Nymphenburg: Ein Schloss für ein Baby

Am 12 September wurde das 350 Jahr des Baubeginns von Schloss Nymphenburg gefeiert. Dabei sah das erste Gebäude recht einfach wie ein Würfel aus. Es wurde vom Kurfürsten seiner Frau zur Geburt des Thronfolgers geschenkt.

 

Am 16. Mai 1652 brach die 15-jährige Henriette Adelheid von Savoyen mit einem Tross von 336 Pferden und 350 Packwagen von Turin in Richtung München auf. In Kufstein begegnete sie erstmals ihrem 15-jährigen Ehemann Ferdinand Maria von Bayern, mit dem sie eineinhalb Jahre zuvor „per procurationem“ (durch Stellvertreter) verheiratet wurde.

Das Arrangement zwischen Bayern und Savoyen wurde durch Kardinal Jules Mazarin – der „grauen Eminenz“ des späteren Sonnenkönigs Louis XIV. von Frankreich – eingefädelt, als die Kinder erst elf Jahre alt waren. Ein halbes Jahr vor dem ersten Treffen der Eheleute (Bild rechts) war Ferdinand Marias Vater gestorben, weshalb er bereits zwei Jahre später die Herrschaft übernahm. Unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria, "dem Friedliebenden“, blühte das nach dem 30-jährigen Krieg weitgehend zerstörte Land wieder auf. Als Henriette am 11. Juli 1662 mit Max Emanuel endlich einen Thronfolger gebar, machte Ferdinand Maria ihr großzügige Geschenke: Er ließ für Henriette durch den Bologneser Baumeister Agostino Barelli die Theatinerkirche und das Landhaus Nymphenburg errichten.

 

Das nach italienischen Vorbildern errichtete "Lusthauß Nymphenburg" (Bild links oben) war zunächst nur ein mächtiger kubischer Pavillon, umgeben von der Hofmarkskirche, einigen Neben- und Wirtschaftsgebäuden sowie einem ummauerten, in geometrischen Formen angelegten kleinen Garten. Um 1679 war das Schloss in seiner ersten Form nahezu fertiggestellt.

In der Folge wurde Nymphenburg zur Sommerresidenz der Wittelsbacher ausgebaut. Unter Max Emanuel wurde der als einfacher kubischer Block errichtete Bau von Enrico Zuccalli und Giovanni Antonio Viscardi durch zwei Galerien und durch die Pavillons an den Seiten zu einem prächtigen Schloss erweitert. Ab 1716 veränderte Joseph Effner die Schlossfassade im französischen Stil und erweiterte den Park großzügig mit dem Kanal und der großen Kaskade sowie der Pagodenburg und der Badenburg.

Henriette Adelheid war bereits 1676 39-jährig aufgrund eines Leidens gestorben, das sie sich bei der Rettung ihrer Kinder vor dem verheerenden Brand in der Münchner Residenz zugezogen hatte. Ferdinand Maria starb drei Jahre später im Alter von 42..

Weitere Informationen:

350 Jahre Schloss Nymphenburg: Veranstaltungsprogramm zum Jubiläumsfest

 

Schloss Nymphenburg - Baugeschichte

1664 wurde mit dem Bau "Lusthauß Nymphenburg" im Auftrag des bayerischen Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen nach Plänen des Oberitalieners Agostino Barelli begonnen. Das mächtige kubische Pavillon wurde 1679 nahezu fertiggestellt. Während der Regierungszeit des Kurfürsten Max Emanuel (1679 bis 1726) erhielt Schloss Nymphenburg seine heutigen Dimensionen. Unter Leitung des Hofbaumeisters Henrico Zuccalli entstanden zusammen mit Giovanni Antonio Viscardi ab 1701 nördlich und südlich des vorhandenen Baukörpers jeweils zwei gestaffelte Pavillons, die durch Galerien mit dem Mittelblock verbunden wurden.

 

Durch den Spanischen Erbfolgekrieg wurden die Baumaßnahmen jedoch bald wieder eingestellt, da Max Emanuel die Zeit von 1704 bis 1715 außerhalb Bayerns verbringen musste. Als der Kurfürst 1715 aus Paris nach München zurückkam, begleiteten ihn zahlreiche französische oder in Frankreich geschulte Künstler. Beim weiteren Ausbau seiner Schlossanlage lieferten sie Werke nach dem neuesten französischen Geschmack. 

Zu nennen sind vor allem Joseph Effner, Dominique Girard, Joseph Vivien und Jacopo Amigoni. Jedoch erhielten auch einheimische Maler wie der Cosmas Damian Asam Aufträge. Veduten (wirklichkeitsgetreue Landschafts- und Stadtansichten) fertigten Franz Joachim Beich, Mathias Diesel und Maximilian de Geer an. Unter den Stuckatoren nahm Johann Baptist Zimmermann den ersten Platz ein. Insgesamt entwickelte sich der Münchner Hof auf diese Weise zu einem Zentrum der Kunst von europäischem Rang.

 

Zusammen mit dem Pariser Gartenarchitekten Dominique Girard konzipierte Hofbaumeister Joseph Effner um 1715 den Gesamtplan für Nymphenburg, einen Idealplan, nach dem der weitere Ausbau erfolgte. Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen durchgeführt: Umgestaltung des Mittelpavillons zum zentralen Punkt der Anlage, Innenausstattung der kurfürstlichen Appartements und Wohnräume, Neubau der Nebengebäude als Hofgevierte, Anlage eines halbkreisförmigen Rondells mit Zirkelmauer und fünf Pavillonpaaren.

Ausgehend von der Mitte wuchsen die perspektivisch gestaffelten Baukörper so zu einer vollkommen symmetrischen "Idealstadt" zusammen, die Platz für den Hofstaat bot. Dieser Plan umfasste auch die barocke Neugestaltung und Erweiterung des Gartens in der heutigen Größe.

Karl Albrecht, Kurfürst von Bayern und Kaiser (regierte 1726 bis 1746, seit 1742 Kaiser Karl VII.), setzte in Nymphenburg die vom Vater begonnenen Baumaßnahmen fort. Er bereicherte die Anlage durch das Schlossrondell. „ Die von den beiden äußeren Bauten ausgehende, nach 1730 fertiggestellte Rondellbebauung vor dem Haupttrakt galt zu ihrer Zeit als architektonische Sensation.“ (wikipedia). Schloss und Rondell sollten das Zentrum der geplanten "Carlsstadt" bilden. Sein kostbarstes Vermächtnis wurde jedoch die Amalienburg (siehe Bild links) im Nymphenburger Park. François Cuvilliés d.Ä., ein in Paris geschulter Architekt, führte die Münchner Hofkunst mit diesem geistreichen, graziösen Kleinod des Rokoko zur höchsten Blüte. Ausgeführt von hervorragenden Künstlern und spezialisierten Hofwerkstätten entstand eine der bezauberndsten Schöpfungen der europäischen Kunst dieser Zeit.

Unter Kurfürst Max III. Joseph (reg. 1745-1777) erhielt der Festsaal von Schloss Nymphenburg seine pompöse Dekoration. Johann Baptist Zimmermann schuf mit François Cuvilliés d.Ä. ein Hauptwerk des höfischen Münchner Rokoko. Umgestaltet wurde auch die Gewölbezone der Schlosskirche. Und schließlich kam unter Max III. Joseph die Nymphenburger Porzellanmanufaktur an ihren heutigen Platz im vorderen Schlossbereich.

 

Der Nymphenburger Schlosspark erhielt damals ebenfalls neue Akzente, so durch die Umformung des Großen Parterres. Hier kamen Statuen der wichtigsten Götter des Olymp hinzu. Die jetzigen prunkvollen Freitreppen bilden seither den adäquaten Zugang zum Hauptgebäude und zum "Großen Saal".

Kurfürst Karl Theodor, der in Pfalz-Bayern von 1777 bis 1799 regierte, hat in Nymphenburg wenig verändert. Durch die Verbreiterung der Galerietrakte entstanden neue Räume, die eine zeitgemäße Ausstattung erhielten. 1792 ließ Karl Theodor den Nymphenburger Hofgarten für das Volk öffnen.

Als Bayern im frühen 19. Jahrhundert Königreich wurde, erhielt Nymphenburg als Residenzschloss wieder eine neue bedeutende Funktion. Kurfürst Max IV. Joseph, seit 1806 als Max I. Joseph der erste König von Bayern, ließ einen Teil der Räume umbauen und mit noblem klassizistischem Mobiliar ausstatten. Der Hofgärtenintendant Friedrich Ludwig Sckell verwandelte den geometrischen französischen Garten in einen Landschaftspark englischer Prägung. Der Chefarchitekt von König Ludwig I., Leo von Klenze, entfernte schließlich 1826 die Giebel mit den kurfürstlichen Wappen und schuf stattdessen am Hauptbau die Attika im klassizistischen Stil. 

Schloss Nymphenburg blieb auch in der folgenden Zeit eine Lieblingsresidenz der bayerischen Könige. König Ludwig II. von Bayern erblickte hier am 25. August 1845 das Licht der Welt.

Auch nach dem Machtverlust blieb Schloss Nymphenburg eine kulurpolitisches und machtpolitische Bühne von Bayerns Regierungsspitze. So nutzte beispielsweise das NS-Regime das Areal für Treffen und pseudokulturelle Veranstaltungen.

Literatur:

 

Reinhard Bauer, Ernst Piper: Kleine Geschichte Münchens

Doris Fuchsberger und Albrecht Vorherr: Schloss Nymphenburg unterm Hackenkreuz, 2014

 

Quellen: Bayerische Schlösserverwaltung; Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen (Hrsg.)
 Nymphenburg – 
Schloss, Park und Burgen (Amtlicher Führer), wikipedia; Reinhard Bauer, Ernst Piper – Kleine Geschichte Münchens

Bilder: Aufmacherbild Schloss Nymphenburg vom Kanal oben, Amalienburg Ulrich Lohrer; Schloss Nymphenburg 1761 - Richard Bartz Munich aka Makro Freak;  Schloss Nymphenburg – Bernardo Bellotto (Canaletto)