Kein neues Neuperlach in Altperlach

Neben dem benachbarten Stadteil mit Hochhäusern aus den 1970er-Jahren liegt das dörfliche Altperlach. Dort soll nun dort entlang der Hochäckerstraße ein Wohnquartier mit über 1000 Wohnungen für 2500 Menschen entstehen.           

 

Perlach wird meist mit dem Münchner Stadtteil Neuperlach verbunden. Für viele ist die in den 1960er-Jahren geplante „Entlastungsstadt“ mit 80.000 Bewohnern ein Synonym für seelenlose Trabantenstädte aus dieser Zeit. Seinen dörflichen Charakter hat dagegen der unmittelbar an Neuperlach angrenzende Stadtteil Altperlach erhalten.

Dieser Münchner Stadtteil ist durch den Hachinger Bach (Aufmacherbild oben), der sich entlang der ehemaligen Dorfstraßen unter Bäumen durchschlängelt, und einer Vielzahl von Gaststätten mit Biergärten geprägt.

Der gutbürgerliche Perlacher Hof (Bild rechts), das zentrale Gasthaus zur Post (Bild links), der westlich gelegene Hufnagel oder der Kastanienhof im Süden laden Besucher mit bayerischen Schmankerln und deftigen Gerichten zur Einkehr ein.

 

Zentrum Altperlachs ist der Pflanzeltplatz (Bild links oben und links) mit der barocken Pfarrkirche St. Michael. Wie um den Kontrast zu den Betonhochhäusern Neuperlachs zu unterstreichen, sind Schilder an den alten Bauernhöfen, Gasthäusern und Handwerkshäusern angebracht, die deren volkstümliche Bezeichnung und ihr Baujahr wiedergeben.

Auch in Altperlach entstehen an der Stelle von Altbauten neue Wohnhäuser. So sind vor gut einem Jahr an der Bischof-Ketteler-Straße hinter der Barockkirche acht Wohnhäuser fertiggestellt worden.

Einen Steinwurf davon entfernt in der Holzwiesenstraße 1 (siehe Bild links) wird gerade ein Bauernhof mit Scheune abgebrochen. Auch in der Sebastian-Bauer-Straße, gegenüber dem Perlacher Hof, sind Altbauten vom Abriss betroffen (Bild unten links). Und in der Neubiberger Straße 20 (Bild rechts) errichtet der Pasinger Projektentwickler Creativ-Haus vier Stadthäuser, die bereits vollständig verkauft sind.

Die Neubauten fügen sich in das dörfliche Umfeld ein. Wenn nicht der Verkehr  wäre, könnte man sich hier am Anger eines oberbayerischen Dorfes wähnen.

Doch Altperlach ist zweifellos Teil der Landeshauptstadt München. Dies wird an dem westlich von Altperlach gelegenen 1977 erbauten Neuen Südfriedhof (Bild links) deutlich. Mit knapp 10.000 Grabplätzen und einer Fläche von 36 Hektar ist er einer von Münchens Großfriedhöfen.

Er wurde nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob errichtet und ist als einziger Münchner Friedhof hügelig angelegt. Es gibt weite Flächen ohne Grabstätte, die eher einer Parkanlage als einem Friedhof gleichen. Die Wege um den idyllischen See laden zum Spazierengehen und Verweilen ein. Rund um den See befinden sich geschützte Rückzugsgebiete und Brutgebiete für Vögel. Auf dem Gelände liegt auch eine historische Keltenschanze mit einem Lindenhain.

Neubaugebiet an der Hochäckerstraße

Mit der Wiese direkt daneben (links) haben Stadtplaner und Projektentwickler Großes vor. Seit dem 6. September 2013 liegt der Entwurf des Bebauungsplans für ein riesiges Neubaugebiet an der Hochäckerstraße im Hochhaus des Referats für Stadtplanung und Bauordnung aus. Münchner Bürger konnten noch bis zum 7. Oktober 2013 ihre Einwendungen mitteilen.

Grundlage des Bebauungsplans bildet der Entwurf des Münchner Architekturbüros Jatsch Laux Architekten mit ver.de Landschaftsarchitekten, die als Sieger aus dem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb im Jahr 2010 hervorgingen. Auf dem 19 Hektar großen Grundstück sollen unter der Federführung der Bayerischen Hausbau 1055 Wohnungen für 2500 Menschen in dem Neubauquartier Gartenstadt Perlach entstehen. „Wir werden das Projekt in verschiedenen Etappen realisieren, da in der Summe immerhin über 1000 Wohnungen errichtet werden“, erläutert Jürgen Büllesbach, Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau in München. „Es wird für die nächste Zeit das größte Projekt im Südosten der Stadt sein.“ Neben der Bayerischen Hausbau soll ein städtisches Wohnungsunternehmen geförderte Wohnungen bauen. Büllesbach will aber den Quartiersteil der Bayerischen Hausbau fünf Jahre nach dem Baubeginn 2014 fertiggestellt haben. Bereits ebenfalls im Bau befindet sich in dem Neubauquartier 244 Wohnungen der GEWOFAG.

Mit einem Anteil von 90 Prozent Wohnfläche ist die Nutzung des neuen Quartiers relativ eindeutig: Für den Einzelhandel sind dezentral nur zwei Bereiche vorgesehen, davon einer gegenüber dem Friedhofshaupteingang.

Ein neues Neuperlach soll das Neubauviertel aber nicht werden. Geplant sind zwar 955 Geschosswohnungen, doch sollen auch 60 Einfamilienhäuser errichtet werden. Es werden mehrheitlich drei- bis fünf- und punktuell auch sechsgeschossige Gebäude entstehen, sowie im Süden an einer Stelle zur Autobahn hin gerichtet auch ein siebengeschossiger Hochpunkt. Das Quartier wird zum Großteil aus Geschosswohnungen mit Wohneinheiten von zwei bis fünf Zimmern, sowie zu einem kleineren Teil aus Reihenhäusern und Doppelhaushälften bestehen.

München Modell und Kinderbetreuung: Attraktiver Wohnungsbau für Familien

Ein 30-prozentiger Anteil des neu geschaffenen Baurechts für Wohnen ist für den geförderten Wohnungsbau vorgesehen, davon zwei Drittel als öffentlich geförderter Mietwohnungsbau und ein Drittel im München Modell. Zu jeder Wohneinheit gehört ein Tiefgaragenstellplatz. Insbesondere den Ansprüchen von Familien mit Kindern soll das Quartier gerecht werden: Kinderbetreuungseinrichtungen wie Kindertagestätten und eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche sind Bestandteil der Planung. Zudem sieht die Bayerische Hausbau auch Nahversorgungsmöglichkeiten für das Bauvorhaben vor.

„Die Höhenentwicklung der Neubebauung fügt sich in das Umfeld ein, städteräumlich wichtige Eckpunkte werden markiert – die Sicht zum Kirchturm St. Martin bleibt bestehen“, so der Text im Bebauungsplanentwurf. Große öffentliche Grünflächen wie der Ostpark mit integrierten Spiel- und Freizeitangeboten und gewachsenem Baumbestand sind gut erreichbar.

An den urkundlich bereits 790 erwähnten „peraloh“ erinnert dann nur noch wenig. Denn bereits vor der Bebauung der verbliebenen Wiese gab es in Perlach keine wilde Eber („pera“) mehr, auch ist ein lichter Wald („loh“) nur vereinzelt noch zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Viertel in Zahlen

Altperlach ist ein Stadtteil des südöstlichen Münchner Stadtbezirks Ramersdorf-Perlach. Altperlach grenzt nach Osten an Neuperlach und Waldperlach sowie nach Norden hin an Ramersdorf.

Einwohner: Der Stadtteil liegt mit Durchschnittsalter, Alterstruktur und Ausländeranteil seiner Einwohner im Münchner Durchschnitt. Der Anteil der Single-Haushalte ist geringer als im Stadtdurchschnitt. Altperlach weist eine für Münchner Verhältnisse geringe Einwohnerdichte auf.

Infrastruktur: Altperlach hat mit dem Perlacher Bahnhof Anschluss an die S-Bahn-Linie 7. In Neuperlach hält die U 5 an der Station Therese-Giehse-Platz. Der Einzelhandel konzentriert sich vor allem am Pflanzeltplatz, dem Zentrum Altperlachs. Mit dem PEP befindet sich zudem nicht unweit davon in Neu- perlach eines der größten Münchner Einkaufszentren.

Immobilien: Altperlach ist von Alt- bauten und Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern geprägt. Diese Häuser sind teurer als im östlich gelegenen Waldperlach. Ein Reiheneckhaus in Altperlach wird beispielsweise für knapp 700.000 Euro (110 Quadrat meter Wohnfläche) angeboten. Es werden kaum Eigentumswohnungen offeriert.

aktualisiert: 7.04.2015