Aubing-Süd: Dachspaziergang am Ramses?

Das Herz des Westkreuz in Aubing ist der Laden-Komplex Paul-Ottmann-Zentrum am Wohnhaus Ramses. Das Einkaufszentrum soll komplett neu gestaltet werden. Den Wettbewerb dafür haben nun Allmann Sattler Wappner Architekten (ASW) mit einem interessanten Entwurf gewonnen. 

 

Die Großsiedlung Westkreuz im Bezirksteil Aubing-Süd des westlichsten Münchner Stadtbezirk wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet. Das Paul-Ottmann Zentrum an der Ecke Radolfzeller Straße/Mainaustraße ist als Einkaufszentrum das Herz des Westkreuz und gilt als sozialer Dreh- und Angelpunkt des Stadtteils Aubing (Bild links). Bemerkenswert ist die Lage auch wegen der direkt angrenzenden, Riesen-Immobilie Ramses mit 343 Wohnungen sowie Schwimmbad und Sonnenterrasse im obersten, 19. Stockwerk. Den Grundstein für den im Sommer 1971 fertig gestellten Ramses, das von den Architekten Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow entworfene höchste Gebäude Aubings, wurde am 12. Juni 1969 vom OB Hans-Jochen Vogel gelegt.

Auch das westlich angrenzende Paul-Ottmann-Zentrum wurde in den Siebzigerjahren erbaut und ist mittlerweile von Grund auf sanierungsbedürftig. Zudem muss das Ladenzentrum den modernen Anforderungen angepasst werden, wie Brandschutzauflagen, Barrierefreiheiten und Energie-Vorgaben.

Im Rahmen der weiteren Entwicklung von Neuaubing und Westkreuz soll zudem die Attraktivität und Nachhaltigkeit des Stadtteils gezielt gestärkt werden. Die Bauherren SBI GmbH und Müller Beteiligung-Aubing GmbH & Co KG lobten hierfür gemeinsam mit der Stadt München einen Architekturwettbewerb aus, der nun Ende April entschieden wurde.

Aufgabe an die geladenen Architekturbüros war es, neben Gewerbeflächen auch Raum für Ärzte, eine Stadtsparkassenfiliale, die Stadtteilbibliothek aber auch Wohnungen und eine Kindertagesstätte zu konzipieren. Die Jury unter Vorsitz von Ulrike Lauber kürte nun den Entwurf von ASW zum Sieger. Insgesamt gab es vier Preisträger. Wer von ihnen das neue Zentrum letztlich realisieren darf, ist aber noch offen. „Wir haben uns noch nicht entschieden“, so Bauherr Roman Müller.

 

Wettbewerbsergebnis:

1. Preis: Allmann Sattler Wappner Architekten, München, mit Landschaftsarchitekten "Man made Land", Bohne Lundquist Mellier, Berlin (Rendering Bild oben, Modell links) 


Highlight des Entwurfs sind begrünte, asymmetrische Rampen: Durch sie werden die Dächer als nutzbarer Raum erschlossen. Eine „einmalige architektonische Lösung“, so das Urteil der Preisrichter - auch wenn es am Ende gestalterisch schwierig werden könne, Privates und Öffentliches zu trennen. „Der Entwurf spannt einen "Bogen von der vorhandenen Wohnbebauung der Sechziger- und Siebzigerjahre zu einer zeitgemäßen Lösung und ermöglicht damit eine Identifikation mit dem Ort“, so die Jury. "Überzeugend" sei die bewusst gesetzte Kante zur Mainau- und Radolfzeller Straße, ebenso die Dimension des zentralen Platzes: Die Freifläche biete "beste Chance zur Bildung eines neuen und offenen Quartierszentrums, ohne zu weit zur lauten Straße hin geöffnet zu sein".

2. Preis: Auer und Weber Assoziierte GmbH, München und Grabner + Huber Landschaftsarchitekten Partnerschaft, Freising (Rendering links)

Laut Jury stellt der Entwurf ein „angenehm proportionierten Quartiersplatz mit großer Aufenthaltsqualität" und "feinfühlig platzierte Baukörper" dar. Die Zugänge zum Supermarkt, zum Discounter und zu den kleinen Läden wirkten "einladend", auch die als Ahornhain angelegte Gasse zum Ramses sei eine gelungene Lösung.

3. Preis: Büros GPS Architekten mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München (Rendering links)

Der Entwurf beinhaltet kleinere Hochhäuser, die als Gegenpol zum Ramses positioniert sind, und einen zweigeschossigen Café-Pavillon. Er versucht sich damit an einer Fortschreibung der orthogonalen Siedlungsarchitektur, was einen eigenen Reiz hat.

4. Preis: Maier Neuberger Architekten München mit "terra.nova landschaftsarchitekten"

Auch dieser Entwurf (Rendering links unten) arbeitet wie der von Auer + Weber mit „polygonalen Volumen“ und  stellt diese ebenfalls in Kontrast zur umgebenden Bebauung mit der markanten Hochhausscheibe von Helmut von Werz und Johann-Christoph Ottow.

 

Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe

Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind bis Samstag, 9. Mai, im Paul-Ottmann-Zentrum im zweiten Stock der Radolfzeller Straße 15 ausgestellt und können montags bis freitags zwischen 12 und 18 Uhr sowie an den Samstagen von 9 bis 13 Uhr besichtigt werden.

Quellen: Pressemeldungen von "Baunetz", "Deal-Magazin","SZ"

Bilder: Allmann Sattler Wappner Architekten; München-Aubing: Der "Ramses" in der Siedlung Am Westkreuz, davor das Paul-Ottmann-Uentrum – Fotograf  Dietzel65, Steffen Dietzel; Auer und Weber Assoziierte GmbH, Büros GPS Architekten; Maier Neuberger Architekten