Baukräne über Dachaus Dächer

Die Stadt im Münchner Norden ist gemessen an der Einwohnerentwicklung ein beliebter Wohnort. Bauträger reagieren mit zahlreichen Projekten. Die Entwicklung der ehemaligen MD Papierfabrik im Herzen der Stadt ist allerdings sehr ambitioniert.

 

Dachau boomt. In 30 Jahren erhöhte sich die Zahl der Einwohner von 33.950 (1980) auf 42.954 (2010). Außerhalb verbinden viele mit Dachau nur das ehemalige KZ. Die Bewohner der Region wissen dagegen die schönen Seiten der Gemeinde an der Amper zu schätzen. 

Dazu zählt die malerische Altstadt (Bild oben),  die ehemalige Sommerresidenz der Wittelsbacher – das Schloss Dachau – und die Gemäldegalerie mit Werken der ehemaligen Künstlerkolonie.

„Mit der S-Bahn-Verbindung S2 nach München, den nahe gelegenen Autobahnanschlüssen und der Nähe zum Flughafen München verfügt Dachau über eine hervorragende Verkehrsanbindung, die es zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort und zum beliebtesten Wohnort im Münchner Norden macht“, betont Peter Bürgel (CSU), Oberbürgermeister von Dachau.

In der Stadt wird der Zuzug von Außen aber auch mit Skepsis betrachtet: Man befürchtet einen Anstieg der Mieten. „Was kann die Stadt machen, um die Vorteile des Wachstums nutzen und die Nachteile minimieren?“, fragt  „Stadtgespräch“, das Bürgermagazin der Stadt. Und gibt dazu gleich die Antwort: ◊Zum einen kann sie zumindest teilweise bestimmen, wo gebaut wird – sinnvoll ist die Schaffung von Wohnraum zweifellos im Innenstadtbereich.“

Tatsächlich wird bereits in der Altstadt gebaut. Die ehemalige Koschade-Klinik (Bild oben links) wird von der kaga Dachau, ein Ableger der Berliner kaga Gruppe, in eine Wohnanlage verwandelt. Die künftige Nutzung sieht insgesamt 33 Wohneinheiten mit einer Größe von etwa 40 bis 232 Quadratmetern vor. Zudem entstehen 50 Tiefgaragenstellplätze in den ehemaligen Wirtschaftsräumen.

Weitaus größer ist das Bauprojekt Grüner Leben in der Etzenhausener Straße, im Nordosten der Innenstadt am Dachauer Stadtbahnhof (nicht zu verwechseln mit dem Bahnhof Dachau). „Wir haben im Juli 2012 mit den Bauarbeiten begonnen“, so Werner Mooseder, Geschäftsführer der Mooseder Wohnbau- und Projektentwicklungs GmbH in Schwabhausen. „Der Bezug der Wohnungen in den Stadthäusern ist ab Herbst 2013 und Frühjahr 2014 möglich.“

Die im Bau befindlichen Eigentumswohnungen der Stadthäuser an der Prälat-Pflanzelt-Straße sind bereits verkauft. Von den Atriumshäusern werden noch vier angeboten. Sie weisen auf zwei Geschossen 94 bis 122 Quadratmeter Wohnflächen auf und werden für 398.000 Euro (94 Quadratmeter) beziehungsweise 435.000 Euro (122 Quadratmeter) offeriert. „Die ersten Atriumshäuser werden im Sommer 2013 fertiggestellt sein“, so Mooseder. Der gesamte Bau wird bis Sommer 2014 abgeschlossen sein.

Das Projekt, das die Stadt und seine Bewohner jedoch am meisten bewegt, ist die Umwandlung der ehemaligen MD Papierfabrik zwischen Altstadt und Gleisanlagen. Das Werksgelände ist zusammen mit dem Holzlagerplatz südlich der Ostenstraße insgesamt 17 Hektar groß. Das entspricht dem 24-fachen des Spielfelds der Allianz-Arena oder der Gesamtfläche der Dachauer Altstadt. 1862 wurde die München-Dachau (MD) Papierfabrik gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der größten Papierproduzenten Deutschlands und zum größten Arbeitgeber in der Stadt Dachau. 1996 kaufte der finnische Papierkonzern Myllykoski die Fabrik, musste das Werks aber im Sommer 2007 wegen Unwirtschaftlichkeit schließen.

Nach vergeblicher Suche nach einem Käufer will die Eigentümerfamilie Myllykoski das Gelände zusammen mit dem Dachauer Bauträger Herbert Ullmann  („Ihr Eigenheimprofi“) selbst entwickeln. Ziel ist die Umwandlung der Industriebrache in einen neuen Stadtteil mit Wohnungen, Gewerbe, Kultur und Freiflächen.

Auf dem Gelände befinden sich Altlasten: Asbest in den Kesseln, Mineralöle, Schwermetalle, Kohlenwasserstoffe, Lösungsmittel im Boden. „Es ist keine tickende Zeitbombe - aber es liegen schon erhebliche Massen an Schadstoffen drin“, so der Geologe Dieter Herrmann. 300.000 Kubikmeter Erdreich und Altlasten müssen wohl abgetragen werden. Für die Entwickler stellt sich die Frage, ob sich dieser Aufwand lohnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Einwohner: Wenn Dachaus Einwohnerzahl wie in der Vergangenheit auch künftig weiter wächst, dann stehen die Chancen gut. Einwohner:  Im „Demografiebericht 2010“ der Bertelsmann Stiftung wird für Dachau von 2009 bis 2030 ein Einwohnerzuwachs von 16,2 Prozent prognostiziert.

Infrastruktur: Dachaus Innenstadt ist per S2 an den MVV angeschlossen. Die B 304 verbindet Dachau mit München , die B 471 Richtung Westen mit Fürstenfeldbruck und Richtung Osten mit der A8 mit dem Münchner Flughafen. Innerorts verkehren fünf Buslinien, davon die Linie 719 in der Altstadt. Dort befindet sich das Zentrum für Einzelhandel und kulturelle Einrichtungen (Schloss, Gemäldegalerie).

Immobilien: Die Altstadt Dachaus weist ein relativ hohes Preis- und Mietniveau auf.