Rund um den Dom-Pedro-Platz

Das heute zum Bezirk Neuhausen-Nymphenburg gehörende Stadtviertel Dom Pedro entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Teil des Vorortes Nymphenburg. Die Bebauung ist weitgehend durch kleinere Geschossbauten und durch grüne Straßenzüge und Gärten gekennzeichnet. Allerdings wird das sonst eher ruhige Viertel durch die stark befahrene Landshuter Allee durchschnitten.

 

 

Ende des 19. Jahrhunderts beeinflusste die Idee von Camillo Sittes, unregelmäßige Plätze als Zentren „malerischer Stadtbaukunst“ zu gestalten, viele junge Architekten. Ein typisches Beispiel einer solchen Gestaltung ist der Dom-Pedro-Platz – nach der heute auch das Viertel nordöstlich Neuhausens benannt ist.

Grundlage für die Gestaltung des Dom-Pedro-Platzes war die Festlegung der Baulinien am 10. März 1898 durch 36-jährigen Theodor Fischer, Vorstand des Stadterweiterungsreferats im Münchner  Stadtbauamt. Dort errichtete der Architekt Hans Grässel – damals ebenfalls erst Mitte Dreißig – von 1896 bis 1899 das Waisenhaus an der Südseite des Platzes, das zugleich den Abschluss des Nymphenburger Kanals markiert. Östlich des Waisenhauses baute Grässel von 1899 bis 1900 eine hohe kompakte Schule mit nur drei Geschossen, um die Wirkung der gegenüberliegenden von dem jungen Architekten Max Littmann erbauten protestantischen Christuskirche (1899 bis 1901) nicht zu beeinträchtigen. An der Nordseite entstand dann zwischen 1904 und 1907 nach Grässels Plan das Heilig-Geist-Spital, eine „moderne Musteranstalt für Altersfürsorge“.

In den vergangenen Jahren wurde das Umfeld durch Neubauten erweitert und durch Umbauten angepasst. Teile des Altersstifts wurden vor Kurzem von dem Projektentwickler Bauwerk Capital für die GEWOFAG im Rahmen des Projekts Gern64 zu luxuriösen Lofts umgestaltet und als Eigentumswohnungen verkauft. 

Mit dem 2011 fertiggestellten Wohnabschnitt Lebensraum nach dem Entwurf von Wanie, Glück und Partner Architekten (wgp) wurde entgegengesetzt des Heilig-Geist-Spitals ein Neubau mit 125 Wohnungen errichtet, die mit dem Bestandsgebäude einen begrünten Innenhof umschließen. „Die Modernität der Wohnbauarchitektur wird als probates Mittel gesehen, ein interressantes Spannungsfeld zu den klassizistischen Gebäuden des Dom-Pedro-Platzes entstehen zu lassen“, so die Erläuterung der wgp Architekten. „Als prägendes Gestaltungselement wurden Loggien in die geometrisch klaren Baukörper eingeschnitten.“ 103 Wohnungen wurden als Eigentumswohnungen verkauft,  14 weitere Wohnungen werden nach dem München-Modell gefördert. Das Projekt umfasst auch acht Wohnungen im Rahmen des Programms „Wohnen im Viertel“, das Senioren rund um die Uhr Versorgungs- und Betreuungshilfe anbietet, ohne dass diese ihren gewohnten Lebensmittelpunkt aufgeben müssten.

Zudem entstand daneben als Neubau das Quartier am Taxisgarten. Nach einem Wettbewerbserfolg erbauten 03 Architekten 2010 drei freistehende Gebäude im avantgardistischen Stil mit insgesamt 54 Eigentumswohnungen.
 Nach dem Split-Level-Prinzip entworfen, verfügen die dreigeschossigen Häuser mit jeweils 18 Wohnungen über ein zurückversetztes Dachgeschoss. Raumhohe Aluminiumfenster, silbergrau beschichtete Lochblechtafeln, weiße Bänder aus Glattblech und Glasbrüstungen geben dem Gebäude ein technisches, präzise gefügtes Erscheinungsbild. Die weißen Bänder zeichnen den verspringenden Verlauf der Geschossdecken nach. Raumhohe Fensterbänder, die Lochblechtafeln und französische Fenster verweisen auf unterschiedliche Raumhöhen und verschiedene „Öffentlichkeitsgrade“ der Innenräume. In den Fenstern, die teilweise gerundet sind, fallen die Spiegelungen und Verzerrungen der Bäume auf. In der Überlagerung mit den Blättern und Zweigen nimmt das Bild der Fassade die sich im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten und der Wetterverhältnisse ändernde Stimmung des Orts auf.

„Wir wollten hier mit einer anspruchsvollen Architektur und einer Vielzahl an unterschiedlichen Wohnformen auch eine Vielzahl an Zielgruppen ansprechen“, erläutert Gordona Sommer, Vorstandchefin der GEWOFAG.

Nun sind die Bauten abgeschlossen. Unweit des Dom-Pedro-Straße, gegenüber Grässels Schulbau, baut die GEWOFAG aber bereits wieder: Für das Amt für Wohnen und Migration errichtet es für fünf Millionen Euro ein Gebäude mit 30 Wohneinheiten sowie einer Kinderkrippe.

Nördlich bis zum Dantebad und dem von Grässel gestalteten Westfriedhof befinden sich Geschosswohnungsbauten und Reihenhäuser mit relativ viel Grün dazwischen. Hier befindet sich auch das Dantebad und das Dantestadion. Ursprünglich befand sich hier bis 1926 eine Militärschwimmschule am Würm-Kanal, das 1926 bis 1928 in ein Beckengefasst wurde und zu einem Familienbad ausgebaut wurde. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 wurde der Schwimmbecken neu gestaltet.

Südlich von dem Bad entstand ebenfalls Mitte der 1920er-Jahre durch den Architekten Karl Meitinger  das „Stadion der Jugend“  hinter einem großen Eingangsbereich an der Waisenhausstraße. Im Zusammenhang mit dem Stadion entstand auch entlang der Dachauerstraße eine Wohnblockbebauung nach Plänen von Heinrich Bergtold.

 

 

Westlich der Dantestraße am Reinmarplatz wird  ebenfalls gebaut. Die GEWOFAG errichtet zusammen mit der Wohnungsbaugenossenschaft Wogeno das Mehrgenerationenhaus Reinmarplatz. „Von den insgesamt etwa 120 Wohnungen werden wir rund 50 errichten“, sagt  Christian Stupka, Vorstand der Wogeno. Etwa 20 Wogeno-Wohnungen entstehen im freifinanzierten Bereich und 30 Wohnungen im München-Modell für Genossenschaften. Das zuvor am Standort befindliche Wilhelmine-Lübke-Haus wurde bereits abgerissen.

Südlich vom Dom-Pedro-Platz bis zum Rotkreuzplatz befindet sich eine weitgehend dichte Bebauung mit gründerzeitlichen Altbauten – und entsprechend hohem Preis- und Mietniveau.

Einen etwas anderen Charakter weist das Viertel Richtung Osten auf: Dort liegt bis zum Leonrodplatz eher eine durchschnittliche Wohngegend, da der gehobene Wohnbereich durch die stark befahrene Landshuter Allee abgetrennt ist.

Dort verliefen zuvor die Bahngleise nach Landshut. Auch Stadtplaner Theodor Fischer konnte 1897 daraus nichts Malerisches zaubern: „Entweder liegt das Gleis zwischen zwei Straßen oder es durchschneidet die Häuserblöcke. Beides hat wenig Erfreuliches, eine befriedigende Lösung dürfte überhaupt ausgeschlossen sein.“

 

 

 

 

  

 

Das Viertel in Zahlen

 

 

Dom Pedro befindet sich im Nordosten des Bezirks Neuhausen-Nymphenburg. Es wird im Osten durch die Dachauerstraße zum Nachbarviertel Oberwiesenfeld abgetrennt und im Norden durch einen kleinen Abschnitt am Dante Bad durch die Baldurstraße zum Stadtbezirk Moosach begrenzt. Im Westen trennt die Waisenhausstraße und die Nymphenburger Straße das Viertel von Neuhausen, im Süden bildet die Leonrodstraße die Grenze der Gemarkung Dom Pedro zu den Nachbarschaftsviertel St. Vinzenz und Alte Kaserne.

 

 

 

 

 

 

 

 

Einwohner:  Das Viertel ist mit über 15.000 Einwohner pro Quadratkilometer sehr dicht bewohnt. Im Vergleich zum Stadtdurchschnitt gibt wenige Familien mit Kindern, aber mit über 60 Prozent aller Haushalte relativ viele Ein-Personen-Haushalte. Der Ausländeranteil liegt geringfügig unter dem Durchschnitt der Stadt München.

Infrastruktur: Das größte Einzelhandelszentrum des Viertels ist der Rotkreuzplatz, wo Donnerstags ein Wochenmarkt stattfindet. Im Westen befinden sich die Grünanlagen zum Nymphenburger Schlosskanal, im Osten der Olympiapark, im Norden Dantestadion und  -bad (Bild links). ÖPNV-Anschluss durch U-Bahn an U1 und Tram-Linien 12, 20 und 21.

 

 

 

Das Viertel weist einige Kirchenbauten auf. Neben der Christuskirche von Max Littmann ist das große St. Theresia Karmeliterkloster an der Landshuter Allee vor allem St. Laurentius im Norden an der Nürnberger Straße erwähnenswert. Der Ziegelbau aus den Jahren 1954 bis 1955 wurde von Emil Steffann und Siegfried Österreicher entworfen und zeichnet sich – obwohl noch vor dem II.Vaticanum errichtet – durch den zentral im Inneren gelgenen Altar aus.  Zu den Bauten gehören außer der Kirche Jugendräume, Gemeindesaal und Pfarhaus.

Immobilien: 

Es gibt im Viertel Dom Pedro kaum Neubauangebote und – wie die GEWOFAG-Projekte in der Dom-Pedro-Straße und am Reinmarplatz – dann nur für spezielle soziale Gruppen wie Migranten und sozial Bedürftige sowie ältere Bewohner.

 

Hohe Preise für renovierte Altbau- und neue Designerwohnungen von 6000 bis über 9000 Euro pro Quadratmeter wurden im Zusammenhang mit dem Verkauf der Eigentumswohnungen Gern64 bezahlt. Zum Teil werden diese Wohnungen nun für Mieten zwischen 14 und 18 Euro pro Quadratmeter offeriert.

Wie der Mietspiegel der Landeshauptstadt München zeigt, weist das Viertel jedoch je nach Lage sehr hohe Qualitäts- und Mietunterschiede auf. Deutliche Abschläge gibt es für Wohnungen direkt an den stark befahrenen Straßen Landshuter Allee, Leonrodstraße und Dachauerstraße.

Die Landshuter Allee teilt Dom Pedro in zwei Wohngebiete mit deutlich unterschiedlicher Wohnlagequalität. Während im Westen gute und sogar beste Wohnlagequalität vorherschen, gibt es östlich der Landshuter Allee nach dem Mietspiegel nur durchschnittliche Wohnlagequalitäten. Allerdings finden sich auch dort hinter den Bebauungen an den stark befahrenen Straßen in der Regel sehr ruhige Wohnbereiche.

Beste Wohnlage findet sich gegenüber Gern östlich der Waisenhausstraße zwischen dem Biedersteiner Kanal im Norden und der St. Galler-Straße und dem Dom-Pedro-Platz im Süden bis zur östlichen Begrenzung etwa entlang der Nürnberger Straße, Taxisstraße und Johann-Schmaus-Straße.