Ottos später Triumph

In Freising lässt´s sich ruhig leben. Wohnraum in der zweitgrößten Stadt im Großraum München ist aber nicht nur unter Weihenstephans Studenten begehrt. Die Domstadt in Nähe Flughafen wächst rasant. Im Viertel Neustift entstehen nun gleich mehrere neue Wohnanlagen.

 

Im Jahr 1040 – 425 Jahre nach der Stadtgründung von Freising – wurde das Prämonstratenserkloster Neustift (siehe Klostervorhof unten links und Kirchspitze unten rechts) errichtet. Gegründet wurde es von Bischof Otto von Freising (1112–1158), einem der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters.

Freising war mit seinen Priestergemeinschaften mit Klöstern, Bibliotheken, Scriptorien und dem Dom (Bild oben) eines der geistlichen Zentren Deutschlands. 1158 musste Bischof Otto und Freising aber eine herbe Niederlage einstecken. Ausgerechnet der Neffe des Bischofs, Kaiser Barbarossa, urteilte im Augsburger Schiedsspruch gegen seinen "lieben Onkel“ für den Welfenherzog Heinrich der Löwe. Der Welfe hatte eine Freisinger Brücke zerstört, um das von ihm neu gegründete München aufzuwerten.

Längst hat die Stadtgründung von Heinrich den Löwen Freising (Bild links: Freisinger Altstadt) den Rang als Wirtschaftsmetropole abgelaufen, doch glänzt die Stadt unter dem Domberg nun mit guten Zahlen: Sie hat mit 2,2 Prozent eine der niedrigsten Werte bei der Arbeitslosigkeit und eine der höchsten Wachstumsraten Deutschlands. Nicht zuletzt wegen der Nähe zum Münchner Flughafen.

Viele ziehen es auch heute noch  vor, statt in München in Freising zu wohnen – auch wenn sich der Arbeitsplatz in der bayerischen Landeshauptstadt befindet. Die gute Verkehrsanbindung mit S-Bahn und Autobahn nach München lässt die 30-Kilometer-Distanz oft in kurzer Zeit überwinden.

Die Folge: Die Wohnungsnachfrage ist groß, Freisings Immobilienpreise zogen kräftig an. Um die starke Nachfrage wenigstens teilweise zu befriedigen, suchten die Stadtoberen nach neuem Bauland. Und im Stadtteil Neustift, nördlich der Altstadt und in der Nähe von Ottos ehemaligem Kloster, wurden sie fündig.

 

Das Kloster Neustift wurde zwar 1803 aufgelöst, doch diente es danach als Kaserne und heute als Landratsamt. Weiter nördlich, auf dem Lakensberg, entstand 1957 dann sogar eine neue Kaserne. Als 2004 die Bundeswehr aus der General-von-Stein-Kaserne auszog, wurde sie nur zwischenzeitlich von der Bundespolizei genutzt. 2010 wurden dort alle Häuser mit einer Ausnahme abgerissen. Nur das ehemaligen Stabsgebäude (siehe Bild links), in dem sich heute verschiedene Schulen befinden, blieb stehen.

Von den Projektentwicklern wurde das Kasernengelände in SteinPark umbenannt. Bereits im Mai diesen Jahres öffnete das Einkaufszentrum Steincenter (siehe Bild links unten) mit einer Fassade aus Holzstäben seine Tore. Auf einer Verkaufsfläche von fast 5000 Quadratmetern bieten neben dem Lebensmittelmarkt Edeka, der Discounter Aldi und der Drogeriemarkt Müller ihr Sortiment an. Bewirtschaftet wird das Steincenter durch den Eigentümer, der Unternehmensgruppe Küblböck. 

 

Im Herbst 2013 soll auch ein Kinderhaus an der Asamstraße fertiggestellt sein. Der größte Teil des Steinparks wird jedoch von Geschossbauten und Reihenhäusern zum Wohnen eingenommen. Die Ausschreibung für den Losbereich mit etwa 84 Wohneinheiten ist längst entschieden. Auf dem südlich der Planstraße 101 gelegenen Grundstück werden von der Baugemeinschaft buergerbau AG mit der Architekturwerkstatt Gmeiner Habermeyer Huber Wohngebäude errichtet.

Auf dem nördlich angrenzenden Grundstück stehen seit Juli bereits die Kräne und das gemeinsame Verkaufsbüro der Baywobau Baubetreuung und vom Scheidl Bauunternehmen (siehe Bild rechts unten). "Wir errichten bis zum Frühjahr übernächsten Jahres 64 Wohnungen in acht Geschosshäusern sowie Eigenheime in vier weiteren Stadthäusern und auf einem eigenen Grundstück sechs Reihenhäuser“, erläutert Thomas Wagner, Verkaufsleiter von der Baywobau und zuständig für das Freisinger projekt. 31 Wohnungen sind bereits notariell verbrieft, 30 reserviert und 13 Wohnungen werden noch zum Kauf angeboten.

 

Die Preise für 3-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 78 bis 94 Quadratmetern liegen zwischen  340.000 und 380.000 Euro. Der nördlich davon gelegene Losbereich 2 wird von der Optimal-Wohnbau der Domicil Stadtbau Freising sowie von der Bouwfonds Immobilienentwicklung ebenfalls mit Wohngebäuden bebaut.

Der Steinpark ist zwar das größte,  aber nicht das einzige Wohnungsbauprojekt im Freisinger Viertel Neustift. Am ehemaligen Kloster entstehen in der Alten Poststraße verschiedene Wohnhäuser (links und rechts unten).

Auch an der Mainberger Straße, etwas unterhalb des Steinparks, wird auf beiden Straßenseiten in Hanglage gebaut: Die Gewoplan errichtet eine Terrassenwohnanlage (siehe Baustelle Bild links) mit Stadthäusern (je Haus etwa 550.000 Euro), Doppelhäusern (687.000 Euro) und Zwei-Zimmer-Wohnungen (rund 300.000 Euro).

Die BHB Bayern gegenüber sieben Häuser mit der Bezeichnung Freisicht. Dort kostet eine Ein-Zimmer-Wohnung mit 47 Quadratmetern etwa 187.000 Euro und eine Drei-Zimmer-Dachgeschosswohnung mit 130 Quadratmetern rund 640.000 Euro. Der Clou ist der Terrassenblick auf den Freisinger Domberg, wo einst Bischof Otto residierte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freising in Zahlen

 

Einwohner: Die Bevölkerung in Freising (Bild links: Rathausplatz) steigt durch den Flughafen München rasant. Zwischen 1991 und 2012 erhöhte sich die Einwohnerzahl von rund 38.000 auf 45.227. In der Region ist Freising nach München die zweitgrößte Stadt.

 

 

Infrastruktur: Die Autobahn A 92 sowie die Zug- und S-Bahn-Strecke verbindet Freising mit München. Vor Ort gibt es ein Verkehrsnetz durch Stadtbusse. Der Flughafen München liegt nur wenige Kilometer vor Freising. Zu den bedeutenden kulturellen Bauwerken gehört der Dom und das Dombergmuseum – nach den Vatikanischen Museen das zweitgrößte kirchliche Museum der Welt. Großflächige Grünanlagen bieten der Sichtungsgarten und der Hofgarten Weihenstephan.

 

Immobilien: Laut dem Immobilienportal immobilienscout24.de sind die Preise für Neubau- und Bestandswohnungen in den vergangenen zwölf Monaten um 8,8 Prozent gestiegen. Die Angebotsmieten sind leicht gesunken.