Koenigsplatz-Viertel

Das Viertel Königsplatz ist das Herzstück des Bezirks Maxvorstadt. Hier stehen einige der bedeutendsten klassizistischen Bauwerke Europas. Es umfasst heute das Kunstareal mit den Museen am Königsplatz und den Pinakotheken sowie große Teile der Technischen Universität München (TUM).

 

Das Viertel im Stadtbezirk Maxvorstadt grenzt mit dem Maximiliansplatz im Südosten an den Altstadt-Bezirk und im Süden entlang der Prielmayer- und Arnulfstraße an den Bezirk der Isarvorstadt-Ludwigsvorstadt. Im Osten verläuft die Grenze zum Universitätsviertel entlang der Briennerstraße bis zum Karolinenplatz und dann mit der Barerstraße nach Norden bis zur Schellingstraße, an die das Viertel „Am alten nördlichen Friedhof“ anschließt. Die Grenze zum Augustenstraßenviertel bildet im Westen die Luisenstraße. Das Königsplatzviertel ist das Viertel der Maxvorstadt mit den wenigsten Einwohnern und geringsten Einwohnerdichte, aber zugleich das mit den großartigsten Kulturdenkmälern, Museen und schönsten Plätzen Münchens.

 

Der Königsplatz

Die Planung zum Bau des klassizistischen Ensemble von der Residenz nach Westen entlang dem Fürstenweg (später Königsweg, heute Brienner Straße) mit dem Königsplatz und dem Karolinenplatz erfolgte Anfang des 19. Jahrhunderts durch Carl von Fischer im Auftrag des Kronprinzen Ludwig, dem späteren König Ludwig I. Zusammen mit Friedrich Ludwig Sckell sah der junge Architekt Fischer die Verbindung zwischen Residenz und Schloss Nymphenburg eine Straße/Allee mit lockerer Bebauung von Villen in großen Gärten vor. Er versuchte den starren Rasterplan der Maxvorstadt durch Plätze aufzubrechen, die er an Stellen, an denen quer einfallenden Straßen auf den Fürstenweg zuliefen, projektierte.

Den Königsplatz konzipierte Fischer nach der Akropolis in Athen. Klassische Strenge sollte in lebendiges Grün eingebettet werden und so Ausdruck der städtebaulichen Vorstellungen Ludwigs I. entsprechen, der kulturelles Leben, bürgerliche Ideale, katholisches Christentum, königliche Verwaltung und Militär gemeinsam und in Grün eingebettet sehen wollte. Insofern gehört der Königsplatz zu einem Ensemble, das mit der Abtei St. Bonifaz beginnt und über den Königsplatz zu den Pinakotheken läuft, an der sein Leibregiment in der Türkenkaserne zu einer Einheit wuchs.

Um einen mit Tempeln umstandenen Platz zu schaffen, erweiterte Fischer die Brienner Straße und begrenzte den Platz durch zwei quer verlaufenden Straßen, der heutigen Luisenstraße und der Arcisstraße.  An den Längsseiten konzipierte er zwei etwa 200 Meter lange Tempelbauten, unmittelbar an den Platzkanten der Wohnbebauung. Die starre Symmetrie sollten Rasen und Bäume aufheben. Dieses Konzept wurde aber nur teilweise realisiert. Nachdem Kronprinz Ludwig 1815 den Architekten Leo von Klenze in Paris  kennengelernt hatte, beauftragte er ihn zum Bau der Glyptothek am Königsplatz. Klenze übernahm dabei nicht nur wesentliche Elemente von Fischers Wettbewerbsentwurf für die Glyptothek, sondern zog auch die Gestaltung des Platzes an sich und übernahm dabei Grundkonzeption Fischers.

Klenzes Glyptothek steht der etwas später durch Georg Friedrich Ziebland erbauten Antikensammlung  gegenüber. Als Abschluss und Art neues Stadttor nach Westen liess Klenze später das dem griechischen Freiheitskampf gewidmeten Propyläen nach dem Vorbild des antiken Athener Torbaus Propylon errichten. Klenze hat an den Münchener Propyläen im Rahmen des Klassizismus auch einen eigenen Formenkanon verwirklicht, der auch ägyptischen Einflüsse trägt. Der Königplatz ist eine Oase städtebaulicher Ruhe. Der Platz wurde von Fischer, Klenze und ihrem Bauherrn Ludwig I unter rein ästhetischen Motiv nach dem Ideal der griechischen Antike errichtet. Wesentlich für die Wirkung der Bauwerke und ihr Zusammenspiel ist die Neigung des Platzes. Er fällt von den Gebäuden über die Rasenflächen zur zentralen Straße leicht ab. Diese geringe Neigung genügt, um den Eindruck von antiken Tempelanlagen, die stets auf Anhöhen und Hügeln errichtet wurden, zu erzeugen.

 

Der Karolinenplatz

Östlich des Königsplatz folgt entlang der Brienner Straße der Karolinenplatz, von dem strahlenförmigen die Straßen ausgehen. Durch seine Gestaltung greift der Platz die enge Verbindung zu Frankreich auf  und durchbricht gleichzeitig den ursprünglich starren Rasterplan von Friedrich Ludwig Sckells der Maxvorstadt. Vor allem durch Erweiterungen der Brienner Straße selbst wurden diese Plätze realisiert. Anders als die anderen beiden Plätze, Wittelsbacherplatz und Königsplatz, entstand der Karolinenplatz nicht durch Erweiterung der Straße. Dieser wurde – als erster Platz in München überhaupt – mit dem Motiv des Strahlenplatzes konzipiert. Dadurch hebt sich der Karolinenplatz aus der freien Rhythmisierung der Brienner Straße heraus und erhält einen eigenständigen Charakter.

Der Karolinenplatz wurde nach der zweiten Frau von König Maximilian I., der Prinzessin Karoline von Baden, benannt. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, ist der Karolinenplatz heute weitgehend von Neubauten geprägt, die den klassizistischen Eindruck nicht wiederherstellen. Carl von Fischer setzte dem Karolinenplatz als Strahlenplatz geschickt die Hauptbauten auf die diagonalen Platzachsen und rückte sie von den runden Straßenkanten ab. Gleichzeitig errichtete er an den Straßeneinmündungen kleine flankierende Nebenbauten.

Allerdings sind von Fischers Bauten fast nichts erhalten geblieben. So stand an der Stelle wo sich heute das „Amerika-Haus“ (Hausnummer 3) befindet, Fischers erstes Gebäude am Karolinenplatz – das Palais Asbeck. Übriggeblieben von dem Asbeck-Bau sind noch die beiden Nebenbauten, der ehemalige Stall- und Remisenbau (heute Anthropologische Staatssammlung, Hausnummer 2a) und das Gartenhaus (Hausnummer 3a).

Auch das von Fischer erbaute noble, zurückhaltende Palais Hompesch (Hausnummer 5) wurde Ende des 19. Jahrhunderts ersetzt. Das monumentale von Ludwig Deiglmar entworfene Palastgebäude diente im ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem Verlegerehepaar Bruckmann als repräsentativer Wohnsitz. Die Bruckmanns generierten sich als frühe Förderer Adolf Hitlers. Der Vorgängerbau des Palais Freyberg-Schätz des benachbarten Grundstück (Hausnummer 5a) stammte ebenfalls von Fischer, wurde aber 1901 durch die Jugendstilarchitekten Henry Helbig und Ernst Haiger erweitert und umgebaut. Dabei wurden immerhin die Formen von Fischers Bau berücksichtigt.

 

Alter Botanischer Garten

Die Parkanlage des Alten Botanische Garten liegt südlich des Königsplatzes und westlich des Lenbachplatz. Er wird auf der Südseite durch einen geraden und 360 Meter langen Abschnitt der Elisenstraße begrenzt, während er auf den anderen Seiten bogenförmig durch die Sophienstraße begrenzt wird. Im Süden grenzt auf der gegenüberliegenden Seite der Elisenstraße das Areal des 1890 bis 1897 nach Plänen von Friedrich von Thiersch errichteten Justizpalastes an. Im Norden wird er von dem noblen Wohn- und Büroquartier Lenbach Gärten mit dem Fünf-Sterne-Hotel The Charles Hotel im Nordwesten begrenzt. Es wurde 2008 bis 2010 von dem Projektentwickler Frankonia Eurobau nach Plänen von Steidle Architekten und Hilmer & Sattler und Albrecht errichtet und befindet sich heute im Besitz verschiedener Eigentümer.

Die ursprüngliche Anlage wurde nach dem Abriss der Münchner Stadtmauern durch Graf Rumford (Benjamin Thompson) als Botanischer Garten 1804 bis 1812 nach Plänen des Landschaftsarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell angelegt und am 23. Mai 1812 eröffnet. Damals stand der Garten unter der Leitung von Franz von Paula von Schrank. Das klassizistische Eingangsportal am Lenbachplatz, das 1812 nach einem Entwurf des portugiesischen Baumeisters Emanuel Joseph d´Herigoyen errichtet wurde, ist das heute noch vorhandene Wahrzeichen des Gartens. An die ursprüngliche Funktion des Alten Botanischen Gartens erinnern heute noch zahlreiche exotische Bäume.

1854 wurde an der Nordseite des Parks anlässlich der Internationale Industrieausstellung in München der Glaspalast errichtet, der danach als Kunstgalerie diente und 1931 einem Großbrand zum Opfer fiel.

Nachdem 1914 der Neue Botanische Garten nördlich des Schlosspark Nymphenburg im heutigen Bezirksteil Nymphenburg angelegt worden war, wurde der Alte Botanische Garten 1937 nach einer Skizze von Hitlers Lieblingsarchitekten Paul Ludwig Troost sowie Plänen des Architekten Oswald Bieber umgestaltet. Bieber entwarf auch das Kaffeehaus in historisierendem Stil, das heutige Park Café, sowie das kleine Ausstellungsgebäude errichtet, das heute vom Verein Ausstellungsleitung Pavillon e.V. für Ausstellungen aktueller bildender Kunst genutzt wird. Der riesige Neptunbrunnen stammt von dem Bildhauer Joseph Wackerle.