Im Herzen des städtischen Wohnbesitzes

Berg am Laim lieferte im Mittelalter Lehm für die Ziegel der Frauenkirche, später entstanden hier Großwohnsiedlungen. Die städtische Wohnungsgesellschaften GEWOFAG und GWG besitzen hier erhebliche Wohnungsbestände. Nun werden die in die Jahre gekommenen Anlagen saniert und erweitert.

 

Lichttdurchflutete Neubauwohnungen von den Stararchitekten Allmann Sattler Wappner in Passivbauweise – als Bauherr eines solchen Projekts erwartet man einen Bauträger im Luxussegment. Doch das Richtfest findet in einer Großwohnsiedlung Neuramersdorfs statt, Auftraggeber ist die städtische Wohnungsgesellschaft GEWOFAG

Die beiden Gebäude mit jeweils 16 Wohnungen, die die Innenhöfe auf der bislang offenen Seite zur Oedkarspitzstraße abschließen, werden voraussichtlich im Herbst dieses Jahres fertiggestellt. Investiert werden immerhin 7,4 Millionen Euro. Erstellt werden zu 30 Prozent frei finanzierte und zu 70 Prozent durch das „München Modell Miete“ geförderte Wohnungen. Die Anlage ist mit französischen Fenstern und großen Balkonen nach Süden weit geöffnet.

 

Dadurch bekommen die Wohnungen ein zusätzliches grünes Zimmer. „Die neuen Wohnungen in Passivbauweise sind also ideal für junge Familien, die hell und modern wohnen und trotzdem Energie und Heizkosten sparen wollen“, sagt Gordona Sommer, Geschäftsführerin der GEWOFAG. "Die Passivhäuser ergänzen das Quartier hervorragend – sie verbinden klare und moderne Architektur mit innovativer, energiesparender Bauweise.“ Im Quartier um den Piusplatz fehlte es bislang an großen Wohnungen für Familien mit Kindern.

 

Die neuen Passivhäuser sind Teil eines umfangreichen Quartiersentwicklungsprogramms des städtischen Wohnungsunternehmens in Berg am Laim. Es werden Gebäude saniert, Außenanlagen am Piusplatz verbessert und neue Angebote für Familien und Senioren geschaffen.

Die Siedlung Neuramersdorf entstand zwischen 1928 und 1930 als größte von fünf Großsiedlungen (Neuharlaching, Neuhausen, Walchenseeplatz und Friedenheim) durch ein vom Wohnungsbaureferenten Karl Preis angestoßenes Wohnungsbauprogramm, für das auch die GEWOFAG gegründet wurde. Die Siedlung Neuramersdorf wurde auf der grünen Wiese von den Architekten Oscar Delisle, Bernhard Ingwersen und Richard Berndl entlang der Anzinger Straße/Bad-Schachener-Straße sowie der Aschheimerstraße errichtet. Die neue Stadt im Südosten Münchens sollte 3500 Wohneinheiten enthalten – wegen der  Weltwirtschaftskrise wurden aber nur 1343 Wohnungen fertiggestellt. Das Zentrum bildet die Kirche St. Pius mit dem Piusplatz (Bild rechts). Heute ist von der Randlage nichts mehr zu spüren, die Blockbebauung schirmt aber die grünen Innenhöfe vom Verkehrslärm ab.

Östlich davon entstand unter den neuen Machthabern 1936 bis 1938 zu niedrigen Preisen die Siedlung Echarding. Die 611 Volkswohnungen, vorwiegend zweigeschossige Reihenhäuser, haben nur je eine Fläche von 32 Quadratmetern. Die von der städtischen Wohnbaugesellschaft GWG erbaute Anlage wird deshalb im Volksmund auch als „Maikäfersiedlung“ bezeichnet.

Seit Anfang der 1990er-Jahre ersetzt die GWG München die ehemaligen "Schlichtwohnungen“ Zug um Zug durch zeitgemäße Mietwohnungen. In sieben Sanierungsabschnitte wurden über 500 Wohnungen neu errichtet. An der Ecke Bad-Schachener-Straße/Echardinger Straße entstanden vier Läden für die Versorgung des Quartiers.

Nicht allen Bewohnern der Siedlung gefällt jedoch das neue Konzept. Die „Aktion Maikäfersiedlung“ kritisiert in ihrem Blog „Kasernenarchitektur, verschattete Fünfgeschoss-Hochhäuser, Flachdächer, Kackfarben und Nato-Mode in der Architektur.“  Bemängelt wird auch ◊die Flut der Freistellungsaufträge vom Bebauungsplan.“

Bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen hatte OB und GWG-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Ude zwischen Anwohnern und GWG vermittelt.

Noch dieses Jahr werden 141 Mietwohnungen an der Krumbadstraße und Bad-Schachener-Straße bezugsfertig. 2013 folgen 109 Wohnungen an der Vinzenz-von-Paul-Straße und an der Gögginger Straße. Mit der Fertigstellung von 71 Mietwohnungen an der Bad-Schachener-Straße 2014 soll die Sanierung der Maikäfersiedlung abgeschlossen sein.

 

Das Viertel in Zahlen

Berg am Laim befindet sich südlich der Gleisanlagen des Ostbahnhofs. Der Westteil von Berg am Laim mit den Wohnungsbestand der GEWOFAG und GWG grenzt im Norden an den Stadtbezirk Au-Haidhausen und im Süden an den Bezirksteil Ramersdorf von Ramersdorf-Perlach.

Einwohner: Bezogen auf Altersstruktur und Altersdurchschnitt spiegelt der Stadtbezirk Berg am Laim ziemlich genau die Bevölkerung München wider. 

Infrastruktur: Berg am Laim ist ein an öffentlichen Grünflächen reicher Stadtteil. Es finden sich im Westen der Piusplatz als zentraler Platz der Großsiedlung Neuramersdorf , der gerade  im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ umgestaltet und aufgewertet wurde. Östlich davon liegt der „Echardinger Grünstreifen“, der sich als grünes Band entlang der Fehwiesenstraße und Echardinger Straße (Bild links) von der Höhe Berg-am-Laim-Straße bis zur Höhe Bad-Schachener-Straße zieht. Hier ist neben einem Spielplatz und einer Kleingartenanlage auch die vor einigen Jahren wieder aufgebaute Echardinger Kapelle zu finden.

 

Der Michaelianger ist die größte öffentliche Grünfläche in Berg am Laim. Er schließt direkt an den Echardinger Grünstreifen an und erstreckt sich von der Echardinger Straße im Westen bis zur St. Veit-Straße im Osten. Der westliche Teil zwischen Echardinger Straße und St. Michael-Straße wurde erst vor wenigen Jahren fertiggestellt und bietet einen Basketballplatz, einen Spielplatz sowie großzügige Liegewiesen. Der östliche Teil ist an die St. Michael-Straße angrenzend teilweise noch Brachfläche, ab Höhe Rahel-Strauß-Weg bis St. Veit-Straße jedoch bereits Anfang der 1990er Jahre im Zuge der Neubausiedlung Jella-Lepman-Straße fertiggestellt worden. Hier finden sich ein weiterer Spielplatz sowie ein öffentlicher Fußballplatz. Zeitweise gastierte auf der Fläche des Fußballplatzes auch ein Wanderzirkus (siehe Bild links).

Der Ostpark mit dem Michaelibad liegt zwar offiziell nicht mehr im Stadtteil Berg am Laim, grenzt aber direkt an diesen an und wird daher mit all seinen Einrichtungen (Biergarten, See, Michaelibad) auch von den Berg am Laimer Bürgern gerne genutzt.

Der westliche Teil Berg am Laims rund um Grafinger Straße, Altöttinger Straße und Schlüsselbergstraße ist größtenteils mit Wohnsiedlungen der beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften GEWOFAG und GWG bebaut, die mit  großzügigen Freiräumen zwischen den einzelnen Wohngebäuden ausgelegt sindt. 

Es gibt mehrere Schulen, darunter das Michaeli-Gymnasium, eines der größten Gymnasien Münchens. Ausgeh-Treff ist die Kultfabrik. Guter Anschluss an ÖPNV (Ostbahnhof, U5).     

Immobilien: Relativ günstig für Münchner Verhältnisse, aber starker Preis- und Mietanstieg in den vergangenen zwei Jahren.

Laut Mietspiegel der Landeshauptstadt München 2011 ist der Westen des Stadtbezirks Berg am Laim durchschnittliche Wohnlage. Das Gebiet nördlich der Heinrich Wieland Straße und östlich der St. Michael Straße bis zur Höhe der Hachinger Bachstraße sowie östlich der St.-Veit-Straße wird als "gutes Wohngebiet" klassifiziert.

Das GWG-Neubaugebiet an der Echardinger Straße sowie an der Krumbadstraße (siehe Bild links) weist durchaus den Charakter einer guten Wohnlage auf.

In den kommenden Jahren ist zudem mit der geplanten Projektentwicklung ROST - Rund um den Ostbahnhof und die damit vorgesehene Verbindung von Haidhausen Süd mit dem Westteil Berg am Laims bis zum Piusplatz eine Aufwertung des Gebietes zu erwarten.

Weitere Informationen:

ROST: Die Stadtentwicklung Rund umd den OSTbahnhof

Innsbrucker Ring: GEWOFAG baut 136 Wohnungen nach Plänen von 03 Architekten

Medienviertel: Optima-Aegidius verkauft Ateliergebäude des Oldenbourg-Verlag

Medienviertel/Werksviertel: Reiss & Co errichtet Highrise One