Franz Hart: Ein Konstrukteur mit Feingefühl

Das Haus der Architektur der Bayerischen Architektenkammer zeigt eine Ausstellung über den Hochschullehrer der Münchner Architektenschule, Publizisten, Schriftgrafiker und Architekten Franz Hart. Fast jeder Münchner kennt einen seiner öffentlichen Bauten wie den Hauptbahnhof, die Hochschulbauten, die Salvatorgarage oder das Deutsche Marken- und Patentamt.

 

 

Im Dokumentarfilm des Bayerischen Rundfunks „Topografie – Bauen auf dem Land“ von Dieter Wieland erläutert Franz Hart sein Wohnhaus in Fischen am Ammersee: Er verwende für Wohnhäuser Satteldächer und keine Flachdächer, unbehandelte Holzbretter wie bei den Scheunen Oberbayerns statt imprägnierte und bemalte Hölzer.

Einen völlig anderen Eindruck vermitteln die öffentlichen Bauten des Architekten, Hochschul-Professors, Publizisten und Schriftgrafikers Franz Hart (1910-1996), die als Klassiker der Münchner Nachkriegsmoderne zählen. Zusammen mit Josef Wiedemann und Johannes Ludwig prägte Hart maßgeblich die Münchner Architekturschule. Das Mensagebäude der Technischen Hochschule München (1956-1957) erscheint wie von Mies van der Rohe entworfen (siehe Bild links unten) und die weit aufgespannte Bahnhofshalle des Münchner Hauptbahnhofs (1955 -1963)  ein Beispiel für akkurate Ingenieurskunst zur Statik und Berechnung.

 

Doch Hart war weder romantischer Traditionalist noch Modearchitekt, sondern ein professioneller Konstrukteur, der für die jeweilige Aufgabe das geeignetste Material und die passende Technik verwendete. Dies zeigt sich auch bei seinen Hauptwerken, dem Deutschen  Patent- und Markenamt an der Isar (Aufmacherbild oben und Bild oben links) und die Salvatorgarage in der Münchner Altstadt, bei denen er meisterhaft Klinker verwendete.

Für die Ausstellung im Haus der Architektur werden Bilder zu den Bauten Harts von dem Fotografen Michael Heinrich und seinem Studentenwerkkreis der TH Karlsruhe gezeigt. Auch machen sich Architekten in den Vorträgen Gedanken, wie die wertvollen, aber durch wirtschaftliche Zwänge in ihrer Existenz bedrohten Bauten der Nachkriegszeit bewahrt werden können.

 

 

 

Franz Hart (1919-1996): Öffentliche Bauten in München

Ort: Haus der Architektur, Waisenhausstraße 4, München

Zeit: Ausstellungsdauer - 11. Dezember 2014 bis 5. Januar 2015

Öffnungszeiten - Mo – Do 9.00 – 17.00 Uhr
Fr 9.00 – 15.00 Uhr
feiertags und an Wochenenden geschlossen; Eintritt frei

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 10.12.2014, 19 Uhr

Weitere Informationen:

Bayerische Architektenkammer: Franz Hart - Ausstellung

 

Franz Hart – Leben

Franz Hart wurde am 25. November 1910 in München geboren. Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München entschied er sich 1929 für das Studium der Architektur an der Technischen Hochschule München, obwohl wo seine Stärken in dem humanistischen Gymnasium bei den altphilologischen Fächern Latein und Griechisch lagen, seine Schwächen aber Mathematik und Zeichnen waren. Unter Hans Döllgast entwickelte er sich zu einem guten Zeichner und vor allem einem hervorragenden Schriftgrafiker, bei Robert Vorhoelzer bearbeitet er nach dem Vordiplom seine ersten Entwürfe, nachdem er bereits sein einjähriges Büropraktikum bei der von der Neuen Sachlichkeit Vorhoelzers geprägten Postbauleitung (im Außendienst von Traunstein in Reit im Winkel) gearbeitet hatte.

Während des Studiums konnte er seine Schwäche in der Mathematik überwinden und führte sogar Nachhilfekurse im Fach Eisenbeton/Statik durch. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums,  1934, arbeitete er auf Empfehlung Döllgasts von 1935 bis 1942 als Mitarbeiter im Architekturbüro Leonhard Haberäcker in München. Hier war er vor allem für Statik und Konstruktion zuständig. Als Oberingenieur arbeitete er auch mit Josef Wiedemann, dem Mitarbeiter des Generalbaurat von Linz, Roderich Fick, an der statischen Bearbeitung des Donau-Hotels zusammen.  Von 1936 bis 1937 wurde er vom Büro Haberäcker an die Dortmunder-Union-Brückenbau ausgeliehe, für die er am Großprojekt der Elbe-Hochbrücke in Hamburg Statikberechnungen durchführte.

1942 wurde Franz Hart zum Militärdienst in den Krieg eingezogen, wo er bei der Luftnachrichtentruppe als Funker arbeitet.

1945 begann er als freischaffender Architekt, Publizist und Schriftgrafiker in München zu arbeiten. Für den Stromversorger BELG baute er von 1947 bis 1950 das 1936 entstandene „Haus der Deutschen Erziehung“ in Bayreuth zu einem Verwaltungsgebäude (heute E.ON, siehe Bild links) um. Über die BELG wurde er an das Bayernwerk vermittelt, für die er das Niedernach-Kraftwerk am Walchensee erbaute.

 

Es folgten Wohnhäuser in Bayreuth, München,  Fischen am Ammersee (sein eigenes), Krailing und in Erding. Seinen Durchbruch gelang ihm durch eine Reihe von Wettbewerbserfolgen und Großaufträge, wie der Gleishalle des Hauptbahnhofs München (Bild links, Bild links unten), des Deutschen Marken- und Patentamt (mit G. H. Winkler) und des Mensa der TH München. Es folgten weitere Hochschulbauten in Zusammenarbeit mit jeweils anderen Hochschulkollegen.  

Von 1946 bis 1948 war Hart Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule München und wurde 1948 als Professor für Hochbaukonstruktion berufen, führte aber auch Vorlesungen in Baustoffkunde durch. Wegen der hohen Nachfrage der Ausbildung für Hochbau wurde auf Drängen von Vorhoelzer später ein weiterer Lehrstuhl für Hochbaukonstruktion geschaffen, der mit Werner Eichberg, einem Schüler von Adolf Abel, besetzt wurde.

 

1978 wurde Hart emeritriert. Auch durch seine Lehrbücher, wie „Skelettbauten“, „Baukonstruktion für Architekten“, „Der Mauerziegel“ und „Der Stahlbauatlas“, die er allein oder zusammen mit Hochschul- und Architektenkollegen wie Walter Henn, Ernst Bogenberger oder Heiko Folkerts verfasste, beeinflusste stark die jüngere Architektengeneration. 

Privat widmete er sich der Kunst, dem Design und der Grafik. Gemeinsam mit seiner Frau Irene umgab er sich, im eigenhändig entworfenen Haus am Ammersee, mit ausgewählter Kunst, Kunsthandwerk aus verschiedenen Kontinenten und Designobjekten des 20. Jahrhunderts. Speziell den skandinavischen Designklassikern fühlte er sich verbunden. Er wohnte in dem von ihm errichteten Wohnhaus in Fischen am Amersee.

Werke (Auswahl)

1947-1951: Kraftwerk Niedernach am Walchensee

1953–1959: Deutsches Patent- und Markenamt, München

1955–1963: Hauptbahnhof München (mit H. Gerbel, Bundesbahndirektion M.)

1956: Siegestor (Schriftgestaltung für den Wiederaufbau), München  

1956–1957: Mensa der Technischen Hochschule München (heute TUM)

1957: Haus Dr. Kugel, Oberföhringer Straße, München

1957–1963: Institut für Hochspannungstechnik der Technischen Hochschule München, Hochvolthalle (Bild links, linker Bau, mit Werner Eichberg)

1957-1966: Maschinenbau-Abteilung an der Nordwestecke TUM, München, mit G. Werner; Fassade erneuert von Hild und K (Bild links, r. Bau)

1960: Institut für Techn. Physik - Reaktorhalle – der TH München, mit Josef Wiedemann (Bild links unten)

1960–1964: Neubau der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der Technischen Hochschule München, Arcisstraße und Barer Straße mit Johannes Ludwig und A. Hlawaczek; 2010 abgerissen, durch das Ägyptische Museum, Hochschule für Film und Fernsehen ersetzt

1962: Olympia-Eissport-Zentrum (Überdachung), Garmisch-Partenkirchen

1964: Hertie Hochhaus in Schwabing (Fassaden)

1964–1965: Salvatorgarage, Kreuzviertel, München

1969–1975: Deutsches Museum – Verbindungsgang zwischen Bibliothek und Sammlungsbau München

1985: Volksbank Eichstätt 

 

 

Fotografien: Oben groß: DPMA – Atriumsbau von der Erhardstraße – Michael Heinrich; TH Karlsruhe; Haus von Franz Hart in Fischen am Ammersee (Ostseite) – Susanne Kienlechner; E.ON, Luitpoldplatz 5, Bayreuth – Mattes; sonst Ulrich Lohrer