Forstenried: Dorf, Königsschloss und Scheibe

Früher bestand die Gemeinde Forstenried aus kleineren Dörfern und dem Jagdschloss Fürstenried. Seit dem Bau der Großsiedlungen ab Ende der 1950er Jahre stoßen hier Geschosswohnungsbauten und Einfamiliensiedlungen aufeinander. Die Stadtsparkasse will das Stadtteilzentrum modernisieren, erweitern und aufwerten.

 

König Ludwig II. besuchte seinen Bruder oft heimlich nachts in Schloss Fürstenried (Bild links unten). Otto, der seit dem deutsch-französischen Krieg 1871 als „schwermütig“ galt, war dort seit 1883 untergebracht. Nachdem Ludwig auf mysteriöse Weise im Starnberger See ertrank, wurde Otto am 13. Juni 1886 zum König proklamiert.

Ottos Onkel Luitpold und nach dessen Tod Ottos Cousin Ludwig herrschten in Bayern als Prinzregenten. Der Geisteskranke, obwohl nominell König, verblieb, kettenrauchend in Apathie und Halluzination versunken, für den Rest seines Lebens in dem abgelegenen Schloss. Kurfürst Max Emanuel hatte es zwischen 1715 und 1717 nach Entwürfen Joseph Effners als Jagdschloss errichten lassen. Für Otto I. wurde es eigens umgebaut: Die elegant eingerichteten Appartements des Königs befanden sich im Erdgeschoß, Adjutanten, Hofmarschall, Arzt und Dienerschaft bewohnten den ersten Stock.

Am 1. Oktober 1916 starb König Otto I., von seinen Zeitgenossen nahezu vergessen, dort an Darmverschlingung.

Heute rauscht direkt neben dem Barockschloss, das nun als Exerzitienhaus des Bistums München und Freising dient, der Autoverkehr der Garmischer Autobahn A 95. Schloss Fürstenried gehört zum südlichsten, dem 19. Stadtbezirk Münchens. Noch zu Lebzeiten Ottos – am 1. Januar 1912 – war die Gemeinde Forstenried, zu der seit 1818 auch Fürstenried  gehörte, in München eingemeindet worden.

 

Trabantenstadt FürstenriedOst

Um das Schloss befinden sich die in den 1960er-Jahren entstandenen Großwohnanlagen Fürstenried Ost, Fürstenried West sowie Neuforstenried. Der Gegensatz zwischen „Versailles en miniature“ und den umgebenden Trabantenstädten könnte nicht größer sein. Zwischen 1959 und 1971 entstanden hier mit der östlich gelegenen Parkstadt Solln über 12.500 Wohnungen für 25.000 Bewohner.

Dass trotz der dichten Bebauung die nun, zum Teil etwas heruntergekommenen, Wohnanlagen nicht trost- und seelenlos wirken, liegt an dem von Fred Angerer ausgearbeiteten städtebaulichen Konzept mit dem großzügigen Binnen-Grünraum, der nun zum Teil einen über 50 Jahre alten Baumbestand aufweist. Einen markanten Hochpunkt bildet in Fürstenried Ost die von Angerer entworfene 14-geschossige, in drei Gebäudeteile gegliederte Scheibe, das Sparkassenhochhaus. Es bildet mit dem Einzelhandelsbereich an der U-Bahn-Haltestelle Forstenrieder Allee das an der Züricher Straße gelegene Stadtteilzentrum. Daran schließt ein Park an, der im Südwesten an die von Herbert Groethuysen 1963 entworfene Pfarrkirche St. Karl Borromäus (Bild links) grenzt.

Der Eigentümer des Scheibenhochhauses (siehe Bild links mit Blick von Südwesten), die Stadtsparkasse München, beabsichtigt nun, das Areal durch Modernisierungen und Erweiterungen aufzuwerten. Mit rund 12.500 Quadratmeter zusätzlicher Geschoßfläche und einem ausgewogenen Nutzungsmix aus Mietwohnungen, Ärztehaus, Einzelhandel und einer Kita soll das Grundstück als Stadtteilzentrum gestärkt werden.

Den im vergangenen Jahr ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb gewannen im Sommer dieses Jahres die Münchner Falk von Tettenborn Architekten mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten. Der Entwurf von Falk von Tettenborn fasst den Sparkassenplatz durch seitliche Neubauten (siehe Entwurf unten).

Diese bestehen aus zwei L-förmige vier- bis fünfgeschossige Baukörper. Auf dem Neubau an der Züricher Straße setzt er zudem einen aus dem Achsraster gedrehten siebengeschossigen Turm. Der Hochpunkt schafft mit dem vorgelagerten Marktplatz eine Verbindung zu dem Zentrum an der Kreuzung Forstenrieder Allee/Züricher Straße (siehe Foto Kreuzung rechts ganz oben und Visualisierung rechts oben). Der vom Landschaftsarchitekten Reimer Schmidt entworfene Gartenhof soll den West-Ost verlaufenden Grünzug von der Pfarrkirche St. Karl Borromäus durch das Wohngebiet Züricher Straße/ Genfer Straße verlängern.

 

Das Dorf und die Einfamilienhaussiedlungen

Während Fürstenried Ost als nördlicher Teil des östlich von der Autobahn und dem Fürstenrieder Schloss gelegene  Stadtteils ganz von den Bauten der 1960er-Jahre bestimmt ist, ergibt sich südlich der Züricher Straße in Forstenried mit Einfamilienhäusern und Villen ein komplett anderes Bild. Der alte Ortskern des im Jahr 1166 erstmals erwähnte „Uorstersriet“ liegt um die 1420 erbaute Pfarrkirche Heilig Kreuz und dem 1725 errichteten Forsthaus (siehe Aufmacherbild oben). Mit dem gegenüber liegenden Derzbachhof (siehe Bild links),  dem  Gasthof Alter Wirt und dem Gasthof zur Post wird „die Erinnerung an das ehemals charakteristische, dörfliche Raumbild wachgehalten“ (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege).

Dort wird in den umliegenden Straßen vereinzelt gebaut, etwa in der Oberstorferstraße (Bild rechts), in der Forstenrieder Allee 221 oder in der Spielmannsauer Straße. In der scheinbar ländlich gelegenen Einfamilienhaus-Siedlungen werden allerdings die für München üblichen Preise aufgerufen. So bietet die EWK Wohnbau die Eigentumswohnungen in der im Bau befindlichen Wohnanlage in der Derfflingerstraße für 474.000 Euro an. Bei 72 Quadratmetern entspricht dies einem Quadratmeterpreis von stolzen 5792 Euro. Eine anspruchsvolle Architektur darf man dabei nicht erwarten.

Die findet sich in der Mindelheimer Straße mit dem 1957 von den Architekten Werner und Grete Wirsing für sich selbst errichteten lang gestreckten Flachdach-Bungalow im Stil der klassischen Moderne (Bild links). Forstenried hat durchaus bauliche Schönheiten zu bieten, auch wenn dort heute keine Könige mehr wohnen.

 

Das Viertel in Zahlen

 

Forstenried wurde erstmals im Jahr 1166 als „Uorstersriet“ erwähnt. Der Name setzt sich zusammen aus den Wörtern „Uorst“  für Forst und „Riet“ für Rodung. Der alte Ortskern lag um die Pfarrkirche Heilig Kreuz. Seit 1818 setzte sich die Gemeinde Forstenried neben dem eigentlichen Forstenried auch nich aus Fürstenried, Ober- und Unterdilljäger und Maxhof zusammen. Die Gemeinde Forstenried wurde am 1. Januar 1912 nach München eingemeindet. Zwischen 1959 und 1971 wurden auf der Gemarkung Forstenried drei Großwohnanlagen errichtet. Mit Neu-Forstenried, Fürstenried Ost und Fürstenried West sowie mit der östlich davon auf Sollner Flur gebauten Parkstadt Solln entstanden über 12.500 Wohnungen für mehr als 25.000 Bewohner.

Forstenried ist heute der 3. Bezirksteil des 19. Münchner Stadtbezirk, der die lange Bezeichnung Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln trägt. Verwirrenderweise befindet sich die Großsiedlung FürstenriedOst im Bezirksteil Forstenried und die Großsiedlung Neuforstenried im Bezirksteil Fürstenried-West.

Die Grenze des Bezirksteils Forstenried bildet im Nordwesten und im Westen einfach die Autobahn A 95 – westlich gegenüber liegt also der Nachbarschaftsbezirksteil Fürstenried-West. Im Nordosten bildet die Boschetsrieder Straße zwischen der Autobahnausfahrt München-Kreuzhof und der Drygalski Allee die Grenze zum Bezirksteil Waldfriedhof des 7. Münchner Stadtbezirks (Sendling-Westpark). Von der Boschetsrieder Straße im Norden bis zur Stadtgrenze am gemeindefreien Forstenrieder Park im Süden bildet die Drygalskis Allee die östliche Grenze von Forstenried. Östlich der Drygalski Allee befindet sich im Norden Obersendling und im Süden ab der Stäblistraße Solln

 

 

Einwohner: Im Vergleich zum Durchschnitt der Stadt ist die Bevölkerung in Forstenried überdurchschnittlich alt und weist einen geringen Ausländeranteil auf. Insbesondere in der Großsiedlung Fürstenried-Ost ist der Altersdurchschnitt der Bewohner hoch.

 

Infrastruktur: Mit den Haltestellen Forstenrieder Allee und Basler Str. gibt es zwei Anbindungen an die U-Bahnlinie U3. Durch die A 95 gelangen Autofahrer schnell zum Stadtzentrum oder in den Süden.  Einzelhandel und Schule befinden sich im Stadtteilzentrum in der Züricher Straße. Mit dem Forstenrieder Wald grenzen im Süden und mit dem Südpark sowie dem Waldfriedhof im Norden große Grünflächen an das Stadtviertel. 

 

Immobilien: Im Nordwesten befindet sich zwischen Autobahn und die Linie Züricher Straße – Forstenrieder Allee die zwischen 1959 und 1961 entstandene Großsiedlung Fürstenried Ost mit vorwiegend mehrgeschossige Wohnanlagen, darunter das 14 geschossige Scheibenhochhaus Sparkassenhochhaus.

Südlich der Züricher Straße und im Bereich Maxhof im Norden herrschen Einfamilienhausgebiete vor.

„In Forstenried wurden im Jahr 2013 insgesamt 42 Häuser, 30 Grundstücke, 14 Neubauwohnungen und 209 Bestandswohnungen notariell beurkundet. Forstenried kann übergreifend als gute Wohnlage angesehen werden. Im Vergleich konnten in mittleren Wohnlagen Münchens für Wohnungen abhängig vom jeweiligen Baujahr in etwa folgende Quadratmeterpreise erzielt werden: Baujahr 1950-59: etwa 3.600 Euro, 1960-79: etwa 3.350 Euro, 1980-89: etwa 3.700 Euro, 1990-99: etwa 4.000 Euro, 2000-10: etwa 4.500 Euro und Neubau: etwa 5.250 Euro. Die Angaben sind natürlich reine Durchschnittswerte.“ (PR-Gateway vom 24. September 2014, nennt als Quellen: muenchen.de, Auswertung vom Immobilienmakler-Büro Fischer, München, Immobilienpreise und Quadratmeterpreise aus dem Statistikprogramm der IMV Marktdaten GmbH. Tatsächliche Verkaufszahlen aus dem Immobilienbericht Gutachterausschuss München 2013. Dieser Bericht ersetzt keine qualifizierte Wertermittlung eines Sachverständigen oder Maklers aus München bzw. Forstenried. Auch handelt es sich dabei um Durchschnittswerte, die nur bedingt zu individuellen Kalkulationen herangezogen werden können. Keine Gewähr für Korrektheit und Vollständigkeit der Angaben.).