Fink Jocher Architekten

Zu den namhaften Münchner Architekturbüros, die in den Wettbewerben häufig die vorderen Plätze einnehmen, gehören Fink+Jocher.  spielt bei den Wettbewerben vorne mit. 1991 gründete Diedrich Fink mit Thomas Jocher das Architekturbüro. Heute arbeiten Fink & Jocher international in allen Feldern von Architektur und Städtebau.

 

Dietrich Fink wurde 1958 in Burgau geboren. 1984 machte er sein Diplom an der TU München und wurde 1988 Akademischer Rat am Institut für Städtebau und Regionalplanung an der TU München. 1998 hatte er eine Gastprofessur an der TU München, 1999 wurde er Professur an der TU Berlin und ein Jahr später Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. 2001 Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung. 2004 Professur an der Technischen Universität, München (TUM). Sein Kompagnon Thomas Jocher wurde 1952 in Benediktbeuern geboren und erlangte 1980 sein Architektur-Diplom an der TU München. Ab 1984 war er Akademischer Rat am Institut für Städtebau und Regionalplanung an der TU München und promovierte 1991. Seit 1997 ist er ordentlicher Professor an der Universität Stuttgart und war 2004 Gastprofessor an der Tongji Universität, Shanghai. Fink und Jocher sind Eigentümer des Büros Fink + Jocher, die Geschäftsleitung des Büros hat seit 2002 Ivan Grafl (*1966) inne. Hier einige Werke des Büros in chronologischer Reihenfolge.

 

Stadtfuge in Lindau am Bodensee

Mit dem Gebaude in der Cramergasse 10 wurde eine Baulücke im Ensemble der Altstadt Lindaus geschlossen. Das Grundstück ist an der schmalsten Stelle gerade 2,90 m breit. Deswegen blieb der schmale Teil des Grundstücks seit der Grundstücksneuordnung nach dem Stadtbrand von 1728 unbebaut. Die vollflächige Verglasung der Fassade des Neubaus antwortet auf die Aufgabe, bei der Ladentiefe von 35 Metern das Maximum an natürlicher Belichtung zu gewinnen. Das Gebäude bekennt sich als Bestandteil der städtischen Textur, ohne seine Eigenschaften als Objekt, als Ergebnis einer spezifischen, außergewöhnlichen Bauaufgabe zu verleugnen.

 

Quartier Widmannstraße in Riem (1998)

Die paarweise Erschließung der viergeschossigen Häuser bildet das städtebauliche Thema innerhalb des Quartiers. Durch die Zusammenfassung der Erschließungsflächen werden Kommunikationsflächen konzentriert und Kosten gespart. Dazu entstehen großzügige Freiräume an Stellen die nicht der Erschließung dienen. Der südorientierte Wohnungszugang innerhalb der Gebäude erfolgt über einen energetisch wirksamen Wintergarten. Die Wohnflächenvariabilität wird über einen Schaltraum ermöglicht.

 

Kantinengebäude in Percha

Das Gebäudes des militärischen Taucherausbildungszentrums befindet sich in Percha am Starnbergersee. Es bildet eine Erweiterung der bestehenden Holzhäuser für Unterkunft, Lager und Ausbildung. Unmittelbar an einem öffentlichen Spazierweg gelegen, bestand die Aufgabe der Architekten darin, die Sicht in den Speise- und Aufenthaltsraum zu schützen ohne den Ausblick wesentlich einzuschränken. 

Ein einfacher Kubus entstand, der sich mit einer umlaufenden Haut aus Holzlamellen unauffällig zwischen die Bäume einfügt. Die Lamellenfassade umschließt einen Holzrahmenbau mit zwei eingestellten Körpern in denen die Küche und die Sanitärräume untergebracht sind. Die Kuben tragen einen Tarnanstrich aus hellen leuchtenen Farben, der zwischen der militärischen Nutzung einerseits und einem erholsamen Aufenthalts- und Freizeitbereich andererseits vermittelt. Nur nachts, wenn innen das Licht angeschaltet ist sieht man Menschen in dem Gebäude, das tagsüber im Schatten der Lamellen und Dachüberstände liegt. 
Die Ansichten der Taucherkantine zeichnen sich durch die umlaufende Lamellenfassade aus Lärchenholzleisten aus. Sie lassen das Gebäude sowohl von außen, als auch von innen größer erscheinen als es ist. Nur zwei Türen durchbrechen die Holzlamellen zur Küche und in das Entree. In einem Abstand von einem Meter versetzt befinden sich hinter der Lamellenfassade transparente und geschlossene Wände, die die thermische Hülle des Gebäudes bilden. In der transparenten Pfosten-Riegel Holzfassade sind die Glasscheiben zweiseitig in den Riegeln gelagert und befestigt. Die vertikalen Glaskanten sind gestoßen und mit Silikon abgedichtet. Die Senk-Klapp-Öffnungselemente bestimmen im offenen Zustand den minimalen Abstand der Lamellenfassade. Die geschlossenen Wände sind mit einer vorgehängten, anthrazitfarbenen Faserzementfassade bekleidet. Das Projekt wurde mit dem Holzbau Preis 2002 ausgezeichnet.

 

Am Ackermannbogen (2004)

In der Therese-Studer-Straße 21-33 entstand auf dem Areal der ehemaligen Waldmann-Stetten-Kaserne im Rahmen des ersten Bauabschnitt des neuen das neue Wohngebäude. Fink+Jocher entwarfen für das Quartiersinnere fünf Gebäude. Dabei wurde auf größtmöglichste Flexibilität in Bezug auf die Grundrissgestaltung sowie auf ein hohes Maß an Autarkie in der äußeren Erscheinung geachtet. Ein im Wohnbau außergewöhnlicher Maßstab garantiert eine hohe Wiedererkennbarkeit der Häuser. Einheitliche Fensteröffnungen in der Dimension von 2,20 x 2,40 Meter verbergen die dahinter liegenden unterschiedlichen Nutzungen. Sie geben den Wohnungen viel Licht und schaffen ein starkes Fassadenrelief, indem sie die gewohnte Erscheinung tief in der Laibung sitzender Fenster umkehren.

 

 

 

 

 

Wohn- und Geschäftshaus im Westend (2005)

Der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses in der Ecke Landsberger Straße 15/Holzapfelstraße 1 bis 3 war ein wichtiger Impuls für den Aufbruch des aufstrebenden Münchner Stadtteils Westend. Mit seiner leuchtend roten Fassade besetzt es einen städtebaulich markanten Ort an der vielbefahrenen Landsberger Straße. Der Neubau ersetzt fünf ehemalige Baukörper, deren Erhalt nicht mehr wirtschaftlich war. Sieben Läden, ein Gemeinschaftsraum und 23 Wohnungen unterschiedlicher Größe und Organisation sind entstanden. 17 Wohnungen mit Loggien, sechs Maisonettewohnungen mit zweigeschossigen Lufträumen und Dachterrassen. Die tragende Struktur des Hauses ist auf die Außenwände und die Treppenkerne reduziert. Der gesamte Ausbau durch Leichtbauwände erlaubt langfristig eine Anpassung an den Bedarf der Nutzer und kommende Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt. Alle Wege innerhalb des Hauses sind schwellenfrei.

 

Studentenwohnheim TUM Garching (2005)

Im Zuge der Erweiterung des Hochschulcampus der Technischen Universität München in Garching durch die Auslagerung eines großen Teils der Fakultäten der Ingenieurwissenschaften aus der Innenstadt projektiert das Studentenwerk München die Errichtung von hochschulnahem Wohnraum für Studenten. Das Haus folgt dem Gedanken einer Plattform, auf der alle Lebensentwürfe nebeneinander möglich sind, ohne sich gegenseitig zu stören. Innerhalb der Zimmer sind keine festen Wohnformen vorgegeben, vielmehr ist der Grad an Festlegungen so weit wie möglich minimiert, damit immer wieder ändernd, alle Lebensvorstellungen Form gewinnen können. Ohne Ausnahme besitzen alle Möbel Räder, so dass die Räume umgestellt werden können. Vom Studierzimmer zum Begegnungsraum sind es nur wenige Minuten. Vor den Zimmern ist der Weg, zugleich Erschließung und Balkon. Zum Weg um das Haus orientieren sich alle Gemeinschaftsküchen und Zimmer. Der Weg ist breit genug und wie ein ins Haus hinein verlängerter Gehweg roh genug um Begegnung und Aneignung zu stimulieren. Getragen von einem das Haus umspannenden Seilnetz, werden mehrere hundert Weinpflanzen in der Zukunft das Haus umranken, ihm im Sommer Schatten spenden, es im Herbst rot färben, im Winter das Laub abwerfen, um die Sonne ins Haus zu lassen. Sie werden im Haus die Jahreszeiten alltäglich erlebbar machen.

 

 

NUWOG Headquarter Neu-Ulm (2007)

Form und Ausdruck des Stadthauses in der Schützenstraße 32 suchen nach Eigenständigkeit und zugleich nach Kooperation mit der Stadt, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts rasterförmig innerhalb der 1841 gegründeten Bundesfestung entwickelt hat. Die Gestalt des Hauses nimmt in seiner Formfindung Autarkie und eine neue Dimension für die kommende Entwicklung der Stadt in Anspruch. Die Form der dünnformatigen, eigens hergestellten Torfbrandklinker und der gleich gefärbten Beton-Fensterrahmen nehmen die Geometrie des orthogonalen Rasters auf. Einheitliche Fassadenöffnungen geben den Wohnungen durch außergewöhnlich viel Licht einen hohen Alltagswert und schaffen in der äußeren Erscheinung einen Maßstab, der eine hohe Wiedererkennbarkeit herstellt. Das Ziel, die Grenzwerte des Niedrigenergiehaus Standards zu unterschreiten, wird durch ein sehr günstiges Volumen-Hüllflächen-Verhältnis, die Minimierung von Transmissionswärmeverlusten durch hochwärmegedämmte Außenbauteile, durch die Bauteilaktivierung der Massivdecken und durch eine Pelletheizung erreicht.

 

Grundschuke Helsinkistraße in Riem (2009)

Die Schule befindet sich im „Aktivitätenband“ der Messestadt München-Riem. Ihr Baukörper besitzt hofartige Ausschnitte, die zur Belichtung der Erschließungs- und Aufenthaltsflächen dienen. Die eingeschossige Konzeption stellt den pädagogischen Idealfall für eine Grundschule dar. Alle Räume profitieren unmittelbar vom attraktiven Freiraum. Da die Schulnutzung in 15-20 Jahren beendet sein wird, wurden die tragenden Stützen auf ein Minimum reduziert und das Dach als massive Deckenplatte geplant, um höchste Flexibilität für eine spätere Umnutzung zu erzielen.

 

Bilder: Fink + Jocher, Studentenwerk TUM