standort Großhadern gegeben, bei der der Altbestand des Klinikums nach und nach durch neue Gebäude ersetzt werden soll“, so Ludwig Spaenle (CSU), Bayerischer Staatsminister für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst. In den nächsten 20 Jahren will Bayern in Großhadern dafür 40 Millionen – pro Jahr – investieren. Nach Erfahrungen mit vergleichbaren öffentlichen Großprojekten bestehen Zweifel, ob die veranschlagten Kosten in Höhe von einer halben Milliarde Euro für den Neubau des Großklinikums wohl ausreichen.

Vom Bauerndorf zum zweitgrößten Klinikstandort Deutschlands

Das ehemalige Bauerndorf hat sich längst zur größten zusammenhängenden Krankenpflegestation und zum größten Gesundheitszentrum Deutschlands nach der Berliner Charité entwickelt. Vor 60 Jahren wurde beschlossen, auf einer 70 Hektar großen Wiese das Klinikum Großhadern nach dem Entwurf der Architekten Godehard Schwethelm, Walter Schlemp und Werner Eichberg zu errichten, in dem erstmals 15 Kliniken und vier Institute zentral an einem Ort untergebracht wurden. Von 1967 bis 1977 wurde der Gesundheitskomplex errichtet. Bereits damals schon wurden dafür 367 Millionen Euro benötigt. 

Toaster als Wahrzeichen Großhaderns

Zu dem auch Großhaderns Wahrzeichen, ein 60 Meter hohes und 205 Meter langes Bettenhochhaus, gehört. Aufgrund seiner Form und Dachkonstruktion wird das Gebäude auch  „Toaster“ genannt. Der Dachaufbau dient dabei als Fassadenbefahranlage zur Außenreinigung und Reperatur der Fenster sowie für die Abluftanlage der Belüftung des Klinikums. Die medizinischen Schwerpunkte liegen in der Onkologe, Neurologie, der Behandlung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie der Transplantation.

In der Nähe des Universitätsklinikum siedelten sich weitere Gesundheitseinrichtungen wie das Ronald McDonald Haus der McDonald Kinderhilfe und das Kinderzentrum an. Westlich von Großhadern entstand der Biotech-Campus Martinsried

Auch soll der schrittweise Neubau des Großklinikums nicht nur die bestehenden Klinkbauten ersetzen, sondern auch zum Teil bislang im Viertel Ludwigsvorstadt Kliniken befindliche Institute zusätzlich aufnehmen. So entschied sich im Sommer der Wettbewerb für das Neue Hauner in Großhadern zugunsten eines Entwurfs Münchner Architekturbüro Nickl und Partner. Die „Dr. von Haunersches Kinderspital“ in der Isarvorstadt soll nun 2022 in das auf 22.000 Quadratmeter groß geplante Bauwerk mit 276 Betten in Großhadern umziehen.

Großhadern bietet bereits heute Beschäftigung für mehrere tausenden Ärzte, Pfleger, Wissenschaftler und Ausbilder. Dies hat auch Auswirkungen auf die umliegende Wohngegend, die weitgehend durch kleinteilige Bebauung mit Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern mit wenigen Stockwerken geprägt ist. Qualifizierte Beschäftigte mit langen Arbeitszeiten, darunter gut verdienende Ärzte und Wissenschaftler, haben hier Eigenheime gekauft, um den Weg zu ihrer Arbeit möglichst kurz zu halten. Der südlichste Bezirksteil des 20. Münchner Stadtbezirks wird im Mietspiegel München 2015 außer der direkten Bebauung an der  Würmtalstraße und Sauerbruchstraße als gute Wohnlage eingestuft.

Großhadern, das lange dem Kloster Benediktbeuren gehörte,  wurde 1065 erstmals urkundlich erwähnt. Der ehemalige Dorfkern befindet sich bei der 1315 errichteten, im 17. Jahrhundert im Barockstil umgestalteten Kirche St. Peter (Bild ganz links oben) unweit der U-Bahnhaltestelle Großhadern. In der Heigelhofstraße liegen auch einige, zum Teil im Mittelalter erbaute Bauernhäuser – der Zacherlhof (Hausnummer 4), der Heiglhof (8), der Bauschneiderhof (12/14) sowie das Schneidergütl (13), in dem das Gasthaus Erdinger Weißbräu untergebracht ist. Nördlich, in der Würmtalstraße 113, befindet sich das 1903 im großstädtischen Neurenaissance-Stil erbaute Weiße Bräuhaus (Bild links oben).

Ab 1905 wurde östlich davon im Hochwaldforst von Schloss Fürstenried vom Stadtbaurat Hans Grässel der Münchner Waldfriedhof – der erste Waldfriedhof in Deutschland –  angelegt. Bereits 1907 fertig gestellt, wurde er von 1963 bis 1968 von Hans Römer erweitert, Heute nimmt es mit 170 Hektar fast die Hälfte des Bezirksteils Großhadern ein und ieine der größten geschlossenen Grünanlage Münchens ist.

Begehrte Villen der Gartenstadt Südwest

Um diese Zeit wurde westlich des Waldfriedhofs zudem mit dem Bau der „Gartenstadt Südwest“  zwischen der Würmtalstraße, der Sonnenblumenstraße und der Pfingstrosenstraße durch die Terraingesellschaften Waldfriedhof und Hadern begonnen. Der erste Weltkriegs und die darauf folgende Krisenjahren der Weimarer Republik verhinderte jedoch die Vollendung der „Gartenstadt Südwest“ nach dem ursprünglichen Plan. Noch erhalten sind nur wenige Häuser aus dieser Zeit, so eine Villa im bayerischen Landhausstil von Franz Böttge (Pfingstrosenstraße 14) und zwei Villa im Heimatstil von Rudolph Hofmann (Pfingsrosenstraße 16, Pelargonienweg 8).

In den 1950er-Jahren setzte jedoch wieder westlich davon bis zum ehemaligen Dorfkern eine verstärkte Bebauung mit individuellen Wohnhäusern ein, so dass Großhadern heute weitgehend eine solche Wohnbebauung aufweist. Mit dem Bau des Großklinikums entstanden dann auch östlich der Sauerbruchstraße im typischen Stil der 1960-er und frühen 1970er Jahre mehrgeschossige Betonwohngebäude für Studenten sowie Eigentums- oder Mietwohnungen für andere Bewohner. Eher im leicht verspielten postmodernen Stil wurde dagegen von 1978 bis 1986 die Wohnanlage Heigelhofstraße mit grünen Innenhöfen nach Plänen von Hilmer und Sattler erbaut. Zuletzt entstand südlich des Großklinikums an der Prälat Wellenhofer-Straße eine größere zusammenhängende Wohnanlage.

Schmucke Häuser zu stolzen Preisen 

Neue Wohnhäuser werden zwar auch heute noch in Großhadern gebaut, doch diese entstehen weitgehend durch Nachverdichtung in der Villengegend durch Anbau oder anstelle abgerissener älterer Häuser. So entsteht in der Sonnenblickstraße 13 in der Nähe des Waldfriedhof ein Mehrfamilienhaus, bei der eine 112 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung mit vier Zimmer von der BVGI Leyerer für knapp 900.000 Euro angeboten wird. Dies entspricht einem Quadratmeterpreis von über 8000 Euro. Eine zehn Jahre ältere Dachgeschosswohnung mit 120 Quadratmeter Wohnfläche bietet ein Makler von Engel & Völkers für 845.000 Euro – rund 7000 Euro pro Quadratmeter – an. Neuerbaute Doppelhaushälften werden oft zu Preisen von gut einer bis 1,2 Millionen Euro angeboten.

Spürbar günstiger, aber oft nur von durchschnittlicher Wohnlagequalität sind die Preise in den nördlichen Bezirksteilen Haderns, Neuhadern oder der Blumenau. Mit den Neu- und Ausbau des Großklinikums wird aber wohl auch künftig die Nachfrage in Großhadern durch ein zahlungskräftiges Klientel groß bleiben.

 

Das Viertel in Zahlen

 

Großhadern ist einer von drei Bezirksteilen des südwestlich gelegenen 20. Münchner Stadtbezirk Hadern. Nördlich der Würmtalstraße grenzt Großhadern an das Nachbarviertel Neuhadern an, im Osten bildet die Fürstenrieder Straße die Grenzlinie zum Bezirksteil Am Waldfriedhof (obwohl der Waldfriedhof zu Großhadern gehört) des 7. Münchner Stadtbezirks Sendling-Westpark. Der südliche Teil des Waldfriedhofs grenzt entlang der Garmischer Autobahn A 95 an Forstenried und entlang dem westlichen Teil der Forst-Kasten-Allee an Fürstenried, beides Bezirksteile des 19. Münchner Stadtbezirks. Westlich des Klinikums verläuft die Münchner Stadtgrenze. Gegenüber befindet sich im südlichen Bereich die Gemeinde Neuried und im nördlichen Bereich der Campus Martinsried, der zur Gemeinde Planegg gehört.

Einwohner: Die Alterstruktur der Einwohner von Großhadern entspricht ziemlich genau dem der Stadt. Es gibt weniger Single-Haushalte und relativ viel 4-Personen-Haushalte.

Infrastruktur:  Es besteht über die U-Bahnhöfe Großhadern und Klinikum Großhadern Anschluss an die Linie U6. Zudem verkehren verschiedene Metro- (Linien 54, 56, 167) und Regionalbuslinien (266, 268, 269). Mit dem Auto erreicht man über die Ausfahrt Großhadern die Lindauer Autobahn (A 96) angebunden.

Immobilien: Die Preise für Eigentumswohnungen und Eigenheime liegen über dem Durchschnitt der Stadt. Relativ viel Einfamilienhäuser, wenig Mietwohnungen und geringes Angebot.

Text und Fotografien Ulrich Lohrer, Ersterstellung 11.10.2015